Ritter in besonderer Mission

Frederick Lins ist neuer Komtur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.
Feldkirch Ihre Rüstung ist ein Mantel, ihr Schwert die Nächstenliebe. Weltweit zählt der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, einer von nur drei päpstlich anerkannten Laienorden, rund 30.000 Mitglieder. Österreich umfasst zwölf Komtureien, wie die Verwaltungsbezirke genannt werden. Eine Komturei befindet sich in Bregenz. Acht Jahre stand Guntram Drexel (67) dem Ritterorden in Vorarlberg vor. Nun übergab er das Amt an Frederick Lins (43). Der Jurist und Verlagsleiter steht 31 Ordensgeschwistern vor, zu denen inzwischen auch Frauen gehören. Alle sind ehrenamtlich tätig. Als besondere Aufgabe hat sich die Gemeinschaft die Unterstützung der Christen im Heiligen Land auf die Fahnen geheftet. Sie tut das in vielfältiger Weise, aber nicht laut. „Es ist eine der schönsten Aufgaben, die es gibt“, fasst Guntram Drexel seine zu Ende gegangene Funktionsperiode zusammen.
Stimmige Inhalte
Im Haupterwerb führt Frederick Lins ein gemeinnütziges Unternehmen, das innovative Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Umwelt entwickelt und fördert. Beim Ritterorden ist er seit 2015. „Ein Mitbruder hat mich gefragt, ob ich mir die Gemeinschaft nicht einmal anschauen möchte“, erzählt Lins. Er wollte und blieb, weil die Inhalte auch für ihn stimmig waren. Eine Aufnahme erfolgt allerdings generell nicht von heute auf morgen. Zuerst erhält das potenzielle Mitglied einen Gaststatus, denn über eine Aufnahme in ihre Reihen entscheiden auch die Mitglieder. „Beide Seiten müssen zufrieden sein“, erklärt der neue Komtur. Nach einem Jahr bekam er schließlich den weißen Mantel mit dem fünffachen Jerusalemkreuz, dem Zeichen der Ordensgemeinschaft, umgehängt. Acht Jahre später wurde der Feldkircher zum leitenden Komtur bestellt. Obwohl er vom Leitbild des Ritterordens überzeugt war, habe er länger überlegt, ob er das Amt annehmen soll. Die breite Unterstützung der Ordensgeschwister überzeugte ihn, und auch Rom genehmigte seine Bestellung.
Die Beschäftigung mit Fragen des Glaubens und der Spiritualität motivieren Frederick Lins ebenso wie die Möglichkeit, der christlichen Minderheit im Heiligen Land helfen zu können. „Wir bekennen uns zum christlichen Glauben und wollen dafür Zeugnis ablegen, in Österreich und weltweit“, betont Lins. Dafür sind die Ritter in besonderer Mission unterwegs. Sie unterstützen Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Pflegeheime und kirchliche Einrichtungen in Palästina, Jordanien, Syrien und Israel und machen auf diese Weise das Zusammenleben abseits politischen Grenzziehungen erfahrbar.
Begehrtes Olivenöl
Die Hauptinitiative der Komturei Bregenz besteht im Verkauf von Olivenöl und Olivenprodukten aus Taybeh, der einzigen christlichen Gemeinde in Palästina. „Damit werden die Menschen dort für das, was sie tun, entsprechend entlohnt und erhalten zudem die gebührende Wertschätzung für ihre Arbeit“, sagt Frederick Lins. In den vergangenen Jahren konnte der Absatz des hochwertigen Olivenöls durch den Ritterorden vom Heiligen Grab in Vorarlberg enorm gesteigert werden. Rund 2900 Flaschen kamen unter die Leute. Der Verkauf erfolgte hauptsächlich auf Weihnachtsmärkten, bis die Coronapandemie dem ein Ende setzte. Dennoch fand das begehrte Olivenöl den Weg zu seinen Liebhabern. Die Ritter nahmen den Vertrieb einfach selbst in die Hand. Regelmäßig stehen auch Pilgerreisen ins Heilige Land auf dem Programm. „Es sind Erlebnisse, die uns immer wieder aufs Neue darin bestärken, dass das Geld in unseren Projekten gut angelegt ist“, bekräftigt Frederick Lins. VN-MM
„Die Pilgerreisen bestärken uns immer wieder darin, dass das Geld in unseren Projekten gut angelegt ist.“



Guntram Drexel, Jürgen Reiner und Frederick Lins (v.l.) beim feierlichen Einzug in die Grabeskirche.
Zur Person
MMag. Frederick Lins
Geboren 29. Jänner 1980
Ausbildung Mag.iur. in Rechtswissenschaften und Mag.iur.rer.oec. in Wirtschaftsrecht, Universität Innsbruck, Master in Kanonischem Recht, Universität Wien
Laufbahn Eigentümer und Geschäftsführer Lins-Verlag, Geschäftsführer Weitblick GmbH
Familienstand verlobt
Hobbys Lesen, Laufsport, klassische Musik, geselliges Beisammensein