Handyverbot: So geht das BG Bludenz mit dem Thema um

Menschen / 07.04.2025 • 16:01 Uhr
Handyverbot: So geht das BG Bludenz mit dem Thema um
Gerald Fenkart ist seit sechs Jahren Schulleiter. vn/pem

Es dauert nicht mehr lange, bis das Gesetz zum Handyverbot verabschiedet ist. Einige Schulen wie das Bundesgymnasium Bludenz haben schon klare Regeln.

Bludenz Täglich landen bis zu fünf Handys im Sekretariat des Bundesgymnasiums Bludenz. „Das Problem Handy gibt es, seit es das Handy gibt“, sagt Schulleiter Gerald Fenkart. Vor zwei Jahren beschloss der Schulgemeinschaftsausschuss ein Handyverbot für die Unterstufe. Für die Oberstufe gilt: Das Mobiltelefon darf nur in den Pausen verwendet werden. „Im Großen und Ganzen halten sich die Schüler daran. Doch bei so einer großen Schule ist es schwer zu erkennen, wer in der Unterstufe und wer in der Oberstufe ist. Manche sehen älter aus, als sie sind, andere jünger“, erklärt Fenkart.

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Wird ein Handy dennoch wiederholt eingezogen, weil die Regeln missachtet wurden, muss es beim Direktor persönlich abgeholt werden. „Normalerweise kann man es nach der Stunde oder am Ende des Schultages abholen. Es sind meist dieselben zehn Übeltäter, sage ich mal, bei denen es öfter passiert. Dann müssen sie zu mir“, sagt Fenkart.

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Wem zu oft das Handy abgenommen wird, muss es beim Direktor abholen. vn/pem

In seinem eigenen Unterricht handhabt es der Direktor so, dass die Schüler ihre Handys zwar auf dem Tisch haben dürfen, sie jedoch nicht in die Hand nehmen sollen. „Wenn man kurz darauf klickt, weil man wissen möchte, ob die Mama oder die Freundin geschrieben hat, stört es mich nicht. Ein Blick darauf ist in Ordnung – man sollte es nur nicht in der Hand haben oder unter der Bank durchgehend am Handy sein“, schildert er. „In manchen Fächern, die einen nicht interessieren, ist diese Verlockung größer.“

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Fenkart begrüßt das neue Gesetz, ist sich jedoch skeptisch bei der Umsetzung. vn/pem

In einigen Klassenräumen – etwa im Chemiesaal – gibt es die sogenannte „Handygarage“. Dabei handelt es sich um eine Art Adventkalender, in den die Schüler ihre Telefone zu Beginn des Unterrichts einlegen und sie nach der Stunde wieder abholen. „Einige Lehrkräfte nutzen das, und es entlastet sie wirklich sehr. Doch die ersten Male waren schwierig – einige Schüler haben versucht, uns auszutricksen, und nur die Handyhülle statt des Geräts hineingelegt“, erzählt Fenkart.

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Solche Handygaragen gibt es an immer mehr Schulen, hier ein Beispiel aus den USA. AP/Bowmer
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Seit zwei Jahren hat das BG Bludenz ihre eigene Regelung zu diesem Thema. vn/pem

Viele Lehrerinnen und Lehrer gehen unterschiedlich mit dem Thema um. „Ich hatte nie ein Problem damit“, sagt Katharina Wirth, Französisch- und Sportlehrerin. „Bei mir gibt es einen geregelten Umgang: Das Handy ist entweder in der Schultasche oder auf dem Tisch – aber umgedreht.“ Im Unterricht verwendet sie die Smartphones gelegentlich auch zur Vokabelsuche. „Das Handyverbot für die Unterstufe ist wichtig und schon lange überfällig. Ich finde aber, wenn man miteinander redet und gemeinsam Lösungen sucht, ist vieles klarer.“

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Katharina Wirth unterrichtet Französisch, Sport und Sporttheorie. vn/pem

Auch ihre Kollegin Anna Loacker lässt den Schülern die Wahl, wo sie das Handy hinlegen – doch für sie steht fest: „Ich finde das Handyverbot gut, weil sie sonst die ganze Pause daran verbringen würden. So geht der soziale Kontakt, der in der Schule stattfindet, verloren.“

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Anna Loacker unterrichtet in der Unterstufe Biologie und Mathematik. vn/pem

Dass das Verbot nicht bei allen Jugendlichen gut ankommt, weiß auch Schülersprecher Jodok Burtscher. Er war damals noch in der Unterstufe, als der Beschluss gefasst wurde. „Es wurde in die Hausordnung aufgenommen. Wir waren nicht froh darüber, dass man uns das einfach aufbrummt“, sagt der Maturant. Heute kann er das Verbot für die Volksschule und die Unterstufen jedoch nachvollziehen. „Es soll helfen, Ablenkungen im Unterricht zu vermeiden. Man ist schnell verleitet, das Handy in die Hand zu nehmen, wenn einem das Fach unwichtig erscheint“, so Jodok. Gleichzeitig betont er: „Der Umgang mit der digitalen Welt und digitalen Kompetenzen ist ebenso wichtig. In unserem Alter ist das Handy nicht mehr wegzudenken – aber ich glaube, Oberstufenschüler können besser damit umgehen und wissen, wann etwas wichtig ist.“

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Schülersprecher Jodok findet das Handyverbot für die Volkschule und die Unterstufen gut. vn/pem

Derzeit wartet man noch auf das endgültige Gesetz zum Handyverbot für Volks-, Mittel-, Sonderschulen und AHS-Unterstufen, das mit 1. Mai in Kraft treten soll. „Ich warte darauf, genau zu sehen, was im Gesetzestext stehen wird. Ich glaube aber nicht, dass sich viel ändern wird“, sagt Fenkart. Dass es künftig ein bundesweites Gesetz geben soll, begrüßt er. „Ich befürchte jedoch, dass die Umsetzung schwammig bleibt. Letztlich bleibt es an den Lehrern hängen – und das mag ich nicht. Sie sollen nicht das Böse verkörpern. Doch genau das ist mit dem Einsammeln der Handys oft verbunden.“

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