Verknüpfung reeller und virtueller Welten

Dem Wandel des Autogeschäfts trägt die PSA-Gruppe mit einer Digitalisierungsstrategie Rechnung.
PSA Die Digitalisierung hat die Autowelt längst erfasst. Das Geschäft verlagert sich zunehmend ins Internet. Für Informationen, Konfigurationen und Kalkulationen konsultieren die Kunden zuerst virtuell das Web, und erst dann findet der reelle Kontakt mit dem Wunschfahrzeug statt. In Autohäusern ist die Besucherfrequenz laut PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën, DS Automobiles, jetzt auch Opel) um 40 Prozent zurückgegangen. Dieser Wert wurde in dieser Woche im Rahmen der „Mobility Talks“ in Paris genannt, ebenso wie die Zahl des momentanen globalen Autobestands: 800 Millionen.
Um diese Veränderung des Fahrzeuggeschäfts nicht aus der Hand zu geben hat der Autokonzern im Vorjahr begonnen, in Kooperation mit Tochter-, Partner- und Start- up-Unternehmen eine Reihe von Aktivitäten zu bündeln, die über die Herstellung, den Verkauf und die Wartung hinausgehen. Das Ziel fasst PSA-CEO Carlos Tavares zusammen: „Wir wollen uns vom Hersteller zum Mobilitätsanbieter transformieren.“ Ein konkretes Beispiel ist die auch in Österreich aktivierte App „Free2Move“, die rund zwanzig Car-, Scooter- und Fahrrad-Sharingunternehmen (unter anderem Car2Go) zusammenfasst beziehungweise vernetzt und Privaten lückenlose individuelle Mobilität bieten kann. Das war erst der Anfang. Eine Erweiterung dieser App um Services auf gewerblicher Ebene – Leasing, Flotten-Management und -Sharing – offeriert PSA nun für Unternehmen. Hierzulande soll es damit im kommenden Jahr so weit sein.
Neu ist, dass direkt beim Hersteller ein Auto via Web nicht nur konfiguriert, sondern auch bestellt werden kann (in Österreich demnächst). Doch will man den Handel nicht abschaffen, sondern transformieren: Die Händler sollen künftig als Markenbotschafter agieren. Ein Beispiel, wie sich PSA das vorstellt, haben die Franzosen auf dem Genfer Autosalon im Frühling dieses Jahres präsentiert, am Beispiel eines Experience-Stores als Ausgangszentrum für reelle Erlebnisse, sprich Probefahrten. In Paris bereits eingerichtet ist das entsprechende Pilotprojekt, das – mit sämtlichen Konzernmarken unter einem Dach (also künftig inklusive Opel) – in zehn europäischen Metropolen installiert werden soll.
Fokus auf Gebrauchtfahrzeugen
Neben der Herstellung und dem Absatz von Neuwagen hat der französische Konzern ebenso das Gebrauchtgeschäft im Visier. Der derzeitige Markt hat ein Volumen rund 150 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Kauf und Verkauf sollen – Marken-übergreifend – inklusive Garantie, Finanzierung, Bonitätsprüfung und Versicherung übers Internet abgewickelt werden. In Frankreich ist das bereits Realität, geplant ist Globalität. Ebenso wie das Geschäft mit Service, Wartung, Reparaturen, Ersatzteilen und Zubehör. Dazu hat sich PSA mit einschlägigen Unternehmen vernetzt.
Um dieses Konvolut an digitalen Angeboten zusammenzufassen hat Tavares das chinesische Kommunikationsunternehmen Huawei ins Boot geholt, um eine eigene Web-Plattform namens CVMP (Connected Vehicle Modular Platform) zu entwickeln. Diese will der PSA-CEO als eigene Marke etablieren und damit sein leidenschaftliches Engagement für die Erhaltung der Freiheit der individuellen, bezahlbaren und damit demokratischen Mobilität ebenso reell wie virtuell untermauern.
Die Freiheit der individuellen Mobilität ist ein Grundrecht, das bezahlbar und demokratisch bleiben muss.


Fakten und Daten
free2move: App zur Bündelung von Mobilitätsanbietern für Private (Car-, Scooter- und Fahrrad-Sharing)
free2move Lease/Connect Fleet/Fleet Sharing: vernetzte Dienstleistungen für Gewerbliche (Flottenmanagement, Wartungs- und Service-Abwicklung etc.)