Im Nahverkehr die echte Alternative

Mit dem Zoe glückt Renault ein Elektrowagen von hoher Qualität, mit kleinen Einbußen.
Renault. Ein Auto wie ein Smartphone, und doch ein Auto? Also so ein richtiger Wagen, mit echten Bremsen, Crahtest-erprobt und aus wertvollen Materialien zusammengesetzt? Doch, das gibt’s. Und vorwitzig blickt der Renault Zoe außerdem in die Welt: Einem Ei nicht unähnlich, das über die Tischplatte kullert. Das tut es ab 22.500 Euro – auch im Preis sind reine Elektroautos im normalen Leben angelangt.
Der direkte Gegner des Nissan Leaf wird seit Ende 2012 ausgeliefert. Der geringere Einstiegspreis wird möglich, weil Renault den Zoe nur in Kombination mit einem Mietvertrag für die Batterie anbietet. Das kostet 79 Euro Pro Monat. Bezahlt der Kunde seine Monatsraten nicht, kann Renault die Ladefunktion mittels Fernzugriff deaktivieren.
Aber daran will man gar nicht denken, sondern setzt sich erst mal hinters Steuer und drückt den Startknopf. Mit unverwechselbarem Sound fährt das System hoch und der Zoe rollt vom Platz. Einmal Beschleunigen gefällig? Das ist der Wahnsinn. Die Kraft des Elektromotors drückt einen regelrecht in den Sitz. Später dann, wenn man der 130 Kilometer Reichweite gewahr wird, empfiehlt sich der Eco-Knopf, der die Leistung auf 58 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt. Auch hilft es ungemein, dass der Wagen ordentlich Energie rückspeichert, sobald man vom Gas geht.
Aufgeräumter Innenraum
Innen besticht der Zoe durch ein schickes Design, ohne die Übersichtlichkeit zu beeinträchtigen. Dass Hartplastik dominiert, spielt keine Rolle. Die Komfort- und Sicherheitsausstattung umfasst praktisch alles, was Kunden von gut situierten Kompaktautos gewohnt sind: Servolenkung, Navigationssystem, Radio, Bluetooth, Sprachsteuerung, USB/SD-Anschlüsse, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Tempomat, ABS, ESP usw. Da fehlt einfach gar nichts. In dieser Variante ist der Zoe mit 23.470 Euro nur geringfügig teurer.
Akkus laden nicht ganz einfach
Wo also ist der Haken? Zu geringer Laderaum? Nein, der Zoe wartet mit 338 bis 1225 Liter Ladekapazität auf, das ist sehr ordentlich. Die Reichweite bleibt, solange die Automobilbranche das Akkuproblem nicht gelöst hat, überschaubar. Aber im VN-Test reichten die tatsächlich vorhandenen 130 Kilometer vollends aus. Durch die Schnellladefunktion wäre der Zoe ja nach zehn Minuten wieder voll einsatzfähig. Aber der Konjunktiv deutet das Problem schon an: im Zoe setzt Renault zum ersten Mal das Chamäleon-Ladesystem ein, das wahlweise mit zwei Kabeln Ladeleistungen von bis zu 43 kw, aber auch die gemächliche Variante gestattet.
Beunruhigende Anzeige
So viel zur Theorie. In der Praxis hat der Zoe zwei Ladeversuche verweigert, einmal quittierte er den Versuch mit beunruhigender Anzeige „Akku Gefahr“, die dann anderntags wieder veschwand.


Fakten
Motor/Antrieb: Elektromotor, Dreiphasen-Wechselstrom, Lithium-Ionen-Batterie, luftgekühlt, 290 kg, 192 Zellen, Frontantrieb, Automatik
Fahrleistung/Verbrauch: max. Leistung 65 kW (88 PS) bei 3000 bis 11.300 U/min, max. Drehmoment 220 Nm bis 250 bis 2500 U/min, Normverbrauch 14,6 kWh/ 100 km
Preis: 22.580 Euro