Mit dem neuen Kombi von Renault auf großer Fahrt

Durch den Clio Grandtour belebt Renault den guten alten Kombi fröhlich neu.
Renault. Die Zeiten sind ja so kurzlebig. Wer erinnert sich da schon an den ersten Clio? Ein fades Teil. Kam im Sommer 1990 auf den Markt. Die Erste Allgemeine Verunsicherung presste „Ding Dong“ durch den Äther, und die Techniker bei Renault reizten alle Ausstattungsvarianten aus, bis zu „Caribe“ und „Chiemsee“. Klingt etwas bemüht? War es auch.
24 Jahre später steht nun der Clio Grandtour GT vor der Haustür, und schon der erste Blick erzeugt leise Schauer des Entzückens: Selten wurde ein Kombi so pfiffig in Szene gesetzt. Wenn man dann noch einsteigt, d. h. in den Sitz herniedersinkt, und wenn sich dann ein klitzekleines bisschen Citroën-DS-Feeling breit macht, dann hat der neue Clio fast schon gewonnen.
Zunächst einmal ist es heute ja gar nicht so einfach, einen Kombi auf den Markt zu bringen. Bei all den Vans und SUV hat die Modellvariante beinah ausgedient. Dem tritt Renault entschieden und fröhlich entgegen. Mit frischen Farben und Formen und einem reichen Innenleben, das so gar nicht nach Sparkurs riecht.
Die wie ein Tablet-Computer eingefasste Mittelkonsole spielt alle Stückchen. Und die Klimaanlage funktioniert so simpel, dass auch technische Frischlinge nicht in Verlegenheit kommen.
Apps erleichtern das Leben
Mit dem Kombimodell führt Renault außerdem für alle Clio-Modelle das neue Infotainment-System R-Link ein. Es bietet Internetanbindung und sogar einen eigenen App-Store. Dort gibt es bislang – zum Teil sogar kostenlos – 50 kleine Programme, die den Autofahreralltag erleichtern oder wenigstens die Zeit im Stau verkürzen sollen. Das Angebot reicht vom E-Mail-Vorleser über ein Nachrichtenportal, einen Verbrauchstrainer bis hin zum persönlichen Horoskop. Wem der übrigens hübsch durchzugsstarke Motor zu leise ist, der zieht das App „R Sound Effect“ zu Rate. Ein Knopfdruck reicht, dann bollert, passend zur Drehzahl, ein fetter V8-Motor aus den Boxen.
Kräftig und sparsam
Renault bietet den Grandtour mit vier Motorisierungen an. Zwei Benziner mit 90 und 120 PS und zwei Diesel, die aus 1,5 Litern 75 oder 90 PS entwickeln, stehen zum Kauf bereit. Die VN durften den Benziner mit 90 PS bewegen, da lag der Verbrauch bei etwas über fünf Liter.
Jetzt sagt das alles schon ziemlich viel über die Karosse an sich, aber wenig über das Kombihafte aus. Ein Kombi, belehrt uns das Lexikon, ist „ein Pkw mit besonders großem Ladevolumen“. Ist er das? Der Clio Grandtour auf alle Fälle. Der Kofferraum fasst 443 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf satte 1380 Liter vergrößern. Wer unbedingt bei nordischen Möbelhäusern einkaufen will, legt einfach noch den Beifahrersitz flach, und schon haben die Schrankwandbretter mit 2,50 Meter Platz.
Ja, gibt es denn gar nichts zu bekritteln? Wenig. Er könnte ein wenig übersichtlicher sein, die Einparkhilfe kommt dem Fahrer sehr zugute. Und mit dem Klavierlack haben sie‘s ein wenig übertrieben. Das Lederlenkrad glänzt ausgerechnet dort, wo der Fahrer zupackt, mit Plastik-Klavierlack-Beplankung. Die Ladekante am Kofferraum tut das übrigens auch. Wie lang die das wohl unverkratzt so weitertut?
Ob der Clio dazu taugt, den weitgehend am Boden liegenden französischen Automobilmarkt wieder flottzumachen? Das hieße, ihm ein wenig viel aufzubürden. Aber ein Flop wird der neue Grandtour sicher nicht. Preis/Leistung stimmen zu gut. ##Thomas Matt##




Fakten
» Motor/Antrieb: Benziner, Turbo, Direkteinspritzung, vier Zylinder, 16 Ventile, Hubraum 1198 ccm, kW/PS: 88/120, Drehmoment:190 Nm bei 2000 U/min
» Fahrleistung/Verbrauch: Spitze 199 km/h, in 9,4 Sekunden 0 auf 100 km/h, Verbrauch 5,2 l/100 km, 120 g/km CO².
» Preis: ab 20.900 Euro