Der Mann, der mit der Kälte kann

Menschen / 02.01.2023 • 08:00 Uhr
Der Mann, der mit der Kälte kann
Erich Hohenauer ist Experte in Sachen Kältetherapien. Alle Hohenauer

Erich Hohenauer forscht, wie frostige Temperaturen auf den Körper wirken.

Feldkirch Immer wenn es kalt wird, ist Erich Hohenauer ein gefragter Mann. Der gebürtige Walgauer kennt sich als Kältetherapie-Experte mit eisigen Temperaturen und deren Auswirkungen auf den Körper nämlich bestens aus. Geht er dieser Sache doch schon seit über zehn Jahren auf den Grund.

Der gebürtige Walgauer geht der Auswirkung von Kälte in einem Labor für Rehabilitation und Sport- und Bewegungswissenschaften in Graubünden auf den Grund.
Der gebürtige Walgauer geht der Auswirkung von Kälte in einem Labor für Rehabilitation und Sport- und Bewegungswissenschaften in Graubünden auf den Grund.
Auch die Effekte auf das Immunsystem werden untersucht.
Auch die Effekte auf das Immunsystem werden untersucht.

„Zu dem Thema gibt es viele populistische Aussagen“, sagt der Forscher im Hinblick auf den Frier-Abnehm-Hype oder Immunsystem-Boosterung, „es ist wichtig, mit den Mythen und Dogmen aufzuräumen. Die Wirkung von Kälte sollte weder überschätzt, noch das Risiko unterschätzt werden.“ Dies gilt vor allem auch für den Trend Eisbaden. Ein Check beim Arzt sei vorher auf jeden Fall zu empfehlen.

Die Forschungsergebnisse präsentiert der 39-Jährige regelmäßig bei internationalen Kongressen.
Die Forschungsergebnisse präsentiert der 39-Jährige regelmäßig bei internationalen Kongressen.

Hohenauer hat seine berufliche Laufbahn als Physiotherapeut begonnen. Bald schon zog es ihn allerdings in die Forschung und nach Brüssel sowie ins benachbarte Graubünden und an die Fachhochschule Südschweiz, wohin er von Feldkirch aus pendelt.

Wissenschaft als Leidenschaft

Inzwischen kann der 39-Jährige einen Doktor in Rehabilitationswissenschaften und Physiotherapie vorweisen. In seinem zweiten Forschungsgebiet, dem sogenannten Hypoxie- beziehungsweise simulierten Höhentraining, steht für ihn bald die Habilitation und damit die höchstrangige Hochschulprüfung an.

In seiner Freizeit ist der Kälteforscher oft in den Bergen anzutreffen. Skifahren und Telemarken zählen zu seinen Hobbys.
In seiner Freizeit ist der Kälteforscher oft in den Bergen anzutreffen. Skifahren und Telemarken zählen zu seinen Hobbys.

Im Zuge seiner Kälteforschungen möchte Hohenauer herausfinden, wie Rehabilitation und Leistungsfähigkeit verbessert werden können. Dabei geht es etwa darum, Muskeln zu regenerieren oder Schmerzen und Entzündungsbeschwerden zu lindern.

Der Oberländer beschäftigt sich im Zuge seiner Arbeit auch mit Kältekammern und hat sich selbst schon für Studienzwecke bei Minus 190 Grad Celsius „schockfrosten“ lassen. „Das ist nicht so dramatisch“, sagt er und lacht, „es ist viel angenehmer wie kaltes Wasser.“

Zum Thema Kälte gibt es viele populistische Aussagen. Es ist daher wichtig, mit Mythen und Dogmen aufzuräumen.

Erich Hohenauer, Kälteforscher

Er liebe die Kälte, sagt Hohenauer. Für den Körper sei es auch wichtig, aus der Komfortzone herauszukommen. Egal, ob heiß oder kalt. „Der Körper braucht schon Herausforderungen, damit er in Schwung bleibt und man darf ruhig auch mal frösteln.“

Der Kälteforscher mag auch den Sommer.
Der Kälteforscher mag auch den Sommer.

Auch in seiner Freizeit zieht es Hohenauer in kältere Gefilde. Gerne geht er beispielsweise Skifahren oder Telemarken. „Ich mag aber genauso auch den Sommer“, fügt er hinzu. In der wärmeren Jahreszeit setzt er sich gerne mal auf sein Motorrad oder schnürt seine Wanderschuhe.

Große Studie geplant

Was seine Forschungen betrifft, so steht für Hohenauer und seine Kollegen nächstes Jahr eine großangelegte Studie auf dem Programm. „Es geht darum, herauszufinden, warum manche Menschen besser auf Kältetraining ansprechen, und den Unterschied der Auswirkungen auf Frauen und Männern zu erforschen“, erklärt der Experte. Faktoren wie Körperkonstitution, Alter, Hormone und Muskelmasse werden dabei unter die Lupe genommen. „Ein Leben ohne Wissenschaft ist möglich, aber sinnlos“, sagt der 39-Jährige über seine Profession und schmunzelt.

Zur Person

Erich Hohenauer

Alter 39

Wohnort Feldkirch

Familie verheiratet, zwei Söhne (vier und sechs Jahre)

Ausbildung Physiotherapie-Studium, Doktorat Rehabilitationswissenschaften und Physiotherapie

Beruf Wissenschafter, stellvertretender Forschungsleiter des RESlab an der Fachhochschule Südschweiz

Hobbys Skifahren, Telemarken, Motorradfahren, Wandern, Lesen

Lebensmotto Carpe diem