“Ich habe mich gleich verliebt” – Wie ein Vorarlberger Gastwirt seine Pension in ein musikalisches Abenteuer verwandelt

Hans Jakob Kaufmann (65) möchte mit seiner “Susi” und “Kaspar-Wise” auch im Advent die gute Laune ankurbeln.
Darum geht’s:
- Früherer Gastwirt wird leidenschaftlicher Drehorgelspieler.
- Setzt musikalische Akzente auf Märkten und bei Festivals.
- Bietet inzwischen ein vielseitiges Repertoire.
Altach Den Altacher Hans Jakob Kaufmann kennen einerseits viele aus seiner Zeit als Hirschen-Wirt. Andererseits seit Neuestem auch als den Mann mit Schnauzbart und Melone auf dem Kopf, der mit seiner Drehorgel etwa auf Märkten oder beim Wälderbähnle musikalische Akzente setzt. Momentan ist er allerdings nicht ganz so leicht zu erkennen, zieht der 65-Jährige doch im Weihnachtsmannkostüm durch das Land. Mit dabei aber stets seine “Susi” und “Kaspar-Wise”.

Mit “Kaspar-Wise” ist eine Affenpuppe in karierten Latzhosen und mit Barrett auf dem Haupt gemeint – mit “Susi” die etwa 30 Jahre alte Drehorgel, die Kaufmann sich vor drei Jahren angeschafft hat. “Ich habe mir überlegt, was ich denn in der Pension tun könnte. Mir fiel dann ein Drehorgelspieler ein, den ich mal beim Krömlemarkt gesehen habe”, erläutert er den Beginn seines neuen außergewöhnlichen Hobbys.
Ich habe mir überlegt, was ich denn in der Pension tun könnte.
Hans Jakob Kaufmann,
Drehorgeljakob
So nahm er Kontakt in die Szene auf und erwarb bald seine “Susi” in einem Geschäft im deutschen Überlingen. “Ich habe mich gleich verliebt, die Drehorgel gekauft und angefangen zu spielen”, erzählt Kaufmann mit einem Grinsen.
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Seinen ersten Auftritt hatte er beim Wälderbähnle-Bahnhof in Bezau. “Mich verbindet einiges mit dem Bregenzerwald”, erzählt der ehemalige Koch und frühere Gastwirt. So stammten seine Eltern aus Schwarzenberg und auch seine Ehefrau Anneliese ist gebürtige Bregenzerwälderin.

Inzwischen ist der 65-Jährige Mitglied des Wälderbähnle-Vereins und geht dort ehrenamtlich bei den Nikolausfahrten mit auf Tour. “Erst als Krampus, jetzt bin ich befördert worden.”

Als “Drehorgeljakob” ist er nicht nur in Vorarlberg unterwegs. Es zog ihn beispielsweise schon zu einem internationalen Orgelfestival ins deutsche Waldkirch. Auch bei einer Busreise mit einer Reisegruppe ans Nordkap durfte “Susi” in diesem Sommer nicht fehlen.
Großer Norwegen-Fan
“Ich bin ein Norwegen-Fan durch und durch”, verrät Kaufmann und auch ein Anhänger am Wagen seiner Drehorgel deutet darauf hin. Einige Zeit lebte er früher auch dort. Bevor er den Familienbetrieb bzw. das Altacher Traditionshaus Hirschen Mitte der 1980er-Jahre übernahm, hatte er einige Zeit in dem skandinavischen Land in einem Hotel gearbeitet.

“Ich war immer schon ein leidenschaftlicher Koch”, erzählt der 65-Jährige. Noch immer schwingt er auch gerne daheim den Kochlöffel. Am liebsten bereitet er Backhendl, Gulasch oder Beuschel zu.

Inzwischen hat die nächste Generation den Betrieb übernommen und Kaufmann ist statt mit Kochjacke mit kariertem Hemd, Weste, Lederhose und Melone unterwegs und zu einem beliebten Fotomotiv auf Märkten geworden.

Von Wälder-Liedern über Böhmische Musik bis hin zu weihnachtlichen Klängen hat der “Drehorgeljakob” inzwischen so einiges in seinem Repertoire. “Am liebsten ist mir momentan aber französische Musik”, erzählt er.
Auch “schwarze Wolken”
Bei seinen Auftritten erlebt er viele schöne Begebenheiten. Am liebsten ist ihm, wenn sich Zuhörer um ihn scharen. “Aber es gibt natürlich aber auch schwarze Wolken.” Beispielsweise, wenn er neben Marktständen unerwünscht ist. Unter dem Motto “Wenn du jammerst, hast du verloren – nämlich Zeit, jemand anderes Gutes zu tun” versucht Kaufmann gut durch schwierige Situationen zu kommen.

In den nächsten Wochen wird er seine Melone wieder des Öfteren gegen Weihnachtsmütze eintauschen und wird auf dem einen oder anderen Weihnachtsmarkt mit “Kaspar-Wise” und “Susi” zu sehen und sein.

Zur Person
Hans Jakob Kaufmann
Alter 65
Wohnort Altach
Familie verheiratet, drei erwachsene Kinder, zwei Enkelinnen
Hobbys Drehorgelspielen, Imkern