Unfälle am Zebrastreifen: So lassen sie sich verhindern

Mobilität / 08.02.2024 • 16:30 Uhr
Unfälle am Zebrastreifen: So lassen sie sich verhindern
Christian Wolf ist Unfallanalytiker und kennt daher die meisten Unfälle in Vorarlberg und ihre Ursachen. VN/Rauch, Canva

Derzeit kommt es wöchentlich zu schweren Unfällen auf Schutzwegen. Schuld ist nicht nur die dunkle Jahreszeit.

Schwarzach Erst am Montagabend wurde ein 67-Jähriger in Hohenems auf dem Schutzweg angefahren und schwer verletzt. Er wollte gegen 19.50 Uhr die Lustenauerstraße queren, als ihn eine 19-Jährige zu spät sah. Eine Woche zuvor erfasste im eidgenössischen Rorschach eine 60-Jährige eine 90-jährige Passantin auf dem Schutzweg, ebenfalls am Abend. Und vor zwei Wochen wurde in Frastanz ein 58-Jähriger gegen 21 Uhr beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst.

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Christian Wolf kennt als Unfallanalytiker die Gefahren im Straßenverkehr. VN/Rauch

Dass besonders ältere Passanten durch solche Unfälle gefährdet scheinen, täuscht laut Christian Wolf nicht. Der Unfallanalytiker ist verkehrstechnischer Gerichtssachverständiger und kennt daher beinahe alle Unfälle, die auf Vorarlbergs Straßen geschehen. “Es ist aktuell eine relative Häufung von solchen Unfällen zu verzeichnen”, bestätigt er – gerade auf Schutzwegen. Dabei seien diese in Vorarlberg sehr oft vorbildlich beleuchtet und gebaut. Und das Land geht mit Experten wie Wolf jährlich die Gefahrenstellen ab, ob man etwas verbessern kann. Woran liegt es dann?

Problem Sichtbarkeit

“Die Erkennbarkeit eines Fußgängers ist wesentlich davon abhängig, was er an hat. Eine vollkommen schwarz gekleidete Person ist auf dunkler Fahrbahn abseits eines ausgeleuchteten Schutzwegs im Abblendlicht erst auf 20 bis 25 Meter erkennbar”, warnt Wolf. Schon weiße Turnschuhe würden den Erkennbarkeitswert eines Fußgängers stark erhöhen. “Ein Polizeibeamter, welcher eine Warnweste trägt, ist im Abblendlichtkegel auf über 200 Meter erkennbar.”

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Passanten dürften auch nicht den Fehler machen, ihre eigene Wahrnehmung auf die anderen Verkehrsteilnehmer umzumünzen. Denn ein Kraftfahrzeug zu sehen ist um einiges einfacher, als einen Passanten zu erkennen. “Ein Fußgänger sieht ein Kraftfahrzeug auf Hunderte Meter. Es ist aber ein Trugschluss zu denken, dass der Fahrzeuglenker mich auf dieselbe Entfernung ebenfalls sieht.”

Problem fehlende Vorsicht

Überhöhte Geschwindigkeiten jenseits des Tempolimits sind auffallend selten schuld an Unfällen auf Schutzwegen. Es scheitert aus Wolfs Sicht vor allem an der Aufmerksamkeit. “Wenn ich als Fußgänger vor dem Betreten eines Schutzwegs nur einmal kurz nach links schaue und danach nur geradeaus oder aufs Handy, dann sehe ich die Annäherung der Fahrzeuge von beiden Seiten nicht mehr”, erklärt der Sachverständige. “Das heißt, dass ich oft zu einer falschen Einschätzung komme, da ich den Verkehr nicht wirklich beobachte.” Und eine falsche Einschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten bringen ältere Personen, die nicht mehr ganz so schnell sind, und abgelenkte Personen schnell in Gefahr.

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Problem Ablenkung

Abgelenkt sind nicht nur Passanten, sei es durch Mobiltelefone oder die eigenen Überlegungen. Fahrzeuglenker sind ebenfalls im Kopf nicht immer bei der Sache, gerade auf gut bekannten Strecken. “Da ist auch immer die Frage, rechne ich damit, dass da jemand steht oder nicht”, fasst Wolf zusammen. Wenn man damit rechnet, fokussiert man sich darauf und erkennt die Gefahren aus weit größerer Entfernung. Ist es am Rande der Aufmerksamkeit, geht es an einem wortwörtlich unbemerkt vorbei. Oft genug geben Autofahrer an, den Passanten erst bei der Kollision wahrgenommen zu haben.

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Die Lösung

Wolf sieht daher nur eine Lösung gegen Verkehrsunfälle bei Schutzwegen: Dass sich beide Seiten bewusst sind, dass sie sich einer Gefahrenstelle annähern und entsprechend den Verkehr beobachten. Nur so lässt sich vermeiden, dass Passanten sich verschätzen – und Fahrzeuglenker nicht erst durch das Kollisionsgeräusch auf den Fußgänger aufmerksam werden.

Das sagt das Kuratorium für Verkehrssicherheit

Jährlich werden ca. 628 Kinder im Straßenverkehr als Fußgänger*innen verletzt, etwa 38 Kinder davon am Gehsteig/Gehweg (0-14 Jahre, Durchschnitt 2018–2022), 182 Kinder davon am Schutzweg /Zebrastreifen. Auch tödliche Unfälle mit Kindern am Schutzweg gibt es (2019 sind 2 Kinder am Schutzweg verstorben).

5350 Menschen sind 2018-2022 als Fußgänger*innen in Österreich am Schutzweg verunglückt (ca. 1070 jährlich, Fünfjahresdurchschnitt), 4668 davon waren nicht die Hauptunfallverursacher.

Reflektoren Da ein Abblendlicht 50 bis 120 cm über dem Boden leuchtet, ist es sinnvoll, bei Erwachsenen reflektierende Elemente auch in der unteren Hälfte des Körpers zu platzieren. Wichtig dabei: Nicht nur vorne und hinten, sondern auch seitlich sollen Reflektoren angebracht werden. Denn gerade bei der Überquerung einer Fahrbahn sind zu Fuß Gehende seitlich dem kommenden Auto zugewendet.

Ansonsten gilt: Helle Outfits und auffällige Muster fallen bereits auf – bitte auch Kindern lieber helle Kleidung anziehen. Schultaschen und Rucksäcke in auffälligen Farben und Mustern und mit reflektierenden Elementen wählen.

Ablenkung ist die häufigste Verkehrsunfallursache der letzten fünf Jahre. Schuld daran sind Nebentätigkeiten am Steuer wie Telefonieren (mit und ohne Freisprecheinrichtung), Lesen oder Schreiben von Textnachrichten, Essen, Trinken, Navi-Bedienung et cetera. Mehr als jede*r dritte Zufußgehende, jede*r 13. Pkw-Lenkende und jede*r 70. Radfahrende sind im Straßenverkehr abgelenkt unterwegs.