Auf der Suche nach sicherem Zuhause: Vater sucht barrierefreie Wohnung für Sohn mit Downsyndrom

Levent Celem und sein Sohn Semih wünschen sich eine Wohnung mit weniger Gefahrenpotenzial.
Dornbirn Mit einem Grinsen begrüßt Semih einen an der Tür. Sein Vater, Levent Celem, hat die Hände an seinen Schultern abgelegt, für den Fall, dass der 7-Jährige losrennt. Semih hat Trisomie 21, auch bekannt als Downsyndrom. “Er kann gut und schlecht nicht unterscheiden. Man kann ihn nicht zwingen etwas zu machen, es ist anders als bei anderen Kindern”, sagt Celem. Seit Oktober kümmert sich der Dornbirner allein um den Jungen. “Seine Mutter und ich haben uns da getrennt. Sie hat normalerweise das Sorgerecht, aber er ist im Grunde 24 Stunden bei mir”, erklärt er. Entlastung bekommt Celem durch die Caritas und das Jupident.

Gemeinsam wohnt der Vater mit seinem Sohn in einem großen Mehrfamilienhaus im zweiten Stock. Das erschwert die Betreuung des kleinen Jungen. “Er ist umgänglich und lieb, aber er hat eben seine Phasen. Wenn er etwas will oder nicht will, lässt er dich das spüren”, sagt Celem. “Es ist schon oft vorgekommen, dass er die Treppe einfach nicht hochlaufen wollte. Er legt sich dann wirklich komplett mit dem Gesicht zu Boden nieder.” Der 46-Jährige muss Semih mehrmals bis in den zweiten Stock hochtragen. “Er wiegt 33 Kilogramm. Rauf und runter gehen ist täglich ein Kampf. Ich muss ihn oft hochtragen und das ist in meinem Zustand schwer”, sagt Celem.

Der Vorarlberger hat eine 40-prozentige Einschränkung, da er am fünften und sechsten Halswirbel eine Beschädigung hat. Zudem leidet er seit zwei Jahren unter starker Arthritis. Angesichts dessen ist er auf der Suche nach einer neuen Wohnung für sich und seinen Sohn. Aber auch wegen der Gefahrenlage. “Das Geländer im Haus ist gefährlich. Gestern hat er sich dort hingesetzt und die Füße unten durchgestreckt. Er könnte da herunterrutschen”, sagt Celem. “Es reicht, wenn ich mich kurz umdrehe, um die Wohnung abzusperren. Er hat seine Phasen, wo ihm eben so etwas einfällt.”

Auch die Fenster in der jetzigen Wohnung sind gefährlich. “Das Geländer am Balkon ist aus Glas, er schlägt oft dagegen.” Ein anderes Bodenfenster ist mit einem Metallgeländer gesichert. “Das bringt nichts. Ich muss immer schauen, dass es geschlossen ist, da sich Semih oft drüber lehnt und droht herunterzufallen. Er wird größer und wenn er darauf losrennt, habe ich wirklich Angst, dass es passiert”, schildert der Vater. “Es ist einfach nicht mehr machbar hier.”


Obwohl Levent Celem ein Schreiben vom ifs als auch vom Kinderarzt hat, dass es für den Jungen gefährlich ist, findet er keine neue Wohnung. “Ich bin mit den Dokumenten zum Amt gegangen. Dort hieß es nur, es gibt ein Punktesystem und ich müsse meine Daten einfach jedes Jahr aktualisieren.” Bei der Bürgermeisterin war der Vorarlberger ebenfalls. “Frau Kaufmann hat sich alles angeschaut und weitergeleitet. Ich war sehr dankbar, dass sie zugehört hat. Ihre Sekretärin hat sich gemeldet und gemeint, ich muss mich wieder mit dem Wohnungsamt in Verbindung setzen”, erklärt Celem. Als er sich dort erneut gemeldet habe, habe man ihn nur wieder auf die Aktualisierung der Daten aufgrund des Punktesystems hingewiesen. Zwischenzeitlich wurde ihnen eine Neubauwohnung im Erdgeschoss vorgeschlagen, die einen verglasten Garten hat. “Das geht nicht. Glas ist das Schlimmste, da kann er sich brutal verletzen.”

Die Suche wird ebenfalls dadurch erschwert, dass Celem momentan nicht arbeitet. “Ich war Paketfahrer. Aufgrund meiner Probleme mit der Wirbelsäule arbeite ich nicht mehr. Momentan bin ich beim AMS und warte, bis die Betreuungszeiten von Semih fix geregelt werden. Dann kann ich wieder halbwegs arbeiten oder eine Umschulung machen”, erklärt er. “Seitdem die Mutter weg ist, kann ich auch nicht Vollzeit arbeiten, weil ich mich um ihn kümmern muss.”

Levent Celem und sein Sohn wünschen sich eine ebenerdige Wohnung. “Ein Garten wäre für ihn schön, auch wenn es nur ein kleines Stück ist. Dann kann ich ihm im Sommer mehr Aktivitätsmöglichkeiten geben”, sagt er. Die Lage sollte nicht weit von Dornbirn sein, da Celem momentan nicht mobil ist. “Zwischen Dornbirn und Feldkirch wäre es toll, da wir in der Richtung Verwandte haben, die vielleicht einspringen könnten”, fügt er hinzu.
