Erziehung auf höherem Niveau

Edles Hightech-Auto: Nichts für eilige Hektiker.
Lexus Es erzieht auf hohem Niveau. Man nimmt den Hybrid-Lexus in Betrieb wie ein Pilot seinen Jet, tunlichst besonnen, ruhig, überlegt. Von einem Premium-Fauteuil gestützt, gewärmt oder auch gekühlt, wirft man erst einmal einen entspannten Blick vom Hochparterre auf die Umgebung, auf die Instrumente. Und stellt fest: Der Lexus in seinem markanten Outfit wirkt nicht nur außen, auch innen größer, breiter als ein VW Tiguan, ein BMW X3 oder andere Kompakt-SUV. Ist zwar ein Allradler, aber deutlich mehr ein Coupé als ein Lasttier fürs Gelände.
Man thront ein wenig über den Dingen, hat Zeit für Genuss, verspürt ein gutes Raumgefühl in einer edlen Umgebung. Hier wurde nicht gespart von den Raumausstattern, gar nirgendwo. Es kommt nachhaltige Zufriedenheit auf mit den noblen Materialien und der programmierten Sitzposition, in die man natürlich automatisch manövriert wird. Das Gestühl hat sich zuvor zwecks komfortablem Einstieg weit nach hinten verfügt. Eventuell noch eine kleine elektrische Korrektur an der Position des Volants, vielleicht ein Tipp auf die Lenkradheizung, wem es fröstelt. So wird man zum Feinspitz beim Autofahren.
Und drückt genussvoll auf den Startknopf. Mit dem es dann ebenfalls beschaulich weitergeht. Genau gesagt, passiert einmal gar nichts. Außer einem Signalton gibt der Elektro-Lexus kein Lebenszeichen von sich. Es erstrahlt das zentrale Display mit einer hübschen grafischen Lösung, bevor der Vollhybrid in den elektrischen Fahrmodus übergeht. Dem folgt lautloses Ausparken, kameragestützt falls erforderlich, recht mühelos dank der in allen Lagen mustergültig leichtgängigen und doch exakten Lenkung.
Der Genuss der Lautlosigkeit ist stets von kurzer Dauer. Schon bald setzt die Arbeit des Benzinmotors ein, auch bei fast voller Batterie. Für die Insassen bewegt sich das Geräuschniveau auf sehr niedrigem Niveau, von außen ist der Verbrenner jedoch zu vernehmen. Für einen lautlosen Abgang aus einer Wohnsiedlung besteht keine Garantie. Das Elektrobeiwerk dient in erster Linie dem moderaten Verbrauch.
Dann geht es leichtfüßig dahin, zumal der Lexus von beiden Aggregaten angetrieben wird. Im urbanen Bereich, bei Stop-and-go, kommt es zu einem elektronisch gesteuerten Wechselspiel zwischen den Energiequellen. Es lässt sich auf dem Display beobachten und dient solchermaßen auch dem besseren Verständnis der Mitfahrer für die Hybridtechnik. Sofern diese daran interessiert sind und nicht an anderen Unterhaltungseinrichtungen an Bord unseres vortrefflich ausgestatteten ,,E-four Executive“.
Überland bestehen zwei Möglichkeiten: den Lexus entspannt weiterzufahren und die Schalttätigkeit dem stufenlosen Getriebe zu überlassen. Spontane Leistungsbereitschaft ist in diesem Fall nicht zu erwarten. Oder in den Sportmodus zu wechseln, der über die Paddles am Lenkrad oder via Wählhebel manuelle Eingriffe ermöglicht. Der Lexus entwickelt in dieser Spielart eine etwas angenehmere, sportliche Soundkulisse. Leistung steht schneller zur Verfügung, Motorbremswirkung auch.


Fakten und Daten
Motor/Antrieb 2,5-l-Benziner und E-Motor; 197 PS Hybrid-Systemleistung, Allrad, CVT-Getriebe
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 9,2 Sek; Spitze 180 km/h, Verbrauch 5,3 l (Test: 7,5 Liter)
Preis ab 49.990 Euro; Testwagen: 64.203 Euro