Man möchte ihn abends mit zum Kuscheln nehmen

Motor / 11.07.2014 • 15:03 Uhr
Beim Publikum am Straßenrand ein Augenöffner: Der Fiat 500 L wirkt. Fotos: VN/Steurer
Beim Publikum am Straßenrand ein Augenöffner: Der Fiat 500 L wirkt. Fotos: VN/Steurer

Ein Mini-Van kann herzig aussehen und doch seiner Rolle ganz gerecht werden.

Fiat. Man weiß ja nicht, was damals in sie fuhr. Aber nachdem Fiat in den 1960er-Jahren mit der „Giardiniera“ herzallerliebst bewiesen hatte, wie man einen Familienwagen für Arme baut, ging den Turinern Ende der 1990er-Jahre der Gaul durch: Sie brachten den „Multipla“ auf den Markt. Kein Auto war hässlicher. Jedes praktische Plus – es gab eine Menge – hatten die Designer mit einem Federstrich vernichtet.

So. Was nun? Jetzt stellt Fiat den 500 L Living auf die Straße. Und macht alles wieder gut. Jedenfalls fast alles. Die meisten entwickeln angesichts des auf 4,15 m Länge gestreckten 500ers kindliche Assoziationen. Knuffig wie ein Teddybär, heißt es da und: „Mei, isch der süaß!“ Und tatsächlich verkauft sich der kleine Family-Van offensichtlich ganz hervorragend.

Das Designerlebnis pflanzt sich innen fort. Eine gediegene Mischung aus Leder und Stoff erwartet den Fahrer, zweifärbig natürlich, verspielt. Sogar eine bordeigene Expresso-Maschine bietet Fiat gegen 450 Euro Aufpreis. (Müssen Autos eigentlich Kaffee kochen? Egal).

Nein, der ist wirklich gelungen. Und der Designmissgriff von ehedem? Vergeben und vergessen. Spannender sind zwei Fragen: Wie fährt er sich und wie wird er seiner Rolle als Raumwunder gerecht? Weil man ja gemeinsam verreisen will und Kinder größer werden.

Schnell und stark genug

Der 1,6 Liter große Commonrail-Diesel bringt es dank Turbolader auf 105 PS. Das genügt vollauf für die Anforderungen dieser kleinen durchgestylten Familienkutsche. Der Wagen kurvt ausreichend motorisiert, freilich ohne erwähnenswerten Biss durch den Alltag. Er ist nicht wirklich sparsam, im Test gab er sich erst mit 6,8 Litern auf 100 Kilometer zufrieden. Die vom Werk festgeschriebene Norm läge 2,3 Liter darunter.

Im Stadtverkehr spielt der 500 L seine Vorteile überzeugend aus. Er ist wunderbar übersichtlich und lässt sich im Handumdrehen durch die schmalsten Gassen pilotieren. Die „City“-Lenkradeinstellung empfindet man anfänglich als überflüssig, ist sie aber nicht. Die knappsten Parklücken werden so erobert.

Hat man kräftig eingekauft, findet das ganze Gut problemlos im Kofferraum Platz. Denn der ist vorbildlich. Wer die Rücksitzbank nach vorne klappt, erntet satte 1704 Liter Stauraum.

Innen übersichtlich und verspielt.
Innen übersichtlich und verspielt.
Innen ist richtig viel Stauraum versteckt.
Innen ist richtig viel Stauraum versteckt.

Fakten

Motor/Antrieb: Vierzylinder-Diesel, Turbo, 1598 ccm, Sechsgangschaltung, Frontantrieb, Leistung 77 kW (105 PS) bei 3700 U/min

Fahrleistung/Verbrauch: Drehmoment 320 Nm bei 1750 U/min, Spitze 181 km/h, 0–100 km/h 11,3 sec, Verbrauch 4,5 l (Test 6,8 l), CO2 117 g/km

Preis: 23.800 Euro