Notschlafplätze überlaufen: Allein im Jänner mussten 16 Männer abgewiesen werden

Der Brand in Bregenz war wohl durch Obdachlose verursacht worden. Für die gibt es in Vorarlberg nämlich nicht genug Unterkünfte.
Darum geht’s:
- In Bregenz hat ein altes Haus gebrannt, das wohl von Obdachlosen frequentiert wurde.
- In Vorarlberg gibt es nicht genug Notunterkünfte für Obdachlose.
- Es besteht hoher Bedarf an leistbarem Wohnraum und Unterstützung für Obdachlose.
Bregenz Wie aus einem dampfenden Kochtopf stiegen dunkle Wolken in die Höhe. In Bregenz hat am Mittwochvormittag ein altes Haus gebrannt. Es stand leer, niemand wurde verletzt. Das Feuer kam aus einem Zimmer im ersten Stock. Nach ersten Einschätzungen der Polizei hatten Obdachlose dort ihre Zeit verbracht und mutmaßlich ein “Lagerfeuer” gemacht. Genaue Erkenntnisse dazu gab es auch am Donnerstag noch nicht. Der Polizei sei aber bekannt, dass dieses leer stehende Wohnhaus regelmäßig durch unterstandslose Personen aufgesucht wurde. Manchmal sind solche Unterkünfte der einzige Zufluchtsort.

“Es gibt in Vorarlberg zwei Notschlafstellen”, sagt Ferdinand Koller, interimistischer dowas-Geschäftsführer. Die in Feldkirch betreibt die Caritas, die in Bregenz der Verein dowas. Neun Betten für Männer, drei für Frauen stehen hier zur Verfügung. Vor allem die Männer-Betten sind regelmäßig voll belegt. “Allein im Januar mussten wir bisher 16 Männer wegen Vollbelegung und fünf aus anderen Gründen abweisen”, berichtet Koller. “Das ist die Realität.”

Fakt ist also, dass es in Vorarlberg Menschen gibt, die keinen warmen, überdachten Schlafplatz haben. “Die Angebote werden dem Bedarf nicht mehr gerecht – sowohl in Quantität als auch in Qualität”, klagt er. Ein Beispiel: Der Aufenthalt ist auf 28 Tage begrenzt. Dann dürfen die Obdachlosen 28 Tage nicht kommen. Viele Ausländer sind nicht gleichgestellt. Sie haben keinen Anspruch auf Sozialhilfe und müssen nach maximal vier Tagen wieder ausziehen.
Hohe Dunkelziffer an Obdachlosen
Koller und seine Kollegen setzen sich dafür ein, die Gesamtsituation zu verbessern. Und nach seinem Eindruck kommt Bewegung in die Sache, er hebt die positiven Entwicklungen bei der Stadt Bregenz und dem Land hervor. Wie viele Menschen in Vorarlberg insgesamt auf der Straße leben, ist nicht valide dokumentiert. Die Dunkelziffer dürfte offizielle Zählungen weit übersteigen. Der Bedarf ist also da.

Das merken die Sozialhelfer auch tagsüber. Vergangenen Winter kamen an manchen Tagen um die 100 Menschen ins Tageszentrum Treffpunkt. Deshalb haben sie durchgesetzt, dass dieses seit 1. Januar die gesamte Woche den ganzen Tag geöffnet sein darf. Bisher waren die Zeiten auf werktags bis 13 Uhr beschränkt. In dem Zentrum können die Menschen sich aufhalten, duschen und ihre Sachen waschen. Für zwei Euro gibt es eine täglich frisch gekochte Mahlzeit.

Koller weiß, dass im Winter auch Menschen kommen, die in schlecht beheizten Wohnungen untergebracht sind. Alles läuft anonym ab. Allein das Personal fehlt derzeit noch, um den ganztägigen Betrieb ins Laufen zu bringen. Der Geschäftsführer freut sich über Meldungen (geschaeftsfuehrung@dowas.at).
Wohnungsnot ist groß
Das Angebot ist ein weiterer Baustein zur Hilfe, löst aber das Problem nicht. Das wichtigste Thema sei leistbarer Wohnraum. “Viele Menschen könnten allein leben und sich eine gemeinnützig finanzierte Wohnung auch leisten”, sagt Koller. Doch genau diese Wohnungen brauche es dringend.
Weitere Informationen zur Wohnungslosenhilfe in Vorarlberg gibt es im Netz auf der Seite des Landes.
Kein Wunder also, dass sich Obdachlose bei den bitterkalten Nächten diese Woche in leere Häuser flüchten. Mit Straftaten fallen sie übrigens nicht häufig auf. “Die Anzahl der polizeilichen Interventionen im Zusammenhang mit Obdachlosen kann als gering bezeichnet werden”, heißt es von der Polizei. “Erfahrungsgemäß kann gesagt werden, dass es beim Personenkreis der Obdachlosen hin und wieder an Sammelpunkten größerer Menschenanzahl, beispielsweise an Bahnhöfen, zu Anzeigen wegen Körperverletzung oder gefährlicher Drohung kommen kann, wenn sie in alkoholisiertem Zustand zusammensitzen und untereinander in Streit geraten.” In den seltensten Fällen seien davon unbeteiligte Passanten betroffen. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.