„An Arbeit gezweifelt”: Hundeführer berichtet von Suchaktion nach dramatischem Lawinenabgang

Am Sonntag, 25. Dezember 2022, hielt ein Lawinenabgang die Region in Atem. Menschen wurden vermisst.
Darum geht’s:
- Vor einem Jahr ging eine Lawine am Trittkopf bei Zürs ab.
- Alle zehn vermeintlich Verschütteten überlebten das Unglück.
- Lawinenhundestaffel führte intensive Suche nach weiteren Verschütteten durch.
Zürs Es glich einem Weihnachtswunder: Vor einem Jahr, am Sonntag, 25. Dezember 2022, ging am Trittkopf bei Zürs eine Lawine ab. Sie bahnte sich ihren Weg knapp 600 Meter auf eine Skipiste und verschlang vermeintlich zehn Menschen. Ein mit dem Smartphone aufgenommenes Video eines anderen Skifahrers zeigt die dramatischen Bilder. Es wurde in den sozialen Medien tausendfach angeschaut. Die gute Nachricht: Alle überlebten das Beinahe-Unglück, nur ein Skifahrer verletzte sich schwer. Bertram Klehenz von der Lawinenhundestaffel erlebte die Stunden danach in der Region hautnah mit und erinnert sich an den nervenaufreibenden Tag zurück.

Ausbildungsleiter der Such- und Lawinenhundestaffel
Der Ausbildungsleiter der Such- und Lawinenhundestaffel Bertram Klehenz (50) aus St. Gallenkirch wurde gerufen, als sich das Ereignis zu einem größeren Einsatz entwickelte. „Es war noch wenig Schnee, mit so einem Großereignis hat niemand gerechnet”, erzählt er. Für die Lawinenhundestaffel stand ein normaler Weihnachtstag an. Sprich: Ein Hundeführer war fix am Hubschrauberlandeplatz in Einsatzbereitschaft. „Das ist ab Lawinenwarnstufe 3 so, also etwa 50 Prozent der Zeit”, sagt Klehenz.


Lawinenhundeführerin war an dem Tag Magdalena Rauter. Am Nachmittag gab es eine Alarmierung. „Lawine auf Piste, aber von Verschütteten war zunächst nicht die Rede”, berichtet der 50-Jährige. Alles habe zunächst nach einem kleineren Ereignis ausgesehen, wie es ab und zu vorkomme.
Doch der Schein trügte. Das besagte Video zeigt, dass weitere Menschen in Gefahr sein könnten. Also begann die aufwendige Suche. Weitere Hubschrauber wurden gerufen und rund 20 Hundeführer rückten aus. Ein Teilverschütteter war da schon geborgen worden.
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Klehenz spricht von einem der größten Lawineneinsätze, die er in 27 Jahren als Hundeführer miterlebt hat. „Viele Dinge laufen parallel.” Während sich also die Polizei um die Erhebungstätigkeit kümmerte und versuchte, herauszufinden, ob Skifahrer vermisst werden, suchten Klehenz und Co. mit ihren Tieren den Lawinenkegel ab. Zunächst durchkämmten die Einsatzkräfte mit Geräten und Hunden das Gebiet, danach sondierten sie den Bereich. Ein enormer Personalaufwand.

An Arbeit gezweifelt
Die Suche dauerte bis in die Dunkelheit, denn die Erhebungen hatten keine Klarheit geschaffen. Klehenz betont, wie essenziell wichtig es sei, dass Betroffene sich anschließend bei den Liftbetreibern oder der Bergrettung melden. „Das würde viele Einsätze vereinfachen.” Gleiches gilt bei Lawinenabgängen im freien Skigelände.
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Als schließlich die Meldung kam, dass niemand mehr vermisst werde, herrschte bei den Rettern jedenfalls große Erleichterung. Klehenz hatte schon an seiner Arbeit gezweifelt, als sie mit den Hunden gesucht und niemanden gefunden hatten. In der Schneeschicht verbarg sich aber schlicht kein Mensch mehr. Dafür fanden die Hunde zwei Skier. Im Vergleich zum Menschen geben die freilich das deutlich schwierigere Ziel ab.
Mit seinem Belgischen Schäferhund Benny ist Klehenz seit fünf Jahren ein Team. Er ist sein dritter Hund. In der Hundestaffel hat nämlich jeder seinen eigenen Hund, mit dem er auch regelmäßig übt und trainiert. Am Anfang des Winters gibt es eine große Übung. Jeder Hund muss zwei Menschen und Gegenstände, die im Schnee vergraben sind, finden. Erst dann startet die Saison. Im Jänner steht der große Winterkurs an. Die Lawinenhundestaffel macht sich bereit, um im Zweifelsfall zu helfen.