Wenn die Tachonadel zart errötet

Mit der Kraft eines großen Verführers weckt der Toyota Auris das Lamm im Mann.
Toyota. Eigentlich ist der Toyota Auris der Nachfolger jenes legendären Corolla, von dem die Mähr erzählte, er ginge einfach nicht kaputt. Der Albtraum eines jeden Händlers. Mit dem lateinischen Beinamen „Auris“ (Gold) deutet der größte Automobilhersteller der Welt an, dass ihm der Sinn nach einer neuen Nachhaltigkeitsswuchtel stand. Und das mit Hybridantrieb. Ziemlich mutig.
Hybrid-Autos, die auf dem komplexen Zusammenspiel von Benzinmotor, Elektro-Maschine und der Möglichkeit der Bremsenergierückgewinnung basieren, sind nämlich den meisten Fahrern noch immer suspekt. Wer sich im Auris hinters Volant klemmt und einfach das Gaspedal durchdrückt, wird auch wenig Freude haben. Vielleicht sieht er gar nicht, dass die Tachonadel wirklich errötet (was für eine reizende technische Spielerei), weil da einer gerade wie ein Hohlkopf alle Spritsparideen in den Wind schlägt.
Ganz falscher Ansatz
Er nimmt vermutlich auch das Batteriesymbol in der Mitte des Cockpits nicht wahr, das den vollständig geladenen Akku mit acht Strichen anzeigt. Seine rechte Hand greift auf Anhieb ins Leere, weil sie einen ordentlichen Schaltknüppel sucht und nicht so ein Radieschen für Daumen und Zeigefinger.
Kurzum: Für echte Landstraßencowboys ist der Toyota Auris Hybrid nicht gemacht. Man muss sich auf ihn einlassen. Der Antrieb verbindet einen 1,8-Liter-Vierzylinder mit einem Elektromotor. Das ergibt eine Systemleistung von 136 PS. Beim Benzinmotor schließen die Einlassventile etwas später als üblich, die Kompression im Zylinder setzt dadurch auch später ein. Das steigert den Wirkungsgrad, was im Sinne der Spriteffizienz erwünscht ist; Leistung und Drehmoment aber sinken.
Der Hybrid ist kein Rennpferd. Auch, dass der Elektromotor Leistung und Drehmoment beisteuert, ändert das nicht. Aber das macht nix. Der Auris rollt extrem friedvoll übers Land. Man hört fast nichts. Die elektrische Servolenkung verlangt nach einem Fingerdruck, mehr nicht. Das stufenlose Getriebe des Hybridantriebs rundet das entspannte Fahrerlebnis ab.
Die Eco-Mode-Anzeige im hübschen Cockpit stellt die Kraft- und Energieströme dar. Wann immer über den Elektromotor Bewegungsenergie in die Nickel-Metall-Hydrid-Batterie zurückgespeist wird, stellt sich beim Fahrer ein kleines Triumphgefühl ein. Rasch empfindet er das sanfte Dahingleiten wenigstens so attraktiv wie das Aneinanderreihen nervöser Überholmanöver.
Da der Akku im neuen Auris Hybrid komplett unter der hinteren Sitzbank liegt, fasst der Kofferraum 360 Liter. Insgesamt erweist sich der Auris als perfekt alltagstauglich. Im Dauertest der „Auto, Motor+Sport“ absolvierte er jüngst als erstes Fahrzeug seit Einführung dieser Prüfung die 100.000 Kilometer ohne einen einzigen Mangel.


Fakten
Motor/Antrieb: 4-Zylinder, 4-Ventiler, 1798 ccm, 73 kW/99 PS bei 5200 U/min, Elektromotor 60 kW/82 PS, Gesamtleistung 100 kW/136 PS, Batterie Nickel-Metallhydrid
Fahrleistung/Verbrauch: Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, 0–100 km/h in10,9 Sekunden, Verbrauch 3,8 l/100km (Test 4,3 l) (91 g/ km CO2)
Preis: Hybrid Lounge 27.000 Euro