Leben abseits der Kamera

Menschen / 03.10.2021 • 17:44 Uhr
Lang, lang ist's her: Raphaela Stefandl wird den Fernsehzuschauern sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Lang, lang ist’s her: Raphaela Stefandl wird den Fernsehzuschauern sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Mit Raphaela Stefandl verabschiedete sich eines der bekanntesten Fernsehgesichter.

Lochau Neugierig sei sie immer gewesen. Und interessiert. Interessiert an Themen und Menschen. Mit der Oberfläche gab sie sich aber nie zufrieden. „Jede Medaille hat zwei Seiten“, erklärt Raphaela Stefandl (62), und sie wollte stets beide Seiten von etwas sehen. Der Journalismus bot ihr die Möglichkeit dazu. Über 40 Jahre berichtete sie im Dienste des ORF Vorarlberg über Land und Leute, mehr als die Hälfte davon hat sie die Bundesländersendung „Vorarlberg heute“ moderiert. Jetzt ging eines der bekanntesten Fernsehgesichter Vorarlbergs in Pension. „Ich bin gespannt darauf, was noch kommt“, sagt Stefandl. Sie freut sich auf den neuen Lebensabschnitt, den sie als selbständige Trainerin für Medien sowie Präsentations- und Auftrittskompetenz beginnt.

Journalismus statt Archäologie

Eigentlich wollte Raphaela Stefandl nach Absolvierung des Gymnasiums und eines HAK-Aufbaulehrgangs Archäologie in Innsbruck studieren. Dieses Vorhaben begrub sie, als sich ihr mit gerade einmal 20 die Chance einer Mitarbeit bei Radio Vorarlberg eröffnete. Im Sommer fing sie an, im Laufe des Herbstes erhielt sie bereits eine Anstellung. Stefandl lernte ihr Handwerk von der Pieke auf. „Wir waren damals noch eine sehr kleine Redaktion“, erzählt sie. Sie selbst nahm sich jedes Themas an, war aber besonders der Politik zugeneigt. Dann begann das Fernsehzeitalter. Noch gut sich Raphaela Stefandl daran, wie Material mit der „Rheintalflug“ nach Wien geschickt und dort finalisiert wurde. Irgendwann hielt die erforderliche Technik aber auch im Landesstudio Vorarlberg Einzug. Für die junge Journalistin waren Bilder etwas Starkes. „Deshalb habe auch ich damit begonnen, Fernsehsendungen zu machen“, berichtet sie weiter. Als im Mai 1988 „Vorarlberg heute“ auf Sendung ging, gehörte Raphaela Stefandl mit Angelika Böhler, Wolfgang Burtscher und Günter Polanec zum Moderatorenteam der ersten Stunde.

Dialekt als Eisbrecher

Nur vor der Kamera zu stehen und Tagesaktualitäten zu verkünden war ihre Sache nicht. „Ich war viel und gerne draußen bei den Leuten“, sagt Stefandl und lobt auch ihre damalige Kollegenschaft, mit der viel Neues entstehen konnte. Daneben war sie noch stellvertretende Chefredakteurin.

Nach 25 Jahren sehnte sie sich jedoch nach einer neuen Herausforderung: „Ich wollte noch etwas anderes tun, mich mit anderen Dingen beschäftigen.“ Immer wieder deponierte sie dieses Ansinnen in Wien, bis, ja bis vor zehn Jahren das Angebot kam, als Korrespondentin in die Schweiz zu gehen. „Es passte wunderbar.“ Trotz ihrer langen Erfahrung mit dem Medium Fernsehen musste sich die Vorarlbergerin bei den Eidgenossen aber erst zurechtfinden. „Ich kam mir wie eine Anfängerin vor. Man kennt niemand, und niemand kennt einen.“ Auch galt es, neue Quellen aufzutun, um an Informationen zu kommen. Was dabei half: „Dass ich den Dialekt verstand.“ Die häufigste Frage, die Raphaela Stefandl nämlich gestellt bekam, war, ob sie Schwitzerdütsch verstehe.

Sie kam in keine für sie neue Welt. „Ich war schon früher oft in der Schweiz, vor allem zum Einkaufen“, erklärt sie lachend. Den ersten Lippenstift und den ersten Lidschatten erstand sie im Migros. Ihre Freizeit verbrachte Raphaela Stefandl ebenfalls häufig jenseits des Rheins. Sie hat auch gerne dort gearbeitet, lernte viele spannende Menschen und ihre Geschichten kennen.

Dennoch entschied sie sich, in den Ruhestand zu wechseln, sich loszulösen vom Arbeitsalltag. Sie tat es mit der Reportage „Mein Genf“, die im ORF-Weltjournal zu sehen war. VN-MM

„Den ersten Lippenstift und den ersten Lidschatten kaufte ich mir im Migros.“

Das Netz für Kinder liegt Stefandl, im Bild mit George Nussbaumer, am Herzen.
Das Netz für Kinder liegt Stefandl, im Bild mit George Nussbaumer, am Herzen.
Während der Coronapandemie hieß es für Raphaela Stefandl bei Reportagen:
Während der Coronapandemie hieß es für Raphaela Stefandl bei Reportagen: “Maske auf!”
Raphaela Stefandl mit Dieter Meier, Musiker und Produzent der legendären Gruppe Yello.
Raphaela Stefandl mit Dieter Meier, Musiker und Produzent der legendären Gruppe Yello.

Zur Person

Raphaela Stefandl

Alter 62

Werdegang Gymnasium, HAK-Aufbaulehrgang, Eintritt ins ORF-Landesstudio Vorarlberg

Familie Partnerschaft, eine Tochter (29)

Hobbys Skitouren, Skifahren, Klavierspielen

Wohnort Lochau