“Abel ist unser Sonnenschein”

Silke und Gernot Schubert aus Feldkirch adoptierten ein Kind aus Äthiopien. Abel (heute 15) ist mehrfach beeinträchtigt, aber hochmusikalisch.
Feldkirch/Nofels Abel wurde vor 15 Jahren in Gondar, einer großen Stadt in Nordäthiopien, geboren. Sein Zwillingsbruder starb bei der Geburt. Abel überlebte knapp, aber wie sich später herausstellte, trug er wegen Sauerstoffmangel bei der Geburt eine Mehrfachbehinderung davon. Seine Mutter verschwand nach der Geburt. Das Baby wurde in ein Waisenhaus des Mutter-Teresa-Ordens in Addis Abeba gebracht. Zehn Monate später wurde der Bub von Silke und Gernot Schubert adoptiert.

Das Ehepaar aus Feldkirch wünschte sich sehnlichst ein Kind, konnte aber auf natürlichem Wege keines bekommen. „Wir dachten uns: ,Es gibt Kinder, die haben keine Eltern. So ein Kind nehmen wir‘.“ Die Adoption wurde über den Verein „Brücke nach Äthiopien“ abgewickelt. „In dem Augenblick, in dem man uns den Kleinen in den Arm legte, war er unser Kind.“ Diese bewegenden Momente vergessen Abels Adoptiveltern nie mehr. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Schuberts aber noch nicht, dass Abel beeinträchtigt ist. „Jede Mama und jeder Papa wünscht sich ein gesundes Kind.“ Aber von diesem Traum musste sich das Ehepaar verabschieden. Denn Abel entwickelte sich nicht nach Norm. „Er hatte sein eigenes Tempo. Mit sechs Jahren konnte er erstmals eine Flasche zudrehen.“

Silke (53) erzählt, dass die ersten Jahre mit Abel nicht einfach waren, auch weil er immer wieder Zornausbrüche hatte. „Abel war oft lange nicht zu beruhigen. Das kostete uns viel Kraft.“ Es dauerte Jahre, bis die Eltern das Schicksal ihres Kindes akzeptieren konnten. Aber den Schuberts lag immer sehr daran, ihr Kind bestmöglich zu fördern. Gernot (56) etwa konnte seinem Sohn trotz dessen körperlicher und geistiger Beeinträchtigung das Skifahren beibringen. „In den heurigen Semesterferien war Abel mit dem Aks auf Skiwoche am Golm. Gernot war als Betreuer auch mit dabei. Das Aks-Team leistet großartige Arbeit“, freut sich Silke über dieses schöne Angebot. Abel, der mit Freude das Schulheim Mäder besucht, ist aber nicht nur ein guter Skifahrer, sondern auch ein ausdauernder Wanderer und ein guter Kletterer.

Abels größte Stärke aber ist seine Musikalität. „Schon mit drei Jahren ging er ans Klavier und spielte nach Gehör.“ Heute kann er zum Beispiel aus dem Stegreif und ohne Noten Beethovens Mondscheinsonate spielen. „Abel ist ein musikalisches Wunderkind“, sind sich seine Eltern sicher. Sie fördern das Talent ihres Sohnes. Alle zwei Wochen kommt eine Klavierlehrerin und gibt Abel Unterricht. Der inzwischen 15-Jährige hatte auch schon einige Aufritte als Pianist, beim Frühlingsfest und Kürbisfest am Sunnahof etwa und bei einem Fest der Musikschule Liechtenstein. Im April wird er bei der inklusiven Musik- und Tanzwoche in Goldegg musizieren und im Juni bei einem inklusiven Konzert im Pförtnerhaus (16. Juni, 10.30 Uhr). Er gehört auch einer Musikgruppe an, der All Inklusive-Superband, die schon bei Veranstaltungen der Special Olympics spielte. Seine Mutter hat einen Traum: „Es wäre wundervoll, wenn Abel einmal in einer Musikschule arbeiten könnte. Das würde ich ihm von Herzen wünschen.“

Den Eltern liegt daran, dass ihr Sohn selbstständiger wird. „Das Problem ist aber, dass Abel nirgends allein hingehen kann. Denn draußen hat er keine Orientierung. Auch daheim können wir ihn nicht lange allein lassen, höchstens eine halbe Stunde.“ Abel ist 15, verhält sich aber noch wie ein Kind. Er sitzt auf dem Schoß seines Vaters und macht mit ihm Späße. „Abel ist unser Sonnenschein. Er ist immer gut gelaunt, kichert viel und zeigt uns seine Liebe. Das ist wunderschön und das größte Geschenk“, sagt Gernot. Seine Frau nickt zustimmend und ergänzt: „Alle Mühen waren nicht umsonst. Jetzt fahren wir die Ernte ein.“

