Eine Prinzessin, auf der viele Hoffnungen ruhen
Japans Prinzessin Aiko wird heute 20 Jahre und damit volljährig.
Tokio Auf ihr ruhen die Hoffnungen vieler Menschen in Japan: Prinzessin Aiko. Das einzige Kind von Kaiser Naruhito und seiner Gemahlin Masako wird heute, am 1. Dezember, 20 Jahre alt – und damit volljährig. Normalsterbliche Japanerinnen und Japaner dürfen ab diesem Alter Alkohol trinken, rauchen und wählen. Aiko darf dagegen nicht einmal in der Öffentlichkeit ihre eigene Meinung äußern. Und noch eines ist ihr verwehrt: der Thron. Auf den dürfen nach dem geltenden Hofgesetz nur Männer der männlichen Kaiserlinie. Doch der ältesten Erbmonarchie der Welt geht langsam der männliche Nachwuchs aus. Ist Aiko die Rettung?
Erwartungsdruck
Masako hatte seit ihrer Hochzeit mit Naruhito im Juni 1993 unter einem gewaltigen Erwartungsdruck gestanden, der Nation einen Thronfolger zu gebären. Als am 1. Dezember 2001 Aiko zur Welt kam, löste dies im Volk zwar Jubel aus, aber auch eine Debatte darüber, ob das Hofgesetz geändert werden sollte, um die Zukunft der Monarchie zu sichern.
Als ein Entwurf zur Gesetzesänderung fast im Parlament eingebracht werden konnte, verkündete plötzlich Kiko, die Frau von Kronprinz Akishino, Naruhitos Bruder, dass sie noch ein weiteres Kind erwarte. „Natürlich war es ein Bub. Und schon war das Thema Kaiserin wieder vom Tisch“, sagt Ernst Lokowandt, ein intimer Kenner des japanischen Kaiserhauses. Doch als kürzlich Kikos älteste Tochter Mako (29) ihren bürgerlichen Studienfreund Kei Komuro heiratete und damit aus dem Hof ausschied, gewann die Debatte über die Thronfolge wieder an Fahrt. Während Mako und ihr Mann nach jahrelanger Kontroverse wegen eines Streits um Geld in Komuros Familie Japan für immer den Rücken kehrten, richten sich nun die Augen der Öffentlichkeit zunehmend auf ihre Cousine, Prinzessin Aiko.
Adeligenschule
Hinter dem dichten Chrysanthemenvorhang des Kaiserhauses lebt sie in den Augen vieler ein Leben, wie es sich für eine Prinzessin gebührt. Wie ihr Vater, Kaiser Naruhito, besuchte Aiko die frühere Adeligenschule Gakushuin. Seit vergangenem Jahr studiert sie an der Gakushuin-Universität japanische Sprache und Literatur. Wie ihre Mutter liebt sie Tiere, hat einen Hund namens Yuri und züchtete Seidenwürmer – eine Aufgabe, die grundsätzlich Kaiserinnen haben.
In einer Umfrage befürworteten jüngst mehr als 80 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger eine Frau auf dem Thron. Selbst in der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) gibt es laut Medien zunehmend Stimmen, die sich dafür aussprechen, dass Aiko eines Tages ihrem Vater Naruhito als Kaiserin folgen sollte.
Dies wäre an sich auch nichts Neues für Japan, denn zwischen dem 6. und dem 18. Jahrhundert hatte es gleich acht weibliche Monarchen in Japan gegeben. Die letzte war Go-Sakuramachi, die von 1762 bis 1771 regierte. Bis Ende des Jahres soll nun ein Gremium von Experten einen Vorschlag zur Lösung der Thronfolgeproblematik ausarbeiten. Denn die Zeit drängt: Derzeit stehen theoretisch nur noch drei Kandidaten als Nachfolger für Aikos Vater auf dem Thron bereit: Sein Bruder, Kronprinz Akishino (55), dessen 15 Jahre alter Sohn Prinz Hisahito und Naruhitos Onkel Masahito, der 85 Jahre alt ist.