“Ich brauchte einen Rückzugsort”

Menschen / 31.08.2023 • 21:39 Uhr
Linda Zervakis hat ihre Erfahrungen auf dem Land in einem Buch verarbeitet. Elissavet Patrikiou
Linda Zervakis hat ihre Erfahrungen auf dem Land in einem Buch verarbeitet. Elissavet Patrikiou

Linda Zervakis über ihre Erfahrungen mit dem Landleben, die sie einem Buch verarbeitet hat.

Hamburg Sie hatte genug von Lärm und Hektik in der Stadt und suchte Erholung auf dem Land: Linda Zervakis. Also kaufte die TV-Moderatorin einen alten Bauernhof in einem schleswig-holsteinischen Dorf an der Ostsee und zog vor drei Jahren mit ihrer Familie dorthin. Schon nach einem halben Jahr hatte die 48-Jährige aber die Nase voll von der Landluft und zog wieder zurück nach Hamburg. Ihre durchwachsenen Erfahrungen mit dem Landleben hat Linda Zervakis auf amüsante Art in ihrem neuen Buch „Landgang“ verarbeitet.

 

Sie leben seit Ihrer Geburt in Hamburg. Warum haben Sie ein altes Bauernhaus auf dem Land gekauft?

Zervakis Ich habe das Gefühl gehabt, dass ich in der Stadt eine Überdosis von allem kriege, und brauchte einen Rückzugsort von dem ganzen Lärm und Getriebe. Ich wollte Ruhe, und die habe ich auf dem Land auch gefunden.

 

Was hat Sie überrascht am Landleben?

Zervakis Zu merken, dass man mit der Einfachheit auch klarkommt. Man braucht kein Chichi und muss sich nicht großartig stylen, um vor die Tür zu gehen. Außerdem gibt es immer was zu tun und man ist viel mehr auf die Hilfe der Nachbarschaft angewiesen als in der Stadt. Es gilt das Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“, und dadurch entsteht auch ein Wir-Gefühl, das auch was Schönes ist.

 

Wie lief‘s mit dem Gemüseanbau auf dem Land?

Zervakis Die Tomaten habe ich toll hingekriegt, die selbstgezogenen schmecken ja viel intensiver als die aus dem Supermarkt. Mit Zucchini habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, mit Radieschen allerdings weniger. Die kamen bei mir nicht schön rund aus der Erde, sondern sahen länglich aus, wie ganz kleine Karotten. Da haben die Schnecken und andere Schädlinge ganze Arbeit geleistet.    

 

Was hat Sie außer den Schnecken sonst noch genervt am Land?

Zervakis Die fehlende Infrastruktur, ohne Auto ist man da komplett aufgeschmissen, weil da der nächste Supermarkt zehn Kilometer weg ist. Schwierig ist auch das begrenzte Angebot an Ärzten.

War das der Grund, warum Sie das Landexperiment nach einem guten halben Jahr abgebrochen haben?

Zervakis Zum Teil ja, zum Teil aber auch, weil ich die Stadt eben doch zum Leben brauche. Ich habe bei mir in Hamburg an jeder Ecke Cafés. Außerdem wollte ich meine Mutter nicht alleine lassen, die ja auch nicht jünger wird. Sie ist zwar noch fit, wird aber auch pflegebedürftiger.   

 

Das Landleben ist passé, kommt für Sie vielleicht mal eine andere Stadt als Hamburg infrage?

Zervakis Berlin nicht, aber vielleicht München, das mich in vielem an Hamburg erinnert. Außerdem gibt es natürlich noch den Traum von einer kleinen Pension in Griechenland, die ich im Alter betreiben könnte. Das würde mich reizen.

 

Und was ist aus Ihrem renovierungsbedürftigen Bauernhaus geworden?

Zervakis Das besitzen wir immer noch und dem geht es nach viel Arbeit und Investitionen auch ganz gut. Ein, zwei Mal im Monat fahre ich mit meiner Familie hin. maw