George, der Schlangenretter

Als Hans-Jörg Wiedl nach Zypern kam, gab es sieben Arten, heute sind es neun.
Braz Sein bürgerlicher Name ist Hans-Jörg Wiedl. In seiner Wahlheimat Zypern nennen ihn aber alle nur „Snake George“. Dass er dieser Tage auf der Terrasse seiner Schwester in Außerbraz sitzt und über sein Leben plaudert, hat er einer sehr großen Portion Glück zu verdanken. In Äthiopien wurde er beinahe von einem Krokodil gefressen, ebendort flog auch direkt neben ihm die Tür einer Militärmaschine in der Luft weg, bei einem UN-Einsatz auf den Golanhöhen trat er auf eine Mine und ist seither zu 50 Prozent Invalide. Heute wird der Reptilienexperte 78 Jahre alt.
Seinen Anfang nahm alles in Tirol. Sein Vater kam aus Kärnten, seine Mutter war Bregenzerin. Die ersten zwei Jahre verbrachte Hans-Jörg Wiedl in Innsbruck. Weil die Mutter den See vermisste, ließ sich der Vater, ein Justizbeamter, nach Bregenz versetzen. Zunächst wohnte die sechsköpfige Familie in der Oberstadt, nach der Scheidung der Eltern folgte der Umzug zu den Großeltern in die Prälatendammstraße. Als Hans-Jörg Wiedl acht Jahre alt war, ging es mit der Mutter und ihrem neuen Lebenspartner ins Tiroler Lechtal und vier Jahre später wieder retour nach Braz. Nach der Schule lernte der mittlerweile wieder Vorarlberger Weber bei der Firma F.M.Hämmerle in Dornbirn. „Aber das war für mich nicht mein Leben. Mein Traum war es schon immer, Naturforscher zu werden. Das zweite, was mich ein Leben lang interessiert hat, war die Völkerkunde“, erzählt der Wahlzypriote. Um sein Fernweh zu stillen, heuerte er zunächst auf einem Frachtschiff und später auf einem Luxusliner als Decksmann an. „Die meiste Arbeit war Rost putzen. Aber ich habe es gern gemacht. Es war wunderschön. Man war immer draußen.“ Nach sechs Jahren rückte er beim Jägerbataillon 23 in Bregenz ein, zwei Jahre später wurde er UNO-Soldat, war 15 Monate auf Zypern und 15 Monate am Golan stationiert. Am 24. Oktober 1975 passierte das Unglück. Hans-Jörg Wiedl trat auf eine Mine, die unter einem Stein lag. Es folgen lange Krankenhausaufenthalte in Israel, Syrien und Wien. Wieder zurück in Vorarlberg, bekam er einen Job als Vertragsbediensteter in der Ergänzungsabteilung beim Militärkommando Vorarlberg.
„1986 habe ich dann Adieu gesagt. Ich wollte mein Leben nicht im Büro verbringen“, erinnert sich der 78-Jährige. Sein Ziel auf Anraten des damaligen Leiters des Alpenzoos Innsbruck: Zypern. Dort gründete er nicht nur eine Familie, sondern auch einen Reptilienzoo. „In Zypern ist nur eine tote Schlange ist eine gute Schlange. Ich dachte mir, es darf nicht sein, dass dort alle Schlangen ausgerottet werden.“ Hans-Jörg Wiedl machte es sich zur Aufgabe, die Bevölkerung zu informieren, aufzuklären, wie wichtig es ist, diese Tiere zu haben, wie nützlich sie sind. Er entdeckte die bereits ausgestorbene Zypern-Ringelnatter wieder, widerlegte die Behauptung, dass die Levanteotter lebend gebären würde und entdeckte eine für Zypern neue Schlangenart. 2001 musste der zweifache Vater seinen Reptilienpark schließen, weil der Pachtvertrag nicht verlängert wurde.
Die Liebe zu den Kriechtieren ist geblieben. „Schlangen sind fantastische Tiere. Es gibt keine andere Tierart, die sich so an die Natur anpassen kann. Sie können schwimmen, tauchen, kriechen, klettern“, schärmt er. vn-ger
„Mein Traum war es schon immer, Naturforscher zu werden.“



Hans-Jörg Wiedl mit Sigi Schwärzler, einem alten Militärfreund. Der 78-Jährige ist noch immer Mitglieder der Unteroffiziersgesellschaft.

Viele Reptilienexperten kamen nach Zypern, um die von George wiederentdeckte Ringelnatter zu sehen.

Seinen Reptilienpark musste der 78-Jährige schweren Herzens schließen, weil der Pachtvertrag nicht verlängert wurde.
Zur Person
Hans-Jörg Wiedl
hat sich in Zypern als “Snake George” einen Namen gemacht.
Geboren 9. August 1943
Wohnort Paphos/Zypern, aufgewachsen in Tirol und Vorarlberg
Familie verheiratet mit Georgia, zwei Töchter – Katharina (32) und Dimitra (30)
Hobbys Tierwelt, Fotografieren, Mineralien sammeln, Lesen und Reisen