So gut ist der erste Elektro-Van von Mercedes

Raumfahrt auf die elektrische Art – erste Ausfahrt mit dem Mercedes-Benz EQV.
Wien In eine neue Dimension stoßen die Stuttgarter mit der Elektrifizierungs vor: in die der Raumfahrt. Denn jetzt ist die Van-Klasse dran. An den Start gleitet die dritte Baureihe, die im Zeichen des 2016 neu gegründeten Mercedes-Sub-Labels EQ steht. Zum EQC, jenem SUV der für batterieelektrischen Antrieb entwickelt wurde, und zum unter Strom gesetzten Kleinstwagen-Trio Smart EQ kommt der EQV, die elektrifizierte V-Klasse.

Sie steht nicht auf der Heckantriebsplattform des Vito, wie die Verbrenne, sondern auf der Frontantriebsbasis. Auf den ersten Blick sieht der bis zu achtsitzige Van nicht viel anders aus als seine Diesel-Brüder, doch am geschlossenen Front-Design ist er identifizierbar. Bei näherem Hinschauen ist auch sichtbar, dass der Elektro-Vito tiefer liegt. Das ist Resultat der Batterie-Position – mit 100 kWh Kapazität, davon nutzbar sind 90 kWh -, die so im Wagenboden versenkt ist, dass sie den Innenraum nicht einschränkt. Die Entwickler haben darauf geschaut, den Passagier- und Laderaum in vollem Umfang zu erhalten (was ebenso für die Nützlingsvarianten des Vito und seiner Derivate gelten wird).

Antrieb des EQV ist ein E-Aggregat mit 204 PS Spitzen- und 95 PS Dauerleistung. Das reicht, den in zwei Längen, mit 5140 oder 5370 mm (3200 oder 3430 Millimeter Radstand), im Normal-Modus (es gibt auch Sport, Eco und Eco plus) vom Stand weg vehement in Bewegung zu setzen respektive zu halten. Trotz des Gewichts von 2,7 Tonnen. Das ist nicht alleine der Batterie anzulasten, über deren Kilos sich Mercedes ausschweigt, es kommt das volle Innenaustattungs-Programm wie in den konventionell angetriebenen Modellen hinzu. Auch ist das Cockpit nicht grundlegend anders eingerichtet, bis auf die spezifischen Energiestands- und Verbrauchsanzeigen sowie Bordcomputer-Menus. Was sich im Kapitel Komfort addiert ist penible Geräuschdämmung, die bei Elektroautos aufwendiger ist als bei Verbrennern: Reifenabroll- und Windgeräusche werden nicht durch mechanische Lautäußerungen überlagert und wären somit intensiver vernehmbar. Schließt man die Fenster, sind sie im EQV man auch bei flotter Gangart ausgesperrt. Die empfiehlt sich, wenn erlaubt, am ehesten auf gerader oder kaum kurviger Strecke. In flott gefahrenen Kreisverkehren und Kehren kann der Stuttgarter sein beträchtliches Gewicht nicht verleugnen. Dafür ist die Fahrwerksabstimmung höchst kommod, er bügelt Unebenheiten aus, nicht nur, wenn die optionale Luftfederung an Bord ist.
Nach einer Proberunde auf gemischtem Straßenprogramm, auch ein Stück Autobahn war dabei, erscheinen die 348 Kilometer E-Reichweite machbar. Rekuperieren kann der E-Bus mehrstufig. Das kann man via Schaltpaddles regeln oder, nach Zieleingabe, vom Navi im Verein mit der Bordelektronik automatisch erledigen lassen.
Mercedes Benz EQV
Motor/Antrieb E-Aggregat mit 204 PS und 362 Nm, 90 kWh Li Ion-Akku/Automatik/Frontantrieb
Fahrleistungen 0 auf 100 in 10 Sek., 160 km/h Spitze; 28,7 kWh/bis zu 348 Kilometer
Marktstart/Preis Oktober/ab 81.696 Euro