Japanische Nürburgring-Meisterschaft

Toyota schlägt mit dem 212 PS starken Yaris GRMN eine Brücke vom WRC-Boliden zum Serienmodell.
Toyota Bei aller Ernsthaftigkeit sind auch Akio Toyodas Nachfahren Leute, die gerne spielen, sich im Wettkampf messen. Das demonstrierten die Toyota-Motorsportler über Jahrzehnte hinweg, vor allem in der Rallye-WM, in der Formel I und auf der Langstrecke.
Zwischenzeitlich schien es dennoch fast so, als würde man sich von motorisiertem Spiel und Sport distanzieren. Dass es so nicht ist, davon zeugt die Gründung von Gazoo Racing (2015), als Bündelung der Motorsport-Aktivitäten und als Signal (wieder) verstärkter Präsenz in internationalen Rennserien. Toyota ist im Vorjahr in die Rallye-WM zurückgekehrt. Mit beeindruckenden Start-Resultaten: Platz vier in der Fahrerwertung, Rang drei im Team-Klassement.
In Europa entwickelt
Basis dafür ist die Rallye-Version des Yaris. Um einen imageträchtigen Bezug zwischen dem WRC-Car und dem Serienmodell herzustellen kreierte man eine scharfe Variante der dreitürigen Ausführung. Die wurde in Europa entwickelt und auf dem Nürburgring feinabgestimmt. Was zum Nachnamen des Kraftzwergs führte: GMRN, das steht für „Gazoo Racing Masters of Nürburgring“.
Um dem prestigeträchtigen Rennkurs gerecht zu werden quetschte Toyota den hauseigenen – in Kooperation mit Lotus präparierten, per Kompressor zwangsbeatmeten –
1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner unter die Fronthaube. Zum Wechseln der Fahrstufen ist ein manuelles Sechsganggetriebe implantiert. Zusätzliche Verstrebungen versteifen die Karosserie. Das Auspuffsystem mündet in ein mittiges Endrohr. Das Fahrwerks-Setting resultiert in einer Tieferlegung um 24 Millimeter gegenüber dem 1,5-Liter-Standard-Yaris. Ein Torsendifferenzial unterstützt Traktion und Handling. Abgesehen von Dynamik-Zutaten wie außen einem Heckspoiler- und -diffusor, innen einem kompakteren Lenkrad und Sportsitzen wurde am Grundriß wenig verändert. Auch das trägt zu konkurrenzloser Leichtgewichtigkeit bei, der GRMN-Yaris bringt nur 1135 Kilo auf die Waage. Damit ist er, auf dem Papier, gut für einen 0-auf-100-Sprint in 6,4 Sekunden. Bei entsprechender Schalt-Geschicklichkeit sind 6,2 drin – und noch ein bißchen weniger. 230 km/h soll er Spitze schaffen. Was absolut glaubhaft wirkt. Der Motor hängt fein am Gas, der Vortrieb ist spontan, das nicht ganz so üppige Maximal-Drehmoment (250 Nm) kann man mit angehobenen Drehzahlen und flinkem Schalten überbrücken.
Im hektischen Vormittagsverkehr der katalanischen Metropole Barcelona konnte der kleine Japaner die Poleposition gegen wesentlich stärkere Kontrahenten verteidigen – nicht zuletzt dank seiner Traktionssicherheit. Die feine Lenkpräzision machte die Küstenstraße nach Sitges zum Kurventanz-Parkett. Für die Probe aufs standfeste Bremsexempel stand zwar nicht der Nürburgring zur Verfügung, dafür die feine Rennstrecke von Castellolì.
Sportgeist der Marke
Mit dem aufgepowerten Yaris gelingt der Beweis, dass Toyota den Sportsgeist nicht abgelegt hat. Dieser Spaß ist jedoch limitiert: Mehr als 400 Yaris – und 200 Vitz, wie er in Japan heißt – GRMN soll es nicht geben. Dem österreichischen Markt sind 25 Stück zugeteilt. Es soll aber der Kleine nicht der einzige Japener mit Nürburgring-Meisterschaft bleiben. Toyota hat weitere Power-Modelle angekündigt.
Mit dem Yaris GRMN transferiert Toyota die erneuerte Motorsport-Affinität der Marke glaubhaft in die Serie.


Fakten und Daten
Motor/Antrieb Vierzylinder-Benziner, 1,8 l Hubraum, Kompressor, 212 PS, 250 Nm/manuelle 6-Gang-Schaltung/Vorderradantrieb
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 6,4 Sek., Spitze 230 km/h (abgeregelt), Normverbrauch: 7 Liter
Preis ab 33.490 Euro.