Authentisch bleiben

Eugen Fulterer engagiert sich intensiv für die renommierte Veranstaltungsreihe „Walserherbst“.
RANKWEIL Es sind anstrengende letzte Tage vor der Eröffnung der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Walserherbst“ am 20. August. Eugen Fulterer war am vergangenen Wochenende noch in Wien und hat die Exponate der Ausstellung „Wurzel-Wunderkammer“ abgeholt, danach stehen noch weitere Aufbauarbeiten und viele organisatorische Details an. Doch der gebürtige Rankweiler ist es gewohnt, die Dinge anzupacken: „Wenn ich etwas mache, dann ‚ghörig‘. Nehme ich mir etwas vor, dann bringe ich mich auch zu hundert Prozent ein.“ Diesen Charakterzug hat er, neben einer Portion Pioniergeist, Mut und Humor, mit Dietmar Nigsch, dem Begründer und Leiter des Festivals, gemeinsam. Beim diesjährigen Festival fungiert Eugen Fulterer bereits das zweite Mal als Stellvertreter von Dietmar Nigsch: „Die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr harmonisch. Ich kann sehr viel von Dietmar lernen. Seine Herangehensweise an Projektideen ist von einem zutiefst menschlichen Standpunkt geprägt. Und ich habe sehr viel Freiheit in der Programmierung.“
Spannende Lebensgestaltung
Vor fünf Jahren war Eugen Fulterer erstmals selber als Künstler beim „Walserherbst“ dabei: „Ich habe als Budiker den ‚Wanderkiosk‘, der von dem Architekten Martin Mackowitz konzipiert wurde, zum Leben erweckt. Das ‚Wirten‘ in diesem besonderen Setting war eine spannende Erfahrung.“ Mit dem Bewirten kannte sich der engagierte Kulturvermittler ohnehin bestens aus: „Meinen Eltern gehörte das Gasthaus Kreuz in Rankweil. Ich habe die Tourismusschule besucht. Als dann kurz vor meiner Matura mein Vater plötzlich starb, habe ich kurzerhand den elterlichen Betrieb mit 14 Angestellten übernommen.“ Er stellte sich der enormen Herausforderung, entschied sich jedoch nach einigen Jahren für ein Studium des Umwelt- und Bioressourcen-Managements sowie der Geografie an der BOKU in Wien, schlussendlich wechselte er zu Theater-, Film- und Medienwissenschaften. Nachdem er dieses Studium abgeschlossen hatte, verlief sein Leben weiterhin nicht linear.
So engagierte er sich in der alternativen Kunstszene, gründete beispielsweise das Kollektiv „Einbaumöbel“, das heute immer noch besteht, und entwickelte nebenher die V-Lesung: „In der alternativen Szene hat mich vor allem das subversive, freie und niederschwellige Element angezogen.“
„Wenn ich etwas mache, dann ‚ghörig‘. Nehme ich mir etwas vor, dann bringe ich mich auch zu hundert Prozent ein.“
Kunst bildete immer schon ein ganz wesentliches Element in seiner Lebensgestaltung: „Durch Kunst kann eine ganz eigene Sprache geschaffen werden, die völlig zweckbefreit und höchst individuell ist. Dadurch können Inhalte vermittelt werden, die ansonsten für den Rezipienten nicht begreifbar wären.“ Sehr prägend waren zudem zahlreiche Reisen, die ihn unter anderem nach Peru und Tansania führten: „In Nepal bin ich sogar für einen Kinofilm in die Rolle eines australischen Rugbyspielers geschlüpft, obwohl ich als deutscher Bergsteiger angeheuert wurde.“
Für das Reisen bleibt ihm allerdings derzeit durch seinen neuen Aufgabenbereich nicht viel Zeit: „Aber ich bin gerne im Großen Walsertal unterwegs. Die Region hat extrem viel Potenzial – sowohl von der Natur als auch von den Menschen her.“ Freiheit und Authentizität bilden Kernelemente in der Lebensgestaltung von Eugen Fulterer – auch diese beiden Begriffe können durchaus auf Dietmar Nigsch angewandt werden. BI

Zur Person
EUGEN FULTERER
Geboren 1979
Familie In einer Liebesbeziehung mit Melissa Hiebeler
Hobbys Berge, Pilze, Küche, Musik
Lebensmotto „Im steten Versuch, mich selber und die eigene Befindlichkeit nicht zu ernst zu nehmen“