Fastenbrechen in Dornbirn: “Für mich bedeutet Ramadan Friede”

Menschen / 08.04.2024 • 06:30 Uhr
Fastenbrechen in Dornbirn: "Für mich bedeutet Ramadan Friede"
Irem Altay geht gerne in die Moschee. Für sie bedeutet Ramadan “Friede”. vn/pem

Die VN haben die muslimische Community beim Fastenbrechen besucht – so erleben Irem Altay und andere das sogenannte Iftar.

Dornbirn Es ist 19:30 Uhr. Der Parkplatz vor der Moschee, der islamischen Glaubensgemeinschaft Atib, in Dornbirn füllt sich langsam. In weniger als zehn Minuten wird jede einzelne Parklücke besetzt sein.

Fastenbrechen in Dornbirn: "Für mich bedeutet Ramadan Friede"
Das Zelt befindet sich am Ende des Parkplatzes. vn/pem

In dem Zelt, das während des Fastenmonats Ramadan daneben aufgestellt wird, versammeln sich Menschen. Bis zu 200 Muslime kommen hier täglich zusammen, um ihr Fasten zu brechen. “Heute ist ein besonderer Tag. Deswegen werden mehr Menschen kommen”, erklärt Selim Kavas, Islamlehrer an der Handelsakademie Bregenz und der Landesberufsschule Bregenz 1.

Fastenbrechen in Dornbirn: "Für mich bedeutet Ramadan Friede"
Beim Iftar ist eines wichtig: Die Gemeinschaft. Iftar ist das Mahl, das während des Fastenmonats Ramadan nach Sonnenuntergang jeden Abend eingenommen wird.vn/pem
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Selim Kavas ist Islamlehrer an der HAK und Berufsschule Bregenz. vn/pem

Nach islamischen Glauben kam am 27. Tag des Fastens Erzengel Gabriel und übermittelte die Offenbarung dem Propheten Mohammed, somit auch die ersten Verse (Suren) des Korans. “Wir nennen es die Nacht der Bestimmung. Gerade diese letzten Tage sind besonders wichtig, denn der Prophet betrachtet sie als die Befreiung aus dem Höllenfeuer”, sagt Kavas. Generell stehe der Ramadan für die seelische und körperliche Reinigung der Gläubigen.

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Das Zelt hat sich schnell mit Menschen gefüllt. vn/pem

Beim Durchlaufen durch das große Zelt merkt man bereits um kurz vor 20 Uhr, dass es keinen Platz mehr gibt. “Wenn die Sonne untergeht, beginnen wir gemeinsam zu essen.” Das wird auch ‘Iftar’ genannt. “Die Leute von der Moschee verteilen das Essen an alle, die kommen. Manche bringen auch etwas mit für die Gemeinschaft. Süße Speisen werden in der Regel von den Frauen gemacht und hierher gebracht”, erklärt der Islamlehrer.

Fastenbrechen in Dornbirn: "Für mich bedeutet Ramadan Friede"
Das gemeinsame Fastenbrechen neben der Moschee in Dornbirn. vn/pem

Zusätzlich zu den süßen Leckereien gibt es Suppe, frisches Brot, Fleisch, Salat und Reis. Das festliche Abendessen wird von der Moschee (Atib) organisiert und basiert auf Spenden. “Die Mitglieder haben die Möglichkeit ihren Namen einzutragen und aus deren Spenden wird das dann gemacht. Aber grundsätzlich ist jeder hier willkommen, egal ob Mitglied oder nicht. Auch die Religion spielt keine Rolle”, sagt der Obmann Ramazan Kocaman.

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Es gab einiges an süßen Köstlichkeiten.vn/pem

Auch Ibrahim Bacak ist fast jeden Abend dort. “Ich finde, es ist ein schöner Monat. Man kommt zusammen, aber man lernt dabei, was Geduld und Dankbarkeit sind”, sagt der 18-Jährige. Er selbst hat bereits mit elf Jahren zum ersten Mal gefastet. “Es wird jedes Jahr einfacher. Man nimmt dabei auch etwas ab, also es ist bisschen wie eine Diät”, scherzt der Schüler.

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Ibrahim Bacak geht noch in die Schule. vn/pem

Irem Altay hat mit 13 Jahren zum Fasten angefangen – ebenfalls früh: “In der Schule ist man da etwas eingeschränkt, weil man dann Konzentrationsschwierigkeiten hat”, erklärt die 20-Jährige. Auf die Frage, was der Ramadan für sie bedeutet, hat sie eine schlichte Erklärung: “Friede”. Und fügt hinzu: “Du erkundigst dich selbst und die Religion. Dabei kannst man diese Verbindung wieder stärken.”

Selim Kavas erlebt als Lehrer oft, dass seine Schüler bereits im jungen Alter mit dem Fasten anfangen möchten. “Ich sage es ihnen immer wieder, dass sie es nicht machen müssen. Aber sie wollen es, sie wollen etwas schaffen und dieses Erfolgserlebnis haben”, sagt er. Prinzipiell sind Kinder, Schwangere, Stillende, ältere und chronisch erkrankte Menschen sowie menstruierende Frauen vom Fasten befreit.

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Manche Frauen saßen für sich, getrennt von den Männern. vn/pem

Bis zum 10. April dauert der Fastenmonat Ramadan noch, danach findet das Bayram statt. “Das ist unser Fest nach dem Ramadan. Da kommen wir zusammen für ein großes Gebet”, sagt Kavas. “Im Anschluss wird drei Tage mit der Familie gefeiert, die Kinder bekommen Geschenke.”

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Beim Beginn des Iftar war das Zelt voll. vn/pem

Ramadan

Laut Statistik Austria leben in Österreich 745.000 Menschen, die Teil der islamischen Glaubensgemeinschaft sind. Nach dem römisch-katholischen Christentum ist der Islam damit die am meisten verbreitete Religion. 

Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender, der als Fastenzeit für Muslime gilt. Der Beginn wird durch das Sichten der Mondsichel bestimmt und kann daher regional variieren. Das Fasten während des Ramadan zählt zu den zentralen Elementen der religiösen Praxis. Dabei wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen oder jegliches „schlechte“ Verhalten verzichtet – etwa das Benutzen von Schimpfworten.

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