Ein Leben im Rhythmus

Menschen / 05.08.2021 • 17:48 Uhr
„Corona, das war für mich wie von 1000 auf 0.“ T. natter
„Corona, das war für mich wie von
1000 auf 0.“ T. natter

Christian Marquez-Eberle wollte einfach nur Schlagzeug spielen.

Wien Bei den Eberles liegt die Musik in der Familie. „Mein Papa ist Blasmusikkapellmeister und war Direktor einer Musikmittelschule. Mein Bruder ist Trompeter. Mit ihm hab ich als Kind in meinen ersten Bands gespielt.“ Christian Marquez-Eberle hat sich über Österreichs Grenzen einen Namen als Schlagzeuger gemacht. Mit fünf schon fasziniert von diesen großen Trommeln, folgte mit sieben das erste größere Konzert. Nervös war er auch damals nicht. Mit 16 führte sein Weg vom Musikgymnasium ans Konservatorium Feldkirch. Das war nicht nur seinem ausnehmenden Talent zu verdanken. „Mein Papa hat mich von Anfang an unterstützt. Er hat mich von der Schule genommen und gesagt: Wenn du das willst, dann zieh‘s durch. Ich war ja kein schlechter Schüler im Gymi, aber ein fauler. Ich wollte einfach nur Schlagzeug spielen.“ Mit 21 schloss er das Konservatorium ab und wollte eigentlich nach Deutschland. Doch Walter Grassmann – Schlagzeuglehrer-Ikone – lud ihn zum Jazz-Studium nach Wien. „Bei so jemandem sagt man nicht nein.“ Rasch, mit 24, schloss er auch dieses Studium ab.

Ständig unterwegs

Einen Namen in Wien musste er sich trotzdem erspielen. „In Wien kennt dich keiner. Da spielt man für ein paar Euro jeden Gig am Gürtel. Auch wenn du im Rahmen des Studiums mit Joe Zawinul auf der Bühne warst, dort wartet niemand auf dich.“ Heute hat der gebürtige Dornbirner einen Namen, spielt in der Bigband der Wiener Symphoniker, im Jazzorchester Vorarlberg, mit dem er gerade ein Album einspielt, mit Shake Stew, bei denen die nächste Deutschlandtour ansteht und vielen anderen Projekten, um die er sich rhythmisch kümmert und die ihn bis nach China und Mexiko brachten. Corona bereitete auch Christian Marquez-Eberle Sorgen. „Ich habe mit meiner Frau gerade unser Haus gebaut und dann wurde alles runtergefahren. Das hat mir Angst gemacht. Aber beklagen will ich mich nicht. Viele Musiker hatten es schwerer als ich.“ Als Vorarlberger freut er sich, im beschaulichen Ebreichsdorf zu wohnen. Nach der Tour sucht er die Ruhe. „Ich brauche keinen Trubel. Ich bin ständig unterwegs, hatte seit Jahren keinen Urlaub. Da muss ich dann zu Hause nicht in den nächsten Club rennen. Zum Glück ist meine Frau die verständnisvollste, die es gibt. Unsere Hochzeitsreise wartet ja immer noch.“ Nach über 20 Jahren bleibt Wien dennoch ein Kraftort. „Wien ist eine Kulturweltstadt. Und aus dem gleichen Grund, warum mir Wien gefällt, mag ich das Leben als Musiker: Man lernt die verschiedensten Leute, Kulturen und Musikgenres kennen.“ Jetzt hat er zum ersten Mal seit langem Urlaub. Vielleicht klappt’s dann doch mit der Hochzeitsreise. TON

„Mein Beruf als Musiker ist in den allermeisten Fällen ein Traum.“

„Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt.“ Privat
„Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt.“ Privat
Christian Marquez-Eberle mit Orges & The Ockus Rockus Band.schneider
Christian Marquez-Eberle mit Orges & The Ockus Rockus Band.schneider
Christian Marquez-Eberles Weg führte zum Klassischen Schlagwerk. „Mein wahres Talent fand ich später am Drumset.“
Christian Marquez-Eberles Weg führte zum Klassischen Schlagwerk. „Mein wahres Talent fand ich später am Drumset.“
„Das Vorbild meines Papas hat mich zur Musik gebracht.“ Salcher
„Das Vorbild meines Papas hat mich zur Musik gebracht.“ Salcher

Zur Person

Christian Marquez-Eberle

Geboren 27. Juni 1982 in Dornbirn

Ausbildung Klassisches Schlagwerk (Feldkirch), Jazz-Schlagzeug (Wien)

beruf Musiker

Familie verheiratet mit Veronica

Wohnort Ebreichsdorf bei Wien

Kontakt www.christianeberle.at