Frischer Wind für altes Handwerk

Menschen / 02.11.2023 • 16:30 Uhr
Wenn die Bregenzerwälderin Maß nimmt, dann sitzt das Kleidungsstück. <span class="copyright">VN/Paulitsch (alle)</span>
Wenn die Bregenzerwälderin Maß nimmt, dann sitzt das Kleidungsstück. VN/Paulitsch (alle)

Gabriele Ofner setzt mit ihrer Nähmaschine und „Glûfô Mode“ Akzente gegen achtlosen Textilkonsum.

Andelsbuch Wenn sich Gabriele Ofner (27) an ihre Nähmaschine setzt, dann sitzt wenig später alles nach Maß. Als nächstes werden es unter anderem ein rotes Ballkleid und schwarz-goldene Faschingskostüme sein, welche an einer Kleiderstange in ihrer Werkstatt in Andelsbuch hängen. Daneben ist eine Trachtenweste aus schwarzem mit Blumenmuster besticktem Samt im Entstehen. Das Schnittmuster dazu hat sie bereits auf dem Stoff platziert und mit Stecknadeln befestigt.

Unter anderem arbeitet Gabriele Ofner gerade an einer Trachtenweste.
Unter anderem arbeitet Gabriele Ofner gerade an einer Trachtenweste.

„Das Handwerkliche liegt einfach in der Familie“, sagt die Bregenzerwälderin. Sie wuchs mit drei Brüdern in Andelsbuch auf und vertiefte sich an der HTL Dornbirn in Mode und Produktionstechnik. Nach einem Ausflug in eine andere Branche arbeitete sie in den vergangenen vier Jahren in der Schweiz in einer Kleinkonfektion. Nun widmet sie sich als Maßschneiderin mit ihren jungen Händen einem uralten Handwerk und verdient damit ihre Brötchen.

Zur Person

Gabriele Ofner

Alter 27

Wohnort Hittisau

Ausbildung HTL Dornbirn (Mode und Produktionstechnik), Ausbildnerkurs

Beruf selbstständige Maßschneiderin (Glûfô Mode)

Hobbys Skifahren, Wandern, Reisen

Webseite https://glufomode.at/

„Das ist jetzt natürlich schon eine Umstellung. Davor hatte ich ein fixes Gehalt. Jetzt kommt es auf die Aufträge an“, erläutert sie den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit, bei der sie von ihren Eltern, ihrer Tante und ihrem Freund unterstützt wird.

Die 27-Jährige setzt mit der Nähmaschine starke Akzente.
Die 27-Jährige setzt mit der Nähmaschine starke Akzente.

Angetan hat es Gabriele Ofner unter anderem Trachtenmode. Vom Schnittpapier weg wendet die Frau mit den zusammengebundenen blonden Haaren und dem schwarzen Longpullover ihren Blick in Richtung einer Schneiderpuppe in der Ecke ihres Ateliers. „Dieses Stück stammt von meiner Uroma und dieses von meiner Tante.“ Bei ihren Erklärungen deutet sie auf Stecktuch und Band am Dekolleté einer Juppe.

Gabi Ofner ist Schneiderin („Glûfô Mode“) und näht auch Juppen.
Gabi Ofner ist Schneiderin („Glûfô Mode“) und näht auch Juppen.

Die kunstvoll bestickte Bregenzerwälder Frauentracht hat sie für sich persönlich gefertigt. Die Grundlagen und das Geschick dafür hat sie sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit und in einem Kurs angeeignet. „Eine Juppe zu nähen, ist schon etwas Besonderes“, sagt sie über das kostbare Kleidungsstück. Demnächst wird sie auch Kurse in der Juppenwerkstatt Riefensberg leiten.

Vor kurzem ist eine weitere Tracht entstanden.
Vor kurzem ist eine weitere Tracht entstanden.

Neben Juppen sind es vor allem Ballkleider aus feinen Stoffen und Dirndl, für welche Gabriele Ofner Maß nimmt und dann ihrer Kreativität freien Lauf lässt. „Auch meine eigenen Dirndl habe ich alle selbst genäht. Da kann man sich richtig austoben“, erklärt sie und lacht. Ebenso hat sie sich mit anderen Kleidungsstücken bereits ausprobiert und nimmt Änderungen vor. Weiters näht sie Mützen sowie Hand- und Badetaschen bei Auftragsflaute und bietet diese auf ihrer Website und auf Märkten feil.

Auch Mützen und Taschen hat sie im Angebot.
Auch Mützen und Taschen hat sie im Angebot.

„Die hier ist aus Markisenstoffresten“, erklärt die Schneiderin und deutet auf eine graue Badetasche. So ist es ihr ein Anliegen, Stoffreste genauso wie Kleidungsstücke vor der Mülltonne zu bewahren. „Wenn es niemanden mehr gäbe, der Kleidung ändern könnte, würde vieles weggeschmissen“, meint sie im Hinblick auf den Textilkonsum.

Auch auf Tour darf eine Mütze aus dem eigenen Atelier nicht fehlen. <span class="copyright">Privat</span>
Auch auf Tour darf eine Mütze aus dem eigenen Atelier nicht fehlen. Privat
Reisen zählt zu ihren liebsten Hobbys. <span class="copyright">Privat</span>
Reisen zählt zu ihren liebsten Hobbys. Privat

Ihr Ziel ist es nun, ihr Geschäft Schritt für Schritt aufzubauen und mit ihrer Marke Bewusstsein für die Bedeutung von Kleidungsstücken zu schaffen. Gewählt hat sie dafür den Namen „Glûfô Mode“, welcher im Zuge eines Brainstormings bei einem „Achtele“ entstanden sei. „Es sollte etwas sein, dass auch zum Bregenzerwald passt.“ Und das Dialektwort „Glûfô“ bedeutet auf Hochdeutsch Sicherheitsnadel. Das dazu passende Logo hat eine Freundin entworfen.

Gerne begibt sich die 27-Jährige auch auf Wanderungen in die Berge. <span class="copyright">Privat</span>
Gerne begibt sich die 27-Jährige auch auf Wanderungen in die Berge. Privat

Mit ihren Freunden tauscht sie sich aber natürlich nicht nur in Sachen Mode aus, sondern geht auch gerne mit ihnen auf Reisen. „Wenn halt mal Zeit dafür bleibt“, ergänzt die Jungunternehmerin. Neben Reisen zählen ebenso Skifahren, Wandern oder Gartenarbeit zu den Hobbys der Naturliebhaberin. „Und natürlich Nähen.“

Im Winter geht es mit den Schneeschuhen auch mal auf die Niedere.
Im Winter geht es mit den Schneeschuhen auch mal auf die Niedere.