Flamenco-Tänzer auf dem Asphalt

Leichtfüßig und leidenschaftlich: Der neue Ibiza verkörpert Markenidentität auch in der Praxis.
Seat Das Kleinwagensegment ist hart umkämpft. Klein alleine ist längst kein Kaufargument mehr. Die Anforderungen an die Viermeterautos sind andere. Technisch müssen sie – zumindest optional ausstattbar – können, was höhere Fahrzeugsegmente als Standard bieten. Und das Raumangebot muss Alltagstauglichkeit gewährleisten. Wenn sie dann auch noch Fahrspaß vermitteln, dann haben ihre Entwickler ganz Arbeit geleistet. So wie im Falle des Seat Ibiza, dem die VN im Test intensiv auf den Zahn gefühlt haben.
Der kleine Spanier durfte, was bisher noch keinem Seat vor ihm zuteil wurde: Er baut als erstes Modell auf der neuen technischen Plattform des VW-Konzerns für Kleinwagen auf. Also noch vor VW Polo, Audi A1 oder Skoda Fabia profitierte der Ibiza von der flexiblen und leichten Grundstruktur und vom gut gefüllten Techniklager. Und damit kann man eigentlich gar nichts mehr falsch machen. Wenn dann noch ein Designteam vieles richtig und Fahrwerksingenieure exzellenten Job machen, steht am Ende ein außerordentlich guter Kleinwagen auf der Straße. Leichtfüßig wie ein Flamenco-Tänzer, emotionsgeladen dank seiner attraktiven Linien und Kurven hebt sich der Ibiza aus dem Wettbewerbsumfeld ab.
Breiter und innen mehr Platz
Mit der Neuauflage ist der Ibiza fast neun Zentimeter breiter geworden, der Radstand ist bei unveränderter Fahrzeuglänge um zehn Zentimeter angewachsen. Der Kleine hat sich also breit gemacht, mit seinen jetzt kürzeren Überhängen steht er nicht nur satt auf dem Asphalt, sondern bietet auch im Innenraum ein deutlich verbessertes Platzangebot. So ist alleine der Kofferraum um 63 auf nun 355 Liter Ladevolumen angewachsen. Damit bietet der Ibiza in der Praxis ordentliche Lademöglichkeiten.
Zum Plus in Sachen Alltagstauglichkeit kommt die deutlich verbesserte Fahrdynamik. Eine um 33 Prozent steifere Karosserie führt zu einer gefühlt 100 Prozent verbesserten Agilität. Bei der Fahrwerksabstimmung haben die Spanier zudem den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit geschafft.
Munter werkt das 1-Liter-Dreizylinder-Aggregat unter der Motorhaube. Mit seinen 95 PS Leistung und den fünf Gängen fehlt es im Alltag an nichts. Quirlig lässt er sich bewegen und auch einigermaßen sparsam. So liegt der Testverbrauch mit 5,5 Litern recht nahe an der Werksangabe von 4,7 Liter. Fahrleistungen wie Beschleunigung von 0 auf 100 in 10,9 Sekunden bzw. die Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h sind ordentlich. Mehr als die gemessenen Werte zählen beim Ibiza die gefühlten Eindrücke. Fahrfreude lässt sich schließlich nur bedingt in Zahlen gießen. Beim kleinen Spanier zählt sein Temperament jedenfalls zu den großen Stärken. Und weil die Käuferschicht jünger und stark an Infotainment und Connectivity interessiert ist, bleibt Seat auch in dieser Hinsicht nichts schuldig. So wird geboten, was der Konzernbaukasten hergibt. Seine Erfinder haben ihn zum fahrenden Smartphone gemacht und wollen damit eine Kernkompetenz im VW-Konzern untermauern.
Deutlich verbessert präsentiert sich auch die Qualitätanmutung im Innenraum. In Summe ist der neue Ibiza gereift, mit seinem Platzangebot und den technischen Möglichkeiten dem Segment fast entwachsen. Allerdings sind das – zumindest in den Topausstattungen – auch die Preise. So kostet das Testauto auch knapp 20.000 Euro.
Zum Plus in Sachen Alltagstauglichkeit kommt beim neuen Ibiza die deutlich verbesserte Fahrdynamik.

Fakten und Daten
Motor/Antrieb 1-Liter Dreizylinder Benziner mit 95 PS; 5-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 10,9 Sekunden, Spitze bei 182 km/h, Verbrauch 4,7 l (Test: 5,5 l)
Preis ab 10.990 Euro; Testwagen: 19.911 Euro