Neu definiert, auf Europa konzentriert

Motor / 20.01.2017 • 13:37 Uhr
Charakter und Kanten hat sich der Nissan Micra zugelegt. Er ist länger und breiter, dabei niedriger geworden. Fotos: Hersteller
Charakter und Kanten hat sich der Nissan Micra zugelegt. Er ist länger und breiter, dabei niedriger geworden. Fotos: Hersteller

Nissan hat dem Micra Ecken und Kanten verpasst und ihn sportlich gemacht.

NISSAN. Großes hat die japanische Marke mit dem derzeit Kleinsten der Modellpalette vor: Der neue Micra soll das A-Segment aufmischen. Dafür hat man ihn neu definiert. In Europa. Wo er in seiner fünften Generation optisch wie technisch dem Mitbewerb Paroli bieten soll (in Japan wird er – vorerst – gar nicht angeboten). Um das unmissverständlich zu unterstreichen, hat ihm die Designabteilung die über Generationen gepflegte Rundlichkeit aberzogen und ihm markige Kanten diktiert. Dadurch ergibt sich unterm Strich ein Charaktergesicht. Selbiges gilt für den Popo. Er soll ja nicht, wie bislang, vor allem den Frauen gefallen, sondern auch Männern unpeinlich – sportlich – zu Gesicht stehen. Das brachte ihm unter anderem eine deutliche Streckung in der Länge (plus 17 cm) und Breite (plus 8 cm) ein. Dafür ist das Dach niedriger (um 6 cm) als bisher.

Zur erwachsenen Optik addierte Nissan ein ausgewachsenes Kompaktklasse-Konvolut an Technik, sei es auf dem Sektor Infotainment – inklusive Smartphone-Integration –, sei es in Bezug auf elektronische Assistenten zum Bremsen, Spurhalten, Fußgänger detektieren und fürs Fernlicht etc. Dazu gehört sogar ein Fahrdynamik-System, was nichts damit zu tun hat, dass der neue Micra – wie der alte – vorne via Scheiben, hinten via Trommeln gebremst wird. Die Verzögerungsvorrichtung sollte so oder so mit dem Leistungsangebot zurechtkommen.

Das Motorenprogramm ist klein und übersichtlich gehalten, es stammt aus dem Aggregate-Regal von Allianzpartner Renault. Es handelt sich um einen 1,5-Liter-Diesel mit 90 PS sowie einen 0,9-Liter-Turbobenziner mit ebenfalls 90 PS und einen Einliter-Otto-Kandidaten mit 73 PS (der einen Monat nach dem Markstart orderbar sein wird). Alle Antriebsvarianten sind mit einer manuellen Fünfgang-Schaltung zusammengespannt. Ein automatisches Getriebe wird 2018 nachgereicht, Nissan sagt zu einem Doppelkupplungssystem nicht nein und zu einer CTV-Automatik nicht ja.

Wie auch immer man sich entscheidet: Am Vorstart standen der Diesel und der 90-PS-Benziner. Bereits an Ersterem zeigt sich neben dem bekannt satten Drehmoment die Wirksamkeit
der Geräuschdämmungs-Maßnahmen.

Zweiterer muss, so man sich flott in den Fließverkehr einfädeln soll oder bergauf durchs Winkelwerk stürmen will, konstant auf Drehzahl gehalten werden. Laut wird er dabei, wie sein Selbstzünderbruder, aber nicht. Was auffällt ist die homogene Abstimmung des Fahrwerks, das auch auf grob asphaltierten Wegen im Hinterland von Dubrovnik nicht ins Stuckern gerät, und die forcierte Einlenk-Agilität.

Dazu passt die neu ausgerichtete Einrichtung: Das Cockpit ist geräumig, luftig und übersichtlich – kann wie das Exterieur mit drei Bi-Farbpaketen individualisiert werden –, die Piloten-Position ist haarfein justierbar, denn das Volant ist nun auch in der Reichweite verstellbar. Dennoch sitzt man auf den akkurater konturierten Sitzen fahraktiv integriert, mit Vertrauen erweckendem Seitenhalt.

Trotz 3999 mm Kürze: 300 Liter Kofferraum.
Trotz 3999 mm Kürze: 300 Liter Kofferraum.
Interieur: Geräumigkeit und farbliche Frische.
Interieur: Geräumigkeit und farbliche Frische.

Fakten

Motoren/Getriebe/Antrieb: Diesel: 1,5 Liter mit 90 PS, Benziner: 1,0 Liter mit 73 PS, 0,9-Liter-Turbo mit 90 PS/manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe/Vorderradantrieb.

Abmessungen/Gewicht/Kofferraum: 3999 mm Länge, 1734 Breite, 1455 mm Höhe/ab 977 kg/300–1004 l.

Preis/Marktstart: ab 12.605 Euro/März 2017.