Fesches Münchner Kindl mit Herz aus Österreich

Motor / 05.07.2013 • 12:13 Uhr
Der neue Sporttourer hat richtig „Schmackes“: Aber auch sanftes Reisen ist drin. Fotos: VN/Matt
Der neue Sporttourer hat richtig „Schmackes“: Aber auch sanftes Reisen ist drin. Fotos: VN/Matt

BMW führt mit der neuen 800er einen Sporttourer der Sonderklasse auf die Straße.

BMW. Am 13. November 2012 stellte BMW den Sporttourer F 800 GT auf der Zweiradmesse Eicma in Mailand vor. Seit 9. Februar 2013 ist die Maschine, die in Berlin montiert wird, im Handel. Dass in diesem Motorrad wie in allen Modellen der aktuellen F-Reihe ein österreichisches Herz schlägt, das von Rotax und BMW gemeinsam ersonnen wurde, lässt patriotische Gefühle keimen. Aber bleiben wir bei den Fakten: Die Modellbezeichnung GT steht für Gran Turismo. Ein Sporttourer soll reisen und rasen gleichermaßen. Und es regnet. „Es schnürlt“, beschönigen die Salzburger. Für 2013 schon ein hochsommerliches Ereignis. Wie die GT das wohl auffasst? Der ist das wurscht. Sie lässt das unerwünschte Nass unberührt vom Lack abperlen und sieht zunächst einmal einfach klasse aus.

Rundum eine Augenweide

Die um 50 Millimeter längere Einarmschwinge, der mächtige Antriebsriemen, der sportliche Lenker, der sich dem Fahrer entgegenneigt, die von der nackten Schwester (F 800 R) bekannte Auspuffanlage – das alles ist einfach gut gelungen. Und dass das dicke Rohr die Verbrennungsgeräusche noch markiger nach draußen bläst, unterstreicht den ambitionierten Auftritt satt und erwartungsfroh.

Also aufgesessen, Schlüssel umgedreht. Der Motor röhrt. Bissig. Die ersten Meter wirkt sie wie ein junges Fohlen, das nur mühsam am Zügel zu halten ist. Tänzelt beinahe. Und gleich erfährt man an der ersten Ampel, dass vor allem die Vorderbremse respekt- und gefühlvoll zu bedienen ist. Sonst pickt man mit der Nase im Windschutz, und das macht auch kein Bild.

So geht man’s an. Die Knie sportlich angewinkelt, der Sitz niedrig – nix gemahnt da an ein Dickschiff, das sich auf große Fahrt begibt. Im Gegenteil. Gleich spürt man, dass der bewegungsfreudige Drehzahlmesser gern darüber hinwegtäuscht, dass man schon wieder zu schnell unterwegs ist. So leichtfüßig nimmt sich die 800er aus.

Schon das Losfahren begleitet ein kerniger Sound. Ab etwa 3000 U/min schiebt der Motor die 213 Kilogramm schwere BMW energisch an und steigert seine Leistung ohne Unterbruch bis zum Begrenzer. Kraft ohne Ende, aber in keinem Augenblick ruppig oder unberechenbar. Auch Neulinge tun sich da nicht schwer. Die Gänge rasten exakt ein, der Kupplungshebel verlangt wenig Kraft.

Dass auf kurvenreichen Straßen öfter geschaltet werden muss, ist kein Nachteil, sondern macht eher Laune. Darüber hinaus fügt sich das Werkl auch auf Langstrecke erstaunlich bequem und vor allem sparsam. Die F 800 GT ist ein richtig guter Sporttourer, der wirklich keine Wünsche offen lässt.

Ein Tourenkoffer kostet 265 Euro.
Ein Tourenkoffer kostet 265 Euro.
Die längere Einarmschwinge sieht klasse aus.
Die längere Einarmschwinge sieht klasse aus.

Fakten

Motor/Antrieb: Wassergekühlter Zweizylinder-Reihenmotor, 798 ccm, 66 kW (90 PS) bei 8000 U/min, Drehmoment 86 Nm bei 5800 U/min, Zahnriemenantrieb

Fahrleistung/Verbrauch: Beschleunigung 0–100 km/h in 4 sec, Höchstgeschwindigkeit 212 km/h, Verbrauch 3,4 l (Test 4,1 l)

Preis: 11.800 Euro