Engagement für kranke Menschen

Cemanur Kartal ist die linke und die rechte Hand der Obfrau von Geben für Leben.
HARD, HOHENEMS Als Cemanur Kartal zum ersten Mal ihr Blut für eine Stammzellspende typisieren ließ, ahnte sie nicht, dass sie selber einmal Typisierungsaktionen organisieren wird.
2012 war das. Sie hatte es sich gerade mit ihrer sechs Monate alten Tochter Beste daheim auf dem Sofa bequem gemacht, als sie vom Schicksal des sechsjährigen türkischen Mädchens Ilayda erfuhr, das an Leukämie litt und dringend eine lebensrettende Stammzellspende benötigte. Sie beschloss, gemeinsam mit Freunden, sich typisieren zu lassen. Die Freunde schlugen vor, dazu zur Stefan-Morsch-Stiftung nach Deutschland zu fahren. Cemanur hingegen forschte nach, ob solche Bluttypisierungen auch hier im Land durchgeführt werden: „Dabei kam ich in Kontakt mit Susanne Marosch. Sie lud uns zur nächsten Typisierungsaktion ein.“ Susanne Marosch ist die Obfrau des in Hard ansässigen Vereins Geben für Leben, der lebensrettende Stammzellspender für Menschen mit Leukämie und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen findet, und sie ist Russpreisträgerin.
Eigene Aktion
Begeistert von den zahlreichen engagierten Menschen, wollte Cemanur eine eigene Typisierungsaktion für Ilayda auf die Beine stellen. Susanne Marosch schlug ihr vor, die von Geben für Leben jedes Jahr durchgeführte Wochenendaktion im Messepark als Plattform zu nutzen. Das tat Cemanur. Mit großem Erfolg: „Mehr als 2000 Menschen sind gekommen, um Ilayda zu helfen.“
Kurz darauf organisierte die engagierte junge Frau eine weitere Typisierungsaktion – dieses Mal in Wien. „Ich habe drei Jahre in Wien gelebt, daher kannte ich dort viele Leute, die ich mobilisieren konnte.“ An diesem Tag ließen sich über 1200 Personen für Ilayda Blut abzapfen.
2015 gründete Geben für Leben Österreichs erste private Stammzellspenderdatei. Für den Aufbau dieses neuen Bereichs brauchte Susanne Marosch Unterstützung. Sie bot Cemanur Kartal die Stelle als Büroleiterin an. Angenommen hat sie den Job, obwohl sie damals einen anderen Plan hatte: Sie wollte studieren.
Cemanur wurde als Kind türkischer Einwanderer in Hohenems geboren und wuchs dort mit drei Geschwistern auf. Der Vater war Arbeiter, die Mutter zog die vier Kinder groß. „Meine Mutter hat uns zu großherzigen Menschen erzogen und uns immer gesagt, wie wichtig Bildung ist“, sagt Cemanur, die drei Lehrausbildungen abgeschlossen hat: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Versicherungskauffrau. Sechs Jahre war sie beim ÖAMTC Dornbirn beschäftigt, bevor sie nach Wien zog und dort für Raiffeisen Finanzierungen arbeitete. Wieder in Vorarlberg, „meldete ich mich an der Fachhochschule Dornbirn zum Studium Soziale Arbeit an“, erzählt Cemanur. Einen Teil der Berufsreifeprüfung hatte sie bereits abgelegt, als ihr die Stelle bei Geben für Leben offeriert wurde. Als Büroleiterin des Vereins ist sie für die Betreuung der Spenderdatei, die Organisation der Typisierungsaktionen „und halt für alles, was anfällt, zuständig. Kurz gesagt, ich bin die linke und die rechte Hand von Susanne Marosch“.
Die Entscheidung, den Job dem Studium vorzuziehen, hat die in ihrem Geburtsort Hohenems wohnende alleinerziehende Mutter nicht bereut: „Ich freue mich morgens darauf, zur Arbeit zu fahren, und abends gehe ich zufrieden zu Bett, mit dem Gefühl, Gutes getan zu haben.“ HRJ
„Mehr als 2000 Menschen kamen zur Typisierungsaktion, um Ilayda zu helfen.“



Zur Person
Cemanur Kartal
leitet das Büro des Leukämiehilfe-Vereins Geben für Leben.
Geboren 6. September 1982
Wohnort Hohenems
Ausbildung Büroleiterin des Vereins Geben für Leben
Familie Mutter der zehnjährigen Beste (aus dem Türkischen übersetzt: Melodie, Komposition)
Hobby Bewegung in der Natur, wie Schwimmen und Radfahren
Motto Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter.