So erlebt die Vorarlberger Ukrainehilfe den Krieg: Nächstes Ziel ist eine Therapieschmiede

In der Ukraine herrscht weiterhin Krieg. Unterstützung für die Opfer gibt es auch aus Vorarlberg.
Röthis Am Samstag jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zum zweiten Mal. Zwei Jahre Leid und Tod, aber auch Hilfe und Hoffnung. “Einig – Verein für Ukrainehilfe” setzt sich seit über einem Jahr für die Menschen in der Ukraine ein, und für die, die aus der Ukraine nach Vorarlberg geflohen sind.
“Wir haben elf Lkw-Ladungen mit Waren im Wert von rund zwei Millionen Euro in die Ukraine geschickt”, berichtet Johannes Neumayer (40). Er hat gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Anna Mamay-Gassner den Verein gegründet. Mamay-Gassner ist gebürtige Ukrainerin und hat nach Kriegsbeginn auch die Familie ihrer Schwester bei sich in Vorarlberg untergebracht.

Die letzte Lieferung ist erst vor wenigen Wochen über Oberösterreich auf den Weg gebracht worden. Hauptsächlich handelte es sich um Kittel, Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Antibiotika. Denn die Hilfe aus Europa ist nach wie vor wichtig. “Auch Geldspenden helfen”, informiert Neumayer.
Weiterhin große Not in der Ukraine
Die Lage in der Ukraine ist weiterhin ernst. “Die Not ist sehr groß. Hier sterben jeden Tag Menschen, die kämpfen und in erster Linie sich verteidigen”, berichtet er. Aber nicht nur sich. Neumayer sieht in dem Konflikt ein Kräftemessen zwischen Osten und Westen, das am Ende ganz Europa betreffen könnte. Aus seiner Sicht schauen zu viele weg. Neumayer sieht aber auch die Chance, dass die EU sich durch den Konflikt eint und von der Abhängigkeit der Amerikaner emanzipiert.
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In Vorarlberg weiß Neumayer von rund 2000 Ukrainerinnen und Ukrainern, die sogar über Gruppen und WhatsApp organisiert sind. “Alle lernen Deutsch. Der absolut überwiegende Großteil ist hervorragend integriert und arbeitet”, berichtet der 40-Jährige. Teilweise würden sie Jobs übernehmen, die sonst niemand mehr machen wollte. “Sie blicken immer in die Heimat, in der Hoffnung, zurückzukehren, aber stellen sich auf ein längeres Dasein in Vorarlberg ein.”

Je schlechter die Lage in der Ukraine, umso höher der Druck, in Österreich zu bleiben. Neumayer sieht daher keine österreichische Festung als Ende der Migrationsströme, sondern einzig die Konflikte in den Heimatregionen zu befrieden. “Niemand emigriert freiwillig und gibt seine Heimat auf”, stellt er klar. Viel mehr sieht er in der Migration aber eine Chance.
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Neumayer erinnert sich an die Anfänge der Flüchtlingsströme aus der Ukraine. “Da hatten wir auffällig viel zu tun mit Vermittlung, Übersetzungen, Wohnungsbesorgung und Jobvermittlung.” Von den meisten hört das Hilfsteam heute nichts mehr. Der Grundsatz, ihnen eine Chance zu geben, damit sie selbst schwimmen, ist aufgegangen. Ab und zu unterstützen Mamay-Gassner und Neumayer noch, zum Beispiel wenn es um kulturelle Abende, Events für Kinder oder Demonstrationen geht.
Therapieschmiede liegt im Fokus
Der Fokus der Hilfsorganisation liegt heute hauptsächlich auf einem anderen Thema. “Wir möchten im ukrainischen Teil der Karpaten eine Therapieschmiede errichten”, berichtet Neumayer. “Das Grundstück dafür haben wir schon vor dem Krieg gekauft.” Mit Architekten und ukrainischen Psychologen entstehen derzeit genaue Pläne. Ein Team, das die Arbeit in der Ukraine leistet, steht bereits.

Dafür hat Johannes Neumayer auch sein bisheriges Leben aufgegeben. Er beendete seinen Job in der Kommunikationsbranche und pachtete eine 500 Jahre alte Schmiede in Röthis. Hier stellt er unter anderem Messer und Werkzeuge her und übernimmt Restaurierungen und Auftragsarbeiten von Mittelalter-Fans zum Beispiel. Teile des Equipments sollen in die Ukraine gebracht werden. Und er testet, was aus dem Kriegsschrott wie Waffen und Panzern gefertigt werden kann. Denn genau das soll in der Therapieschmiede passieren. Damit die Ukrainer eine Möglichkeit bekommen, das Erlebte zu verarbeiten.

Neumayer hat bereits ein Buch geschrieben. “Im Krieg aus der Ferne” heißt es. “Das nächste Buch wäre in Arbeit, aber ich hätte gern ,Sieg aus der Ferne’ geschrieben. Ich weiß nur nicht, ob sich das ausgeht”, erzählt er. Seiner Meinung nach hänge das davon ab, ob Europa die russische Zermürbungstaktik zulässt oder geeint auftritt.
Hoffnung geben ihm die Menschen, die kämpfen und nicht aufgeben. “Solche Zeiten bringen immer auch besondere Menschen hervor”, sagt er. Und mit ihrem Therapiezentrum können das neben Staatschefs und Freiheitskämpfern auch Anna Mamay-Gassner und Johannes Neumayer sein.

Vorarlberg hilft
Das Land Vorarlberg, Rotes Kreuz, Caritas und die VN organisieren Spendenaktion für die Menschen in der Ukraine. Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger spendeten über zwei Millionen Euro für die Hilfe in der Ukraine.
SPENDENKONTO:
Caritas: Raiffeisen Feldkirch
IBAN: AT32 3742 2000 0004 0006
„Ukraine-Nothilfe“
Rotes Kreuz: Raiffeisen Feldkirch
IBAN: AT84 3742 2000 0014 3248
„Vorarlberg hilft“
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Schreiben Sie uns unter folgender E-Mailadresse: unterkunft.ukraine@vorarlberg.at
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