Verwandlung wie bei Aschenputtel

Der Aufstieg der Marke Skoda in Österreich hört sich an wie ein Märchen.
Skoda. Bekanntheit muss nichts Gutes heißen. Das weiß Max Egger (59). Vor 25 Jahren hat der gebürtige Oberösterreicher mit dem Aufbau der Marke Skoda in Österreich begonnen. Der Volkswagenkonzern hatte sich damals gerade am tschechischen Autobauer beteiligt. Zum Start habe man Marktforschung betrieben. Jeder dritte Österreicher kannte die Marke Skoda. Die meisten aber nur wegen ihres miserablen Image. „Da war die große Bekanntheit natürlich schädlich. Es wäre einfacher gewesen, von null zu beginnen“, erinnert sich Egger im Gespräch mit den VN zurück. Im Juli 1992 waren die Verträge in trockenen Tüchern. Das einzige Modell der Tschechen hieß Favorit. Er war ausschließlich mit einem Benzinmotor erhältlich. Abwechslung gab es nur in der Karosserieform: Der Kombi Forman und eine Pickup-Version buhlten um Kundschaft.
Das taten sie freilich mit überschaubarem Erfolg. 250 Autos hatten Egger und seine Händler im ersten Jahr abgesetzt. Der Aufbau eines österreichweiten Vertriebsnetzes gestaltete sich schwierig. Etablierte Betriebe zeigten wenig Interesse. „Wir hatten nur Chancen bei Tankstellenbesitzern und kleinen Werkstätten oder einer Kombination aus beidem.“ Allerdings habe man darauf geachtet, dass die neuen Händler auch Wachstumspotenziale haben. Viele hätten das auch geschafft. Wie in Vorarlberg etwa die heutige Bürgle-Garage in Dornbirn (damals Andergassen) – ein Skoda-Betrieb der ersten Stunde.
Ambitionierte Ziele
Ein Fünfjahresplan der Intercar, wie der Skoda-Importeur unter dem Dach der Salzburger Porsche Holding damals hieß, sah ambitionierte Wachstumspläne vor. 3000 Fahrzeuge sollten 1997 in Österreich verkauft werden. Dafür seien auch beachtliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestanden. „Gebraucht haben wir die allerdings nie“, sagt Egger. Vom ersten Jahr an habe man alle Investitionen aus dem eigenen Cashflow gestemmt und nach fünf Jahren nicht 3000, sondern bereits 10.000 Autos verkauft. Mit dem Felicia kam eine überarbeitete Karosserieform, die Egger noch heute als gefällig bezeichnet. Und neue Motoren von VW gab es bald auch schon.
Der Durchbruch sollte aber erst noch kommen. 1997 leitete der Octavia den Wandel der Marke ein. Wie aus Aschenputtel im Märchen die Prinzessin, wurden aus den Böhmen-Bombern hoch attraktive Autos. „Der Octavia hat die Marke komplett verändert und prägt sie in Wirklichkeit bis heute“, so der Skoda-Chef. Gemeinsam mit dem kleineren Fabia hatte sich Skoda damit von der reinen Preismarke zur Preis-Wert-Marke gemausert. Dieser Erfolgslauf hält bis heute an. Die Skoda-Verkäufe kennen nur eine Richtung: steil nach oben. Im Jahr 2000 habe man erstmals an einem Tag mehr Autos verkauft als im gesamten ersten Jahr, so ein stolzer Markenchef. Rund 270.000 Fahrzeuge wurden seit 1992 in Österreich an Kunden ausgeliefert. Alleine heuer sollen es 22.000 werden. „Damit dürften wir in Österreich den zweiten Platz schaffen.“ Mehr geht nicht. Weil ganz vorne liegt Volkswagen. Das gilt am heimischen Markt praktisch als Naturgesetz.
Hohe Rentabilität
Nie hätte er vor 25 Jahren daran geglaubt, dass man das schaffen könnte. Man habe heute top Imagewerte, beste Kundenzufriedenheit und Händler, die auch Geld verdienen. Das trifft auch auf Skoda selbst zu. Die Marke arbeitet höchst rentabel. „Wer Geld verdient, hat ganz andere Möglichkeiten und kann auch in die Zukunft investieren“, sagt Egger.
Skoda werde in Österreich weiter wachsen. Davon ist der Automanager überzeugt. Die neuen Modelle wie der überarbeitete Octavia oder der neue Kodiaq kommen bei den Kunden bestens an. Das erste SUV der Marke ist für heuer bereits ausverkauft. Und das scheint erst der Anfang. Skoda drückt weiter aufs Tempo. Im Herbst kommt ein neues SUV als Nachfolger des Yeti. Auch eine Nummer kleiner soll ein Modell das Angebot bereichern.
Neben einer SUV-Offensive steigt Skoda auch in die E-Mobilität ein. Mit den für die Marke typischen Stärken wie der optimalen Raumnutzung soll das Skoda-Märchen auch eine Zukunft haben.
Der Octavia hat die Marke verändert und prägt sie bis heute.
Max Egger, Skoda-markenchef

