Ärgerliche Schließzeiten bei den Bregenzer Bahnübergängen

Mobilität / 24.10.2023 • 20:30 Uhr
Ärgerliche Schließzeiten bei den Bregenzer Bahnübergängen
Dass man bei den Bahnübergängen in Bregenz nicht immer gleich lang warten muss, fällt auf. VN/Rauch

Kommt der Zug aus Lochau, geht es meist recht zügig. Nicht jedoch, wenn er von Bregenz nach Deutschland fährt.

Darum geht’s:

  • Schranken am Bregenzer Hafen haben unterschiedliche Schließzeiten für verschiedene Zugrichtungen
  • Schließzeiten hängen von örtlichen Gegebenheiten wie Gleis- und Straßenführung ab
  • Schließzeiten können nicht weiter verkürzt werden aufgrund technischer Einschränkungen

Bregenz Manch überzeugtem Bahnreisenden oder Besucher der Seeanlagen mag es schon aufgefallen sein: Kommt der Zug aus Lindau, sind die Bahnschranken am Bregenzer Hafen recht schnell wieder oben. Kommt der Zug aus Bregenz, kann dies schon einige Minuten dauern.

Fatima Marandi sind die ärgerlichen Wartezeiten aufgefallen. <span class="copyright">VN/RAuch</span>
Fatima Marandi sind die ärgerlichen Wartezeiten aufgefallen. VN/RAuch

“Ich stand gut drei Minuten vor der Schranke, dabei musste ich zur Fahrstunde”, bestätigt Fatima Marandi. Die 18-jährige Lochauerin wartet nun auf den Zug, der sie wieder nach Hause bringt. Dass es ohne einen erkennbaren Grund manchmal länger dauert, bis die Schranken an der Bahnhaltestelle Bregenz Hafen oder beim großen Übergang nahe der Molo den Weg wieder frei geben, ist ihr ebenfalls aufgefallen. Und nicht jeder nimmt dies mit Geduld hin, weiß André Kercher zu berichten: “Ich sah bereits Menschen, die da rundherum klettern, weil es ihnen zu lange dauert”, erklärt der 26-jährige Wolfurter.

Kercher hat schon Personen dabei beobachtet, die sich einen Weg an der Schranke vorbei suchten. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Kercher hat schon Personen dabei beobachtet, die sich einen Weg an der Schranke vorbei suchten. VN/Rauch

Darum dauert es manchmal länger

Offiziell nennen die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB einen solchen Bahnübergang eine Eisenbahnkreuzung. Wie diese gesichert sind, etwa allein durch ein Andreaskreuz, Lichtzeichen oder eben eine Schranke, entscheidet die zuständige Eisenbahnbehörde. In Vorarlberg wäre es das Land Vorarlberg, die sich hier am Hafen eben für Schranken entschied. Wie lange diese üblicherweise geschlossen sind, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab: So ist die Schranke länger geschlossen, wenn mehrere Gleise zu queren wären oder wenn Schiene und Straße nicht rechtwinklig aufeinandertreffen. Denn beide Umstände erhöhen das Gefahrenpotenzial und damit die Schließzeit des Übergangs.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Tatsächlich täuscht der Eindruck aber nicht, dass in Bregenz die Fahrtrichtung einen Einfluss darauf hat, wie lange die Schranken am Hafen geschlossen bleiben. Wenn nun ein Zug sehr zeitnah nach Lochau will, nachdem ein Zug von dort in Bregenz eingefahren ist, kann es sein, dass sich die Schranken dazwischen gar nicht öffnen. Denn in Fahrtrichtung von Bregenz nach Lochau müssen die Schranken vom Fahrdienstleiter aktiviert werden, sobald er das Gleis für den Zug freigibt. Sobald also alle Weichen gestellt sind und der Zug grünes Licht erhält, geht das Licht für die Passanten auf rot – auch wenn der Zug nicht sofort losfährt. Und sie bleiben rot, bis der Zug den Gleisabschnitt verlassen hat.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Von Lochau nach Bregenz gibt es jedoch Einschaltstellen. Dies sind Sensoren, die vom durchfahrenden Zug ausgelöst werden und den Befehl an die Schranken senden, den Durchgang zu schließen. Dies erlaubt merkbar kürzere Schließzeiten. “Eine Realisierung von Einschaltstellen für beide Richtungen ist aus technischen Gründen nicht möglich”, erklären die ÖBB. Der Grund: “Die Einschaltung für die Richtung Bregenz-Lochau würde im Weichenbereich des Bahnhofs Bregenz zu liegen kommen.”

Ein Anblick, den jeden Passanten freut - vor allem nach minutenlangen Wartezeiten. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Ein Anblick, den jeden Passanten freut - vor allem nach minutenlangen Wartezeiten. VN/Rauch

Sprich, jeder Zug würde beim Rangieren im Bahnhof die Schranken schließen. Und die Distanzen zwischen dem Bregenzer Bahnhof und den Eisenbahnkreuzungen sind ansonsten zu gering, als dass ein Sensor die Schranken früh genug schließen könnte. Daher wird sich an den Schließzeiten voraussichtlich nichts ändern. “Ich bin selbst Techniker, eine technische Lösung gibt es immer”, lässt Kercher dies nicht gelten. Die Hoffnung der Gemeinden entlang der Bahntrasse bleibt, dass diese technische Lösung Unterflurtrasse heißt.