Der neue Mut zum auffälligen Auftritt

Motor / 01.02.2013 • 13:14 Uhr
Schick in Schale und auf dem Sprung nach vorn: Keck markiert der neue Clio den optischen Muntermacher. Fotos: vn/steurer
Schick in Schale und auf dem Sprung nach vorn: Keck markiert der neue Clio den optischen Muntermacher. Fotos: vn/steurer

Der Clio mit neuer Ausrichtung: Das Aussehen ist das eine, die inneren Werte das andere.

Renault. Nicht gefallen kann, was nicht auffällt. Nach diesem Motto schickt Renault jetzt den Clio in vierter Generation ins Rennen. In der Tat: chic und charmant – einfach sympathisch steht er da. Vorne gewölbt-wuchtig, hinten markant-knackig.

Sieh’ an, aus dem verzopften Modell von früher ist ein Beau geworden. Ein echter Blickfang. Kurzum: Der kleine Franzose setzt Emotionen frei. Nicht nur bei den Frauen. Auch Männer schauen gerne genauer hin. Der neue Clio sticht gleichsam heraus aus dem Einerlei seiner Blech-Kollegen in der Kleinwagenklasse, gibt sich extraordinär im wahrsten Sinn des Wortes.

Der erste Auftritt ist also schon mal geglückt. Es wäre nun aber zu einfach, sich allein von Äußerlichkeiten leiten zu lassen. Was ist mit den inneren Werten? Und fährt sich der neue Clio, der in Länge und Breite leicht zugelegt hat, auch so flott wie er aussieht? Wir haben’s ausprobiert. Zum VN-Test trat der Energy TCe 90 an. Dem Downsizing-Trend gehorchend, handelt es sich dabei um einen Dreizylinder-Turbobenziner. Das 900-KubikMotörchen unter der Motorhaube leistet 90 PS.

Vom Start weg nimmt das auf Leistungsdiät gesetzte Aggregat seine Arbeit vergleichsweise unspektakulär auf. Mit dem Dreizylinder ist der Clio beileibe kein Sportler, wirklich lahm ist er aber auch nicht. Im Stadtverkehr reiht sich der selbstbewusste Kleinwagen brav ein, lässt sich auch schaltfaul im Fließverkehr bewegen.

Angestrengtheit

Wenn es auf Überlandfahrt geht, will der Clio indes fleißig geschaltet werden, sonst hält er mit seinem Temperament hinterm Berg. Dazu wiederum passen die Abstufungen des Fünfgang-Schaltgetriebes. Bei Belastung stößt das Dreizylinder-Aggregat bald einmal an seine Grenzen und artikuliert sich zudem knurrig. Bei Überholvorgängen, insbesondere an leichten Steigungen, empfiehlt sich überhaupt eine entsprechend vorausschauende Fahrweise, denn solche Manöver dauern infolge der zur Verfügung stehenden Leistungsfähigkeit einfach ihre Zeit. Andererseits schwingt sich der Clio bei unaufgeregter Fahrt gemütlich von Kurve zu Kurve und belästigt einen nicht über Gebühr mit dem aktuellen Straßenzustandsbericht. Wunschdenken bleibt indes der mit 4,5 Liter angegebene Durchschnitsverbrauch auf die 100-km-Distanz; sechs Liter zeigte uns der Bordcomputer an. Drunter ging’s nicht, drüber immer.

Mit Blick auf die inneren Werte gibt’s hingegen etwa beim Gepäckabteil des neuen Clio nichts zu meckern. Bei umgeklappter Rückenlehne steigt das Stauvolumen von 300 auf knapp 1150 Liter – ein Kleinwagen-Bestwert. Störend allein ist die Stufe im Ladeboden. Reine Geschmackssache wiederum ist das bis ins Detail trendig durchgestylte Interieur der neuen Clio-Generation, von Klavierlack über Chrom-Zierrat bis hin zu farbintensivem Softtouch-Armaturenträger sowie dem in iPad-Manier verpackten Navi-/Audiosystem.

Auffallend, knackiges Heck.
Auffallend, knackiges Heck.
Trendig modern gestyltes Cockpit.
Trendig modern gestyltes Cockpit.
Positiv: Dynamique-Version ansprechend ausgestattet, vorne ausreichend Platz, ordentliche Ladekapazität.
Positiv: Dynamique-Version ansprechend ausgestattet, vorne ausreichend Platz, ordentliche Ladekapazität.
Negativ: mäßige Durchzugswerte, schwächelnde Heizung, eingeschränkte Rundumsicht, großer Wendekreis.
Negativ: mäßige Durchzugswerte, schwächelnde Heizung, eingeschränkte Rundumsicht, großer Wendekreis.

Fakten

» Motor/Antrieb: Dreizylinder-Benzinmotor/898 ccm, Turbo, 90 PS, 135 Nm bei 2500 U/min, Frontantrieb, Fünfgang-Getriebe

» Fahrleistung/Verbrauch: 0 auf 100 in 12,2 Sek., Spitze: 182 km/h, Verbrauch: 4,5 l, Test: 6,0 l.

» Preis: 16.700 Euro, Testwagen: 18.490 Euro