„Bin Romy Schneiders größter Fan!“

Menschen / 23.11.2021 • 21:45 Uhr

Désirée Nosbusch über ihre neue Serie, Hysterie im Netz und warum sie der größte Fan von Romy Schneider ist

köln Es war ein unfassbarer Justizskandal: Mitte der Neunzigerjahre wurden 25 Männer und Frauen aus Worms und Umgebung des massenhaften Kindesmissbrauchs beschuldigt und kamen vor Gericht. Nach zwei Jahren mit mehr als 300 Verhandlungstagen wurden 24 Angeklagte freigesprochen, eine der Beschuldigten war in der Haft verstorben. In der Urteilsbegründung sagte der Richter „Den Wormser Massenmissbrauch hat es nie gegeben“ und entschuldigte sich bei den Angeklagten.

Angelehnt an die „Wormser Prozesse“ hat der Schriftsteller Ferdinand von Schirach ein Drehbuch für ein siebenteiliges Justizdrama geschrieben, die Serie „Ferdinand von Schirach – Glauben“ ist ab 1.12. auf Vox zu sehen. Désirée Nosbusch spielt eine der Hauptrollen. Die Schauspielerin im Interview.

 

Die Serie „Glauben“ basiert auf dem Justizskandal. Kannten Sie den Fall?

Nosbusch Ich konnte mich an den Fall und die Berichterstattung darüber erinnern, hatte die ganzen Details aber nicht mehr präsent. Als das Angebot kam, bei „Glauben“ mitzumachen, habe ich mich aber natürlich wieder damit beschäftigt.

 

Damals wurden viele Menschen zu Unrecht des Kindesmissbrauchs beschuldigt und kamen vor Gericht, die Prozesse zerstörten zahlreiche Existenzen… 

Nosbusch Ein unfassbarer Justizskandal, das kann man gar nicht anders sagen, und es stellt sich auch heute noch die Frage: Wie konnte so etwas möglich sein? Unsere Serie transportiert die Geschichte in die Jetztzeit, wo auf Social-Media-Kanälen schon mal ganz schnell geurteilt und der Stab über jemanden gebrochen wird. Da gerät nach ein paar Postings ein ganzes Dorf in Verdacht.

 

Sie spielen eine Polizistin, die als eine der wenigen in dem ganzen Chaos den rechten Durchblick behält…

Nosbusch Genau, die von mir gespielte Kommissarin trägt maßgeblich dazu bei, dass der Fall aufgelöst wird. Ich bin sozusagen die Schlüsselfigur in dem ganzen Schlamassel, das sich um Vorverurteilungen und Hysterie dreht.  

 

Was kann man aus der Serie lernen?

Nosbusch Ich habe zwei Kinder, die auf sozialen Plattformen sehr aktiv sind, aber auch wir Angehörigen der schon etwas älteren Generation können uns dem ja kaum entziehen. Schon allein beruflich bin ich diesbezüglich gefragt, wenn es zum Beispiel um die Vermarktung eines neuen Films oder einer neuen Serie geht. Im Umfeld meiner Kinder kriege ich mit, dass permanent eine latente Angst herrscht, dass sich jemand beleidigt oder angegriffen fühlt und das möglicherweise zu einem Posting führt, das einen sozial killt. 

 

Wie gehen Sie denn mit Twitter und Co. um?

Nosbusch Auf Twitter bin ich gar nicht unterwegs und Instagram und Facebook nutze ich nur beruflich. Dabei halte ich mir immer vor Augen, dass alles was ich poste möglicherweise von den Medien übernommen wird. Mein Grundsatz lautet: Ich poste nichts, von dem es nicht okay wäre, wenn es irgendwo verbreitet wird.   

 

Ihr Privatleben halten Sie völlig raus?

Nosbusch Absolut. Und wenn ich was Privates preisgebe, dann hat es immer einen professionellen Hintergrund.

 

Sind Ihnen schon Hass und Hysterie begegnet in den sozialen Netzwerken?

Nosbusch Natürlich, aber ich bin da ganz rigoros: Wenn jemand auf unverschämte Art mit Ansichten kommt, die ich nicht vertretbar finde, dann wird er bei mir geblockt. Das heißt nicht, dass ich keine andere Meinung dulde, aber wenn es unter die Gürtellinie geht, hört bei mir der Spaß auf. 

 

Aber kritisieren darf man Sie schon?

Nosbusch Klar, wenn jemand meinen neuen Film nicht mag, dann darf er das auch schreiben. Wobei mir natürlich lieber ist, er findet ihn gut (lacht).

 

Ende des Jahres sind Sie in einer neuen Serie als Schwiegermutter von Kaiserin Sissi zu sehen.

Nosbusch Das war eine schöne Herausforderung, weil es immer spannend ist, eine historische Figur zu verkörpern. Jemanden zu spielen, den es tatsächlich gab, erzeugt natürlich auch einen größeren Druck, weil man der Person gerecht werden will.

 

In den berühmten Sissi-Filmen in den Fünfzigern kommt die Erzherzogin Sophie ja nicht so gut weg…

Nosbusch Stimmt, aber das war in Wirklichkeit nicht nur die böse Schwiegermutter, wie in alten Filmen suggeriert wird. Das war eine resolute Frau, die schon im 19. Jahrhundert ihren Mann gestanden hat.

 

Mögen Sie die alten Sissi-Filme trotzdem?

Nosbusch Klar, weil das wunderschöne Märchen sind und ich der größte Fan von Romy Schneider überhaupt bin. MW

„Wenn jemand meinen neuen Film nicht mag, dann darf er das auch schreiben.“