Eurocity: Zwischen Zürich und München wird es später

Die Verspätungen des Eurocity sind so eklatant, dass sie inzwischen die Politik beschäftigen.
Bregenz, München, Zürich An sich klingt es nach einem Erfolgskonzept: Alle zwei Stunden halten am Bahnhof Bregenz zwei Eurocity-Garnituren der SBB; eine in Richtung Zürich, die andere in Richtung München. In dreieinhalb Stunden könnte man zwischen den beiden Großstädten pendeln. Doch Freude an der Verbindung hat man scheinbar wenig.
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Denn der Eurocity München-Zürich kämpft mit Verspätungen, was vor allem auf der Schweizer Seite zu Verärgerung sorgt. Denn zwischen Zürich und St. Gallen ist der Eurocity auch die Schnellverbindung, die gemeinsam mit dem Intercity 5 im Halbstundentakt verkehren sollte. Die Betonung liegt auf sollte: Gegenüber der NZZ räumten die SBB ein, dass der Zug bei der Fahrt von München nach Zürich eine Pünktlichkeit von rund 50 Prozent erreiche. Schweizer Ständeräte aus der Region sprechen sogar davon, dass nur jeder dritte Zug unter fünf Minuten Verspätung habe. Gegenüber dem SRF sprechen Fahrgäste von regelmäßigen Verspätungen von über einer halben Stunde.
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Die Probleme bestehen schon länger. Im Dezember entfernten die SBB den Zug in gewissen Abschnitten sogar aus der Fahrplaninformation, machte ihn so zu einem Geisterzug. Und auch die Deutsche Bahn räumt ein, unzufrieden mit der Zuverlässigkeit der Verbindung zu sein. Die Ursachen sind vielfältig: Zwischen Lindau und Memmingen ist überwiegend nur eingleisig elektrifiziert. Hat der Schnellzug dort einen verspäteten Regionalzug vor sich, ist eine Verspätung meist unvermeidlich. Südlich des Bodensees ist der Fahrplan bereits sehr eng, das Gedränge auf den Gleisen der ÖBB und SBB groß. Ist der Eurocity zu spät, bringt er den gesamten Fahrplan durcheinander und hat, wieder hinter Regionalzügen gefangen, keine Möglichkeit, den Zeitverlust wettzumachen.
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Doch damit nicht genug: Die Verbindung ist außerdem noch populär. Wie viele Fernverbindungen ist auch der Eurocity gerade an Feiertagswochenenden oft überbucht und überladen. Am Wochenende vor Christi Himmelfahrt wäre er laut der Liechtensteiner Vaterland beinahe in Bregenz geräumt worden, da in Lindau und Bregenz zu viele Fahrgäste in einen bereits vollen Zug nach Zürich wollten.

In der Eidgenossenschaft ist der dauerverspätete Fernzug inzwischen ein Politikum: Die St. Galler Ständerate Benedikt Würth und Esther Friedli fordern Maßnahmen, um die Deutschen zum Ausbau der Elektrifizierung anzuhalten und zusätzliche Garnituren, die statt des Eurocitys die Schnellverbindung zwischen den beiden Schweizer Städte sicherstellen. Hier verweisen die SBB auf den bereits dichten Fahrplan, der kaum Platz für zusätzliche Verbindungen habe.