Eine Welt aus Farben und Emotionen

Menschen / 08.12.2023 • 16:15 Uhr
Elisabeth Suter arbeitet an einem ihrer Auftragskunstwerke. <span class="copyright"><span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">HRJ</span> (5)</span>
Elisabeth Suter arbeitet an einem ihrer Auftragskunstwerke. HRJ (5)

Wie sich Elisabeth Suter aus einem Burnout befreit hat und wieder Freude am Leben fand.

Der trübe, kalte Tag bleibt draußen. Hier drinnen im Atelier ist es gemütlich. Elisabeth Suter legt Pinsel und Farbpalette weg – die Malerin ist mit einem Auftragskunstwerk beschäftigt – und lässt sich auf das weiße Sofa nieder. „Hier in diesem Raum lebe ich meine Freiheit, meine Gefühle, meine Kunst aus“, sagt sie. Hier entstehen ihre Werke. Sie malt Landschaften, Porträts, Akt, Abstraktes mit Acryl, Kohle, Bleistift und Kreide.

Die Welt der Künstlerin besteht aus Farben und Emotionen.
Die Welt der Künstlerin besteht aus Farben und Emotionen.

„Jedes neu geschaffene Bild ist ein Teil von mir“, betont die Künstlerin. „Meine Welt besteht aus Farben und Emotionen.“ Ihre Welt ist jedoch nicht immer farbig gewesen. Die Phase, in der sie an einem Burnout litt, war so düster, dass sie nicht einmal mehr malen konnte. „Es war eine sehr schwierige Zeit“, erinnert sich Elisabeth, die nun Einblick in Momente ihres Lebens gibt.
Sie wird am 11. Jänner 1967, einem Mittwoch, als Elisabeth Miesel in eine Gastronomenfamilie hineingeboren. Mit zwei Schwestern und drei Brüdern wächst sie in von den Eltern betriebenen Gaststätten in mehreren Orten Vorarlbergs auf. Elisabeth erinnert sich an eine „spezielle Kindheit mit vielen Freiheiten“. Dennoch habe sie sich geschworen, nie in der Gastronomie zu arbeiten.

Weil das neue Atelier klein ist, hält die Künstlerin ihre Malkurse mit nur noch einer oder zwei Personen ab.
Weil das neue Atelier klein ist, hält die Künstlerin ihre Malkurse mit nur noch einer oder zwei Personen ab.

Sie lässt sich zur Einzelhandelskauffrau ausbilden und setzt danach ihre berufliche Laufbahn als Raumgestalterin in Möbelhäusern fort. 27-jährig entscheidet sie sich für das Studium Kunst und Werbedesign an der Kunstschule Zürich. Nach Abschluss eröffnet sie ihr erstes Atelier in Dornbirn, verlegt es dann nach Hohenems und bezieht im November letzten Jahres dieses Atelier an der Hauptstraße in Götzis. Das neue ist zwar viel kleiner als die zwei anderen Ateliers, dennoch bringt Elisabeth auch hier ihren Kursteilnehmern die Grundlagen des Zeichnens und Malens bei. Allerdings hält sie ihre Kreativlehrgänge und Workshops nur noch mit einer oder zwei Personen ab.

„Hier in diesem Raum lebe ich meine ­Freiheit, meine Gefühle, meine Kunst aus.“

Elisabeth Suter, Künstlerin

Zwischenzeitlich hat Elisabeth geheiratet, den Familiennamen Suter angenommen und ist Mutter von zwei Kindern geworden. Sohn Mike ist 1993 zur Welt gekommen, Tochter Celine vier Jahre später. Elisabeth ist auch schon Großmutter: „Mein Enkel Jason wird zwei.“ Da ist auch noch Bernhard. Der quietschfidele Malteser-Havaneser-Mischlingsrüde ist seit neun Jahren ihr treuer Begleiter. Und, mittlerweile geschieden von ihrem Mann, hat sie sich vor Kurzem wieder auf eine Partnerschaft eingelassen.

Geld, Macht, Gier: Die Künstlerin verarbeitet auch gesellschaftspolitische Themen mit Pinsel und Farbe.
Geld, Macht, Gier: Die Künstlerin verarbeitet auch gesellschaftspolitische Themen mit Pinsel und Farbe.

Ausgebrannt

Es ist zehn Jahre her, als das Burnout anschleicht und schließlich von ihr Besitz ergreift. Ursache ist eine finanzielle Notsituation, die unter anderem den Verlust des Hauses der Familie zur Folge hat. „Zudem hatten wir nicht einmal genug Geld, um Lebensmittel zu kaufen“, erzählt Elisabeth sichtlich bewegt. Ihr Alltag ist bestimmt von Angstzuständen und Panikattacken. „Ich hatte Herzrasen und Atemnot, konnte nicht mehr essen, oft gar nicht mehr aufstehen“, beschreibt sie ihren damaligen Zustand. „Ich war zugedröhnt mit Medikamenten. Geholfen haben sie nicht.“

Vom weißen Sofa aus gewährt Elisabeth Suter Einblick in Momente ihres Lebens.
Vom weißen Sofa aus gewährt Elisabeth Suter Einblick in Momente ihres Lebens.

Aus dem Burnout rausgeholfen habe ihr die Familie – „dafür bin ich immer dankbar“ – und selbst ergriffene Maßnahmen: Spezielles Entspannungstraining, ambulante Reha beim AKS, viel lesen, vor allem wieder malen. „Es hat mehrere Jahre gedauert, aber jetzt geht es mir wieder gut“, sagt die Künstlerin.
Ein anderes trauriges Ereignis hat sie stark geprägt: Der Tod ihres zweitältesten Bruders Hansi. Er kam im Alter von 19 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. „Nach der Lehrabschlussprüfungsfeier fuhr Hansi mit drei Kollegen im Auto mit. Er schlief auf dem Rücksitz, als das Fahrzeug von einer Brücke in die Tiefe stürzte“, schildert sie den Unfallhergang. „Hansi starb am Unfallort. Die drei Kollegen wurden leicht verletzt.“ Elisabeth spürt sie immer noch, die Trauer um ihn.

Zu den schönsten Ereignissen in ihrem Leben zählen die Geburten ihrer Kinder: „Ich bin stolz auf sie. Beide haben das Herz am rechten Fleck.“

Das Burnout hat Elisabeth Suter überstanden. Jetzt geht es ihr wieder gut.
Das Burnout hat Elisabeth Suter überstanden. Jetzt geht es ihr wieder gut.

Zwei Bücher

Was ist eigentlich aus dem Sachbuch mit dem Arbeitstitel „Zeichnen Schritt für Schritt“ geworden, von dem sie vor ein paar Jahren einmal gesprochen hat? „Ich habe es fertiggeschrieben“, lässt sie wissen. „Sobald Texte und Bilder zusammengefügt sind, geht das Material an einen Verlag.“ Übrigens sei sie jetzt auch an einem Kinderbuch dran – ein ganz Einfaches für ab Dreijährige. „Es handelt von einem kleinen Jungen, der im Wald Tieren aus schwierigen Situationen hilft. Dadurch entstehen Freundschaften“, erklärt sie. Fragt man Elisabeth Suter nach einem Wunsch, braucht sie nicht zu überlegen: „Ich möchte von der Malerei leben können, bis ich ins Grab hüpfe.“