Solo-Neustart nach Partner-Trennung

Motor / 03.02.2017 • 14:32 Uhr
VW geht mit dem Crafter, dem großen Bruder des Transporters T6, neuerdings eigene Wege.
VW geht mit dem Crafter, dem großen Bruder des Transporters T6, neuerdings eigene Wege.

Mit dem neuen Crafter hat VW die Palette der leichten Nutzfahrzeuge wieder komplettiert.

VW. Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass die Volkswagen-Nutzfahrzeugabteilung bei der Neuentwicklung des Crafter Nägel mit Köpfen gemacht hätte. Dahinter steckt nicht nur eine eigens errichtete Produktionsanlage in Polen, unweit von Poznan, wo T6 und der Caddy gebaut werden. Dahinter steckt ebenso akribische Vorbereitung, was die Ausrichtung des Neuen und Größten der leichten Nutzfahrzeug-Palette betrifft. Man hat im Vorfeld auf breiter Ebene Kunden befragt. Genauso breitflächig inszeniert, statisch in Berlin, praktisch in Almeria, hat VW den Neustart nach der Trennung vom bisherigen Kooperationspartner Daimler. Demnach hat der Neue nichts mehr mit dem Sprinter, dessen technisches Zwillingsmodell er über zehn Jahre war, gemein. Ganz solo ist der Neubeginn aber nicht, doch bleibt man innerhalb der Familie: Aktueller Entwicklungspartner ist die mit der Volkswagen-Gruppe assoziierte Nutzfahrzeugmarke MAN (deren Produkt unter der Bezeichnung TGE auf den Markt kommt).

Das Design des neuen Crafter folgt dem Zweck entsprechend weniger Schönheits-, sondern in erster Linie Praxisvorgaben. Dennoch verliehen ihm die Gestalter einen flotten Gesichtsschnitt, der nicht zufällig an den kleineren Bruder T6 erinnert. Und so fährt sich der imposante Drei- bis 5,5-Tonner auch. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Entwickler bei der Inneneinrichtung an Pkw-Vorgaben gehalten haben, mit hohem Wohnkomfort schon in den Einstiegsversionen. Als Antrieb fungiert der bekannte Zweiliter-TDI, abgestimmt auf harten Dauereinsatz, in Leistungsabstufungen zwischen 102 und 177 PS, gekoppelt an eine manuelle Sechsgangschaltung oder eine Achtstufen-Wandlerautomatik.

Vorerst ist der Nützling nur als Fronttriebler zu haben. Heckantriebsvarianten und Allrad-Typen werden nachgereicht. Vom Start weg teils serienmäßig, teils optional wird ein umfassendes Konvolut an elektronischen Assistenzsystemen mitgeliefert, etwa Abstandsregeltempomat, Seitenwindassistent und Anhänger-Rangierhelfer. Infotainment, Navigation und Smartphone-Anbindung sind ebenfalls Bestandteile des Crafter-Ausstattungsprogramms. An Versionen offeriert VW Kastenwagen, Pritsche, Fahrgestell und Kombi. Für den Start spricht man von 69 Karosserie- und Antriebskonfigurationen. Die Individualisierungsrate wird mit 70 Prozent beziffert.

Der Preis: ab 27.980,83 Euro. Das kostet der Kastenwagen mit Einzelkabine in der Standard-Länge und -Höhe, als 2,0 TDI BMT (Diesel) mit 102 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe.