
Feuerwehrfrauen im Katastropheneinsatz: “Keiner von uns war je auf so einem Einsatz”
Gleich mehrere Frauen sind Teil der beiden Katastrophenzüge, die derzeit der Bevölkerung in Niederösterreich hilft. Zu ihnen gehören Jasmin Feurle und Lorena Bösch, beide 19 Jahre alt.
Tulln Am frühen Abend macht sich ein kleiner Konvoi vom Sicherheits- und Feuerwehrzentrum in Tulln in Richtung St. Andrä-Wördern auf den Weg. Bei der Feuerwache wartet man auf den ortskundigen Lotsen. Eine ältere Dame geht vorbei. “Danke, danke”, sagt sie laut zu jedem der vier vollbesetzten wartenden Feuerwehrautos. Mit im Gepäck sind zwei der leistungsfähigen Pumpen der Vorarlberger mit den Feuerwehren von Koblach und Langen bei Bregenz – und mit Lorena Bösch und Jasmin Feurle zwei der jungen Florianijüngerinnen dieser Einsatzgruppe.


“Ich war vor vier Jahren das erste weibliche Mitglied unserer Feuerwehr”, erzählt Feurle. Die 19-Jährige kam über ihren Vater zur Feuerwehr, Jürgen Feurle ist ebenfalls im Katastropheneinsatz in Tulln. Bis vor zwei Monaten war sie noch das einzige weibliche Mitglied der Langener Feuerwehr, nun sind sie zu zweit. Nun baut sie im Licht der Abenddämmerung in der Feldgasse neben Lauterach eine zweite Pumpe auf. Mit insgesamt drei Pumpen sollen hier 20.000 Liter pro Minute in den Graben in Richtung Donaustraße und Donau gepumpt werden, um die Siedlung in der Blumen- und Weizengasse wieder trockenzulegen.


Zuerst stößt auch die Koblacher Pumpe hinzu, diese soll aber in der Verlängerten Donaustraße einen Rückstau verhindern. Während Feurle noch eine Bierbank aus dem Weg räumt – sie wird mit einem Teil ihrer Kameraden hier die Nacht verbringen – macht sich Bösch mit ihren Kameraden wieder auf den Weg.

“Zählt man die Feuerwehrjugend mit, bin ich seit acht Jahren dabei”, erklärt Lorena Bösch. Die ebenfalls 19-jährige Koblacherin hat keinen familiären Bezug zur Feuerwehr. “Mir gefiel schon als Kind, wenn die Feuerwehr vorbeifuhr, den Menschen zu helfen”, erklärt sie ihre Motivation. Wie auch für Feurle ist es ihr erster Katastropheneinsatz fern der Heimat. “Keiner von uns war je auf einem solchen Einsatz”, verweist sie auf ihre anwesenden Koblacher Kameraden. Hier in St. Andrä ist aber anfangs noch der Wurm drinnen. Zwar laufen alle Pumpen wie gewünscht, die Leitungen sind weit in den Kanal hinein gelegt. Doch in der Verlängerten Donaustraße merkt man davon noch wenig. Bald stellt sich heraus, dass sich das Wasser im Kanal staut und in den angrenzenden Acker drückt. Der Bagger sorgt für Abhilfe.


Während in der Feldgasse jedoch die Langener und Lauteracher über die lokale Feuerwehr versorgt werden, sind ein Teil der Koblacher wieder auf dem Weg nach Tulln. Bösch und ihre Kameraden werden beim Gros der 75 Vorarlberger Feuerwehrkräfte in der beheizten Garage schlafen. “Derzeit ist der Plan, dass wir um 4 Uhr die anderen bei der Pumpe ablösen sollen”, erklärt die 19-Jährige. Sie berichtet von dankbaren Anrainern, man werde nur so mit Kaffee, Süßigkeiten und Kuchen überhäuft.

Vom Landesfeuerwehrverband bereitgestellte Wurstnudeln und Kaiserschmarren warten in der Garage auf die hungrigen Florianijünger. Die Halle füllt sich langsam mit jenen Kräften, die es in der Nacht nicht bei den Pumpen braucht. Manche nutzen die Zeit, um im Servicecenter gegenüber zu duschen, andere versuchen etwas Schlaf zu bekommen, der Rest lässt den Tag Revue passieren. Am Freitag wartet wieder die Flut und dankbare Anrainer auf sie. Doch nicht wie geplant in St. Andrä-Wördern, sondern in Rust im Tullnerfeld. Hier entlasten die Koblacher am Freitag die einheimischen Kräfte.

Spendenkonto: So können Sie helfen
So können Sie helfen:
vorarlberghilft.at
Spendenkonto Caritas: AT32 3742 2000 0004 0006
Verwendungszweck: “Vorarlberg hilft”
Online-Spenden: www.caritas-vorarlberg.at
.
Spendenkonto Österreichisches Rotes Kreuz:
Landesverband Vorarlberg
IBAN: AT84 3742 2000 0014 3248
Verwendungszweck: Inlandshilfe
Es gab in der ursprünglichen Fassung einen Fehler bei den Vornamen der Florianijüngerinnen; dafür möchten wir uns entschuldigen.