Im Auftrag der Kunst

Menschen / 18.10.2021 • 20:25 Uhr
Der Bregenzer hat sich sein Handwerk selbst beigebracht.

Der Bregenzer hat sich sein Handwerk selbst beigebracht.

Lucas Schmid kann nach der Pandemie endlich wieder anpacken.

WIEN Aufgrund der Pandemie konnten viele Projekte in der Kunstwelt nicht realisiert werden. Jetzt kehrt langsam wieder Leben ein in die Szene. Das ist nicht nur für die Kreativen wichtig, auch Handwerker wie Lucas Schmid können langsam wieder ihrer gewohnten Arbeit nachgehen. Erst kürzlich begab er sich auf eine Kunstmesse nach Paris. Für den Bregenzer war es die erste seit Beginn der Pandemie. Trotz aller Schwierigkeiten nutzte der Handwerker die schwierige Zeit, so gut es ging.

Unsichtbare Hände

Hinter jedem Kunstwerk verbirgt sich die Arbeit unsichtbarer Hände. Beispielhaft dafür steht das Handwerk von Schmid. Der Vorarlberger betreibt mit seinem Partner Felix Lerbscher das „WERKBUERO“ in Wien. Durch seine Arbeit hilft er Künstlern, ihre Ideen zu verwirklichen.

„Wir machen technische Umsetzungen. Das fängt beim Organisatorischen an. Was braucht es, damit ein Kunstprojekt realisiert werden kann? Im besten Fall machen wir das dann auch gleich selbst alles aus einer Hand“, hebt Schmid hervor. Seit 2020 residiert das „WERKBUERO“ im ehemaligen Theater des Gemeindebaus Sandleitenhof.

Mit Künstlern wollte Schmid immer schon arbeiten. Durch einen Zufall kam er 2014 zu einer Anstellung in einer Wiener Galerie. Dort konnte der Handwerker seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und viel lernen. „Wer organisieren und anpacken kann, ist in der Kunstwelt gefragt“, bekräftigt der Tausendsassa.

„Ich habe immer gerne gebastelt, aber ein richtiges Handwerk habe ich nie gelernt“, betont Schmid. Dazu fehle ihm die Geduld. Er ist Handwerker, bezeichnet sich selbst aber lieber scherzhaft als „Pfuscher auf hohem Niveau“. Dennoch beherrscht der Bregenzer eine beachtliche Vielfalt an Fähigkeiten. „Ich mache Holz- und Metallarbeiten, schraube und bastle gerne. Elektronik fasziniert mich. Aber eigentlich erfüllt alles immer einen Zweck. Die wenigsten Dinge, die ich mache, haben einen künstlerischen Anspruch. Nähen tue ich liebend gerne, aber dann halt eine Arbeitshose“, gibt sich der Handwerker bescheiden.

In seiner Werkstatt arbeitet der Bregenzer auch an einem Projekt, das ihm besonders am Herz liegt, dem „Materialarchiv“. Dazu sammelt der Handwerker alle möglichen Materialien, die in Wien erhältlich sind. „Bei Projekten geht immer viel Zeit für Recherche drauf. Was passt? Wir wollen einen Ort schaffen, wo man die Stoffe physisch in der Hand haben kann. Dadurch vereinfachen sich die Gestaltungsprozesse. So muss man nicht immer alles aus dem Internet bestellen“, erklärt Schmid.

Auf Kunst-Montage

Durch seine Arbeit ist Schmid schon weit gereist: „Ich hatte das Glück, für ein Künstlerkollektiv zu arbeiten, das international ausstellt. Wir waren in China, Chile und den USA. Urlaub mache ich nicht gerne, aber es ist immer schön, wenn ich nach der Montage noch ein paar Wochen durchs Land fahren kann.“ VN-SAV

„Wer organisieren und anpacken kann, ist in der Kunstwelt gefragt.“

Seine Werkstatt befindet sich in der ehemaligen Hinterbühne eines alten Theaters.

Seine Werkstatt befindet sich in der ehemaligen Hinterbühne eines alten Theaters.

Mit einer Fülle von Materialien verwirklicht der Bregenzer die Ideen von Künstlern und macht sie für Interessierte erlebbar.

Mit einer Fülle von Materialien verwirklicht der Bregenzer die Ideen von Künstlern und macht sie für Interessierte erlebbar.

2019 half Schmid in Linz beim Bau der „Tube“ mit. Dabei handelte es sich um eine begehbare Installation aus unzähligen Seilen.

2019 half Schmid in Linz beim Bau der „Tube“ mit. Dabei handelte es sich um eine begehbare Installation aus unzähligen Seilen.

Zur Person

lucas schmid

Geboren 15.02.1991 in Bregenz

Ausbildung BORG Lauterach

Laufbahn Seit 2014 für versch. Galerien in Wien tätig. 2017  gründete er mit Felix Lerbscher das „WERKBUERO“.

Familie Ledig