Charles III.: Ein König mit Papierkrone

Menschen / 12.11.2023 • 07:00 Uhr
Obwohl er am 14. November bereits seinen 75. Geburtstag feiert, ist er noch immer ein Neuling auf dem Thron. <span class="copyright">ap</span>
Obwohl er am 14. November bereits seinen 75. Geburtstag feiert, ist er noch immer ein Neuling auf dem Thron. ap

Einst wurde er als ewiger Thronfolger verspottet. Seit etwas mehr als einem Jahr ist Charles der britische König.

London Charles III. mit der prachtvollen Imperial State Crown auf dem Kopf: Der Anblick war noch immer etwas ungewohnt, als der britische Monarch kürzlich erstmals mit einer „King’s Speech“ das Parlament in London eröffnete. Obwohl er am 14. November bereits seinen 75. Geburtstag feiert, ist er noch immer ein Neuling auf dem Thron. Als seine Mutter Queen Elizabeth II. im Jahr 2001 ihren 75. beging, war sie immerhin schon fast ein halbes Jahrhundert Königin.

Der Anblick war noch immer etwas ungewohnt, als der britische Monarch kürzlich erstmals mit einer „King's Speech“ das Parlament in London eröffnete. <span class="copyright">Reuters </span>
Der Anblick war noch immer etwas ungewohnt, als der britische Monarch kürzlich erstmals mit einer „King's Speech“ das Parlament in London eröffnete. Reuters

Doch das vergangene Jahr ist nicht ereignislos vergangen. Drei Staatsbesuche, die Geburtstagsparade Trooping the Colour und unzählige Empfänge haben Charles und seine Frau Königin Camilla (76) inzwischen hinter sich gebracht. Wichtiger noch: Mehr als ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter und sechs Monate nach seiner Krönung ist etwas Ruhe eingekehrt im Hause Windsor.

Drei Staatsbesuche, die Geburtstagsparade Trooping the Colour und unzählige Empfänge haben Charles und seine Frau Königin Camilla (76) inzwischen hinter sich gebracht. <span class="copyright">apa</span>
Drei Staatsbesuche, die Geburtstagsparade Trooping the Colour und unzählige Empfänge haben Charles und seine Frau Königin Camilla (76) inzwischen hinter sich gebracht. apa

Bei seinem Geburtstag im vergangenen Jahr stand die Veröffentlichung der sechsteiligen Netflix-Dokumentation „Harry & Meghan“ und der Autobiografie seines Sohnes Harry (39) „Spare“ (auf Deutsch: „Reserve”) unmittelbar bevor. Beide waren gespickt mit unangenehmen Indiskretionen und Vorwürfen, die das Königshaus in einen Strudel der Negativschlagzeilen zogen. Unter anderem schwang der Vorwurf mit, Harrys Frau Meghan (42) sei im Kreis der Königsfamilie Opfer von Vorurteilen wegen ihrer teilweise afroamerikanischen Wurzeln geworden. Harry erhob zudem schwere Anschuldigungen gegen seine Stiefmutter Queen Camilla (76) und seinen Bruder Prinz William (41).

Charles III. bei seinem Staatsbesuch in Frankreich. <span class="copyright">ap</span>
Charles III. bei seinem Staatsbesuch in Frankreich. ap

Doch nach und nach ebbte die Aufregung ab. Bei seiner Geburtstagsfeier, die der König im Kleinen begehen wollte, werde Sorgenkind Harry aber wohl nicht dabei sein, spekulierten britische Medien. Obwohl die Wellen längst nicht mehr so hochschlagen wie noch vor einem Jahr, sei eine Aussöhnung noch nicht in Reichweite, zitierte die „Sunday Times“ einen Palast-Insider.

Charles’ Staatsbesuch in Deutschland im März hingegen wurde zu einem vollen Erfolg. Ähnlich war es in Frankreich im Spätsommer. In beiden Ländern sprach Charles in der Landesprache vor den Parlamenten, beschwor Freundschaft und enge Verbundenheit: Es war Balsam für die vom Brexit geschundene Seele der europäischen Verbündeten Großbritanniens.

Charles Staatsbesuch in Deutschland im März wurde zu einem vollen Erfolg. <span class="copyright">ap</span>
Charles Staatsbesuch in Deutschland im März wurde zu einem vollen Erfolg. ap

Etwas schwieriger war kürzlich die Reise in die frühere Kolonie Kenia. Der König wurde bereits vor der Reise mit Forderungen nach einer Entschuldigung und Reparationen für das erlittene Unrecht aus der Zeit des Empires konfrontiert. Beim Staatsbankett in Nairobi sprach er von „furchtbaren, nicht zu rechtfertigenden Gewalttaten gegen Kenianer“. Zu einer ausdrücklichen Entschuldigung kam es nicht. Doch das lag nicht in Charles Händen. Er reist stets im Auftrag der britischen Regierung, von der er sich jedes Wort seiner Reden absegnen lassen muss. Entsprechend gab es in Kenia enttäuschte Stimmen.

Etwas schwieriger war kürzlich die Reise in die frühere Kolonie Kenia.                                     (Reuters)
Etwas schwieriger war kürzlich die Reise in die frühere Kolonie Kenia. (Reuters)

Dass Charles zwar Staatsoberhaupt in Großbritannien ist, aber längst nicht immer Herr des eigenen Handelns, wurde im vergangenen Jahr auch deutlich, als ihm die Regierung in London die Teilnahme an der Weltklimakonferenz versagte. Die damalige konservative Premierministerin Liz Truss befürwortete die Ausbeutung neuer Öl- und Gasfelder in der Nordsee und wollte das Fracking-Verbot aufheben. Ein König, der zum Klimaschutz aufrief, passte ihr nicht ins Bild.

Für den bekennenden Klimaaktivisten Charles war das eine Demütigung. Doch Truss ist längst wieder Geschichte und es ist bereits klar, dass er bei der diesjährigen Weltklimakonferenz COP 28 in Dubai dabei sein wird. Die „einzigartige Fähigkeit“ des Königs, Menschen zusammenzubringen, habe sich als mächtiges Instrument erwiesen, um Lösungen zu finden und Menschen zu inspirieren, hieß es dazu in einer Mitteilung des Palasts.

Charles III. und der aktuelle Premierminister Rishi Sunak. <span class="copyright">ap</span>
Charles III. und der aktuelle Premierminister Rishi Sunak. ap

Bei der Weltklimakonferenz wird er nun zwar wieder sprechen dürfen, doch dass der aktuelle Premierminister Rishi Sunak Etappenziele für das Erreichen der Klimaneutralität wieder einkassiert hat, wird er weder thematisieren und schon gar nicht ändern können.

Auch deshalb sieht der Journalist und Royal-Experte Alexander von Schönburg in Charles gewissermaßen eine tragische Figur. Bei der Rede in Kenia habe man „noch mal deutlich gemerkt, wie sehr ihm die Hände gebunden sind, eine große Geste in irgendeine Richtung zu machen, weil er das einfach nicht darf“, sagt von Schönburg, der in diesem Jahr ein Buch mit dem Titel „Was bleibt, was wird – die Queen und ihr Erbe“ veröffentlichte, im dpa-Gespräch. Der feinfühlige König habe sicherlich großes Mitgefühl für die Opfer des kolonialen Unrechts und wolle womöglich weitergehen, als ihm die Staatsräson erlaube, glaubt der Adlige, der Charles auch aus persönlichen Begegnungen kennt. Ähnlich sei es beim Thema Klimawandel.

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Von Schönburg kommt dabei das Bild eines Hospizbesuchs von Charles vor einigen Wochen in den Sinn, bei dem der König von einem kleinen Mädchen eine selbstgebastelte Papierkrone überreicht bekam und resümiert: „Er ist eigentlich ein König mit einer Papierkrone auf.“

König Charles III. – Sein Leben in Zahlen

14. November 1948: Charles wird um 21.14 Uhr als ältester Sohn der späteren Königin Elizabeth II. und Prinz Philips in London geboren.

6. Februar 1952: Mit der Thronbesteigung seiner Mutter wird Charles Thronfolger – und erhält unter anderem den Titel Herzog von Cornwall.

1956-1967: Der Prinz geht in Schulen in London und in der Grafschaft Berkshire. Von April 1962 an besucht er das Elite-Internat im schottischen Gordonstoun, in dem schon sein Vater war. Zwischenzeitlich ist er als Austauschschüler in Australien.

1967-1970: An der Universität in Cambridge studiert er Geschichte, Archäologie und Anthropologie.

1. Juli 1969: Mit der sogenannten Investitur werden Charles feierlich die Insignien des Prinzen von Wales verliehen, obwohl er bereits seit dem Alter von neun Jahren den Titel trägt.

1971-1976: Der Prinz absolviert eine Offiziersausbildung bei Marine und Luftwaffe. Er qualifiziert sich zum Hubschrauberpiloten.

1976: Charles gründet den “Prince’s Trust” – eine Stiftung, um jungen Leuten aus Problembezirken bessere Bildungs- und Berufschancen zu ermöglichen.

29. Juli 1981: In einer pompösen Zeremonie heiratet Charles die knapp 13 Jahre jüngere Diana Spencer in der Londoner St.-Pauls-Kathedrale. Das Paar bekommt zwei Söhne: die Prinzen William (21. Juni 1982) und Harry (15. September 1984).

9. Dezember 1992: Der britische Premier John Major verkündet die offizielle Trennung von Charles und Diana vor dem Parlament.

28. August 1996: Die Ehe wird geschieden. Prinzessin Diana gehört weiterhin der Königsfamilie an, trägt aber nicht mehr den Titel “Königliche Hoheit”.

31. August 1997: Diana stirbt bei einem Autounfall in Paris. Bei dem Begräbnis wenige Tage später begleiten Charles, William und Harry den Sarg durch die Straßen Londons zur Westminster Abbey.

9. April 2005: Charles heiratet Camilla Parker Bowles auf dem Standesamt von Windsor. Sie wird Herzogin von Cornwall. Königin Elizabeth II. und Prinz Philip sind bei der Zeremonie nicht anwesend.

22. Juli 2013: Charles wird zum ersten Mal Großvater. Williams Frau, Herzogin Kate, bringt Prinz George zur Welt. Schwester Charlotte kommt am 2. Mai 2015 und Bruder Louis am 23. April 2018 zur Welt.

6. Mai 2019: Harry und dessen Frau Meghan bekommen einen Sohn: Archie. Tochter Lilibet wird am 4. Juni 2021 in den USA geboren.

19. Februar 2021: Harry und Meghan werden nicht mehr öffentlich im Namen der Monarchie auftreten. Sie hatten zuvor auf eigenen Wunsch die royalen Verpflichtungen abgelegt.

9. April 2021: Mit 99 Jahren stirbt Charles’ Vater, Prinz Philip.

8. September 2022: Königin Elizabeth II. stirbt im Alter von 96 Jahren. Charles wird mit ihrem Tod König.

10. September 2022: Charles III. wird in einem formalen Akt offiziell zum König ernannt und auf dem Palastbalkon ausgerufen.

6. Mai 2023: Charles III. wird in der Westminster Abbey gekrönt.