Elektrisierende Leidenschaft

Simone Schuler ist Hannspeter Winter-Preisträgerin und Vorarlbergerin des Jahres z’Wian 2021.
Wien In Bings auf dem Bauernhof aufgewachsen, zog sie aus, um ihrer Faszination für Technik nachzugehen. „Wir sind fünf Geschwister, bei uns auf dem Bauernhof war immer etwas los. Zusammenhalt, das haben uns unsere Eltern mit auf den Weg gegeben.“ Etwas, das sie stets begleitete. Von Anfang an auch dabei: Ihre Begeisterung für Naturwissenschaften. „Ich war früh an allem Technischen interessiert. Wetter, Elektrotechnik, Chemie, ich wollte einfach wissen, wie unsere Umwelt funktioniert. Schuler besuchte die HTL in Rankweil. „Wir waren nur drei Mädchen in unserer Klasse. Das war aber keine große Sache für uns. Erstens nahmen wir uns kein Blatt vor den Mund und zweitens spielte das Geschlecht generell keine große Rolle.“
Die Neugier für alles Technische konnte die HTL jedoch nicht stillen. „Ich dachte mir, dass kann es nicht gewesen sein und wollte mehr lernen und besser verstehen.“ Nach einigen Praktika – unter anderem auf dem Bau – zog sie nach Wien und studierte Elektrotechnik an der Technischen Universität. „Zuerst dachte ich, was mache ich hier eigentlich? Ich kannte niemanden in Wien und brauchte meine Zeit.“
Preisträgerin
Schuler belegte den Fachbereich Mikroelektronik und Photonik. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit Graphen, einem Material, das nur aus einer Atomschicht Kohlenstoff besteht. Sie entwickelte unter anderem als Erste einen Photodetektor, der Licht schneller als üblich in ein elektrisches Signal umwandelt. Damit können deutlich größere Datenmengen übertragen werden. 2020 wurde sie für diesen Erfolg mit dem Hannspeter Winter-Preis der TU Wien ausgezeichnet. „Das Coole ist, Graphen ist etwas Alltägliches. Es ist in jedem Bleistift zu finden.“
Schulers Leidenschaft für Elektrotechnik ist energiegeladen. „Sie findet überall ihre Anwendung. Ich habe mit Medizinern gearbeitet, in der Telekommunikation oder jetzt im Automotive-Bereich.“ Anfang 2019 wechselte sie an die Universität Cambridge.
„Das war ein besonderer Schritt. Ich habe aber gemerkt, dass ich dort mit meiner Ausbildung und Erfahrung genau richtig bin.“ Seit Ende 2019 arbeitet sie bei Bosch in Wien. In ihrer Freizeit schöpft die 33-Jährige Kraft auf ihrem Fahrrad oder beim Terrassengarteln: Kräuter, Erdbeeren, Gemüse, alles selbstgezogen. „Nur die Tomaten und Gurken sind vom elterlichen Bauernhof importiert“, sagt sie. Am Donnerstag wurde sie vom Land Vorarlberg mit dem Preis Vorarlbergerin des Jahres z‘Wian ausgezeichnet. „Das ist eine große Ehre. Es freut mich, dass meine Arbeit bis ins Ländle sichtbar ist. Der Preis zeigt, dass Frauen in der Technik selbstverständlicher geworden sind und wie vielfältig Technik ist.“ TON
„Der Wechsel nach Cambridge war ein besonderer Schritt. Ich habe aber gemerkt, dass ich mit meiner Ausbildung und Erfahrung dort genau richtig bin.“


Zur Person
Dr. Simone Schuler
Geboren 10. März 1988 in Bludenz
Wohnort Wien, Brigittenau
Beruf Projektleiterin bei Bosch
Ausbildung HTL Rankweil, TU Wien, Universität Cambridge