Die Bond-Autos: Mit Schirm, Charme und Kanone

Ab 30. September ist Bond wieder auf der Leinwand unterwegs und natürlich fährt er Aston Martin – diesmal sogar drei verschiedene.
Von Stefan Pabeschitz
London Am Ruf, gute Autos zu bauen, hat es Aston Martin nie gemangelt. Nur die Finanzen des kleinen Unternehmens sind 1963 wieder einmal geschüttelt und gerührt. Und dann kommt auch noch ein Filmteam und will ein Auto für irgend so eine Agenten-Geschichte. Und sie hätten da auch einige Ideen für spannende Umbauten, etwa Maschinengewehre, Schleudersitz und einen ausfahrbaren Kugelschutz. Gedreht soll teilweise in der Schweiz werden und eigentlich bräuchte man doch zwei Autos. Sonst noch was? Eigentümer David Brown, das DB in der Modellbezeichnung der Nobelhobel, ist not amused. Aber Ken Adams, seines Zeichens Set-Mastermind der Filmcrew, kann ziemlich überzeugend sein. Und die Ideen für die Bond-Gadgets sind eigentlich seine ureigensten Wünsche, um den anderen Verkehrsteilnehmern Herr zu werden, die laufend seinen schönen Jaguar zerschrammen.

Schließlich einigt man sich auf einen zeitlich befristeten Leihvertrag – David Brown will die beiden Autos nachher wieder haben. Dass er damit einen Marketingdeal mit Langzeitwirkung eingeht, ist ihm nicht bewusst. Dass der Wodka-Martini-betriebene Geheimagent zwischendurch auch anderes fuhr als Aston Martin, ist heute undenkbar. Tatsächlich pilotierten sogar die Kurzzeit-Bonds George Lazenby und Timothy Dalton einen, nur Langzeit-Mime Roger Moore nie. Seit Daniel Craig den Job macht, ist die Edel-Waffe wieder fixer Bestandteil. Auch der Ur-Dienstwagen DB5 ist im coronabedingt mit fast zwei Jahren Verspätung anlaufenden neuesten Epos „Keine Zeit zu sterben“ wieder dabei – und neben dem aktuellen DBS Superleggera und dem kommenden Valhalla als Draufgabe auch noch der V8 aus „Hauch des Todes“ – teilweise in Wien gedreht, weil sich die abgeranzte Stadt 1987 der Welt bequem als Ostblock-City verkaufen ließ.

Weil es der 25. Bond-Streifen ist, legt Aston Martin jetzt eine Kleinserie von ebenfalls 25 sogenannten „Goldfinger Continuation Cars“ auf, natürlich in der einzig denkbaren Farbe Silver Birch. Nicht womöglich schnöde Silhouetten-Fakes mit irgendeinem Fahrgestell und Motor, sondern Originale bis ins kleinste Detail. Sogar damals von der Handarbeit verursachte Asymmetrien der Karosserie wurden übernommen. Es sind somit 25 Oldtimer Baujahr 2019 bis 2021, jeweils in etwa 4500 Arbeitsstunden von Hand gebaut und so perfekt oder unperfekt wie damals.

Als Draufgabe sind die Autos mit diversen Goldfinger-Gadgets ausgestattet: etwa die Maschinengewehre aus den vorderen Scheinwerfer-Öffnungen und die zum Reifenschlitzer mutierenden Zentralverschlüsse der Felgen – natürlich beides ohne die martialische Funktion. Der hochfahrbare Kugelschutz ist auch an Bord, er würde seine Aufgabe angeblich zufriedenstellend erfüllen. Der berüchtigte Schleudersitz hat es nicht in die Kleinserie geschafft – man will rechtliche Konsequenzen aufgrund von Benutzerfehlern vermeiden. Ansonsten sind sowohl die Autos selbst als auch ihre Spielereien voll einsatzfähig. Wenn auch offiziell nicht zulassungstauglich für den Straßenverkehr. Weil bei Aston Martin aber viele Kunden tatsächlich König sind, dürfen sie letztendlich selbst entscheiden, womit sie in ihrem Land herumfahren. Die Preisfrage ist mit 2,75 Millionen Pfund, knapp 3 Millionen Euro pro Stück, nur noch Nebensache – die Neuauflage ist bereits ausverkauft. Die Investition in eine Kinokarte ermöglicht aber zumindest ausgiebig schöne Ansichten davon und spendet damit eventuell ein Quantum Trost.