“Ich bin kein Schauspieler, nur der Otto!”

Menschen / 25.07.2021 • 22:31 Uhr
Mit „Catweazle“ hat Otto Waalkes erneut einen klamaukigen Familienfilm für die Kinoleinwand gedreht. apa
Mit „Catweazle“ hat Otto Waalkes erneut einen klamaukigen Familienfilm für die Kinoleinwand gedreht. apa

Der ostfriesische Starkomiker ist derzeit als “Catweazle” im Kino zu erleben.

wien, schwarzach Quer durch die deutschsprachigen Lande treibt es derzeit den „ostfriesischen Götterboten“ Otto Waalkes. Nach längerer Zeit ist er wieder für einen Spielfilm unterwegs: „Catweazle“ ist seit einigen Wochen auch in den Vorarlberger Kinos zu sehen. Darin mimt Otto einen kauzigen Magier, der versehentlich aus dem elften Jahrhundert in die Gegenwart katapultiert wird. Der ostfriesische Komiker im VN-Interview.

 

Mitten im Corona-Trubel einen Film zu drehen, der noch dazu lustig sein sollte – sicher kein einfaches Unternehmen?

otto Sie sagen es. Wir hatten in einem Hamburger Keller begonnen, plötzlich standen zwei Polizisten vor der Tür und erklärten: „Das dürfen Sie nicht! Wegen Corona!“ Was folgte, war eine dreimonatige Zwangspause. Erst dann ließ man uns wieder. Wir wurden in drei Gruppen aufgeteilt und wir haben getestet, getestet, getestet. Gott sei Dank kam es zu keinen Ansteckungen oder Unfällen. 42 Tage lebten wir wie in einer Blase und kamen uns nicht wie Schauspieler, sondern wie Hygienebeauftragte vor.

 

„Catweazle“ wäre jetzt über 1000 Jahre alt. Sie haben am 22. Juli auch Geburtstag gefeiert, und zwar Nummer 73. Gegen Catweazle sind Sie also ein blutjunger Bursche . . .

otto Und ich finde mein Alter okay. Der Reifeprozess gefällt mir ganz gut, und er bringt auch eine gewisse Weisheit mit sich. Ist ja Zeit, dass ich endlich erwachsen werde. Die Arbeit macht nach wie vor Spaß. Jetzt arbeite ich zum Beispiel an einer Weihnachtsshow für die deutsche ARD, die den Titel „Otto fröhliche …“ trägt.

 

An Pension haben Sie demnach noch nie gedacht?

otto Gibt es dafür Geld? Ja? Gute Idee, danke für den Hinweis.

 

Erinnern Sie sich noch, wann Sie erstmals Menschen zum Lachen gebracht haben?

otto Das war in der Kirche. Ich habe das Gedicht „Der kleine Held“ vorgetragen und dafür starken Applaus bekommen. Ich kann’s noch jetzt auswendig (sagt es auf). Als Gage hätte ich gerne das Geld aus dem Klingelbeutel gehabt, aber das haben sie mir dann leider nicht gegeben.

 

In den frühen Siebzigern waren Sie Mitglied der Hamburger Künstler-Wohngemeinschaft, zu der auch Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen gehörten. Marius sagte einmal: „Otto ist immer bei sich geblieben und hat sich im positiven Sinne nie verändert. Er behielt seine Werte. Das sieht man selten in diesem Geschäft!“ Wie gefällt Ihnen das?

otto Eine schöne Aussage vom Mario. Kann ich nur zurückgeben. Wir haben ja auch viel gemeinsam musiziert.

 

Damals waren Sie an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste als Student der Malerei abgelehnt worden. Hätte aus Otto ein berühmter Maler werden können?

otto Inzwischen gab es ja bereits Ausstellungen meiner Malereien. Für Wien zum Beispiel bin ich auch im Gespräch.

Immerhin haben Sie schon sehr früh eine legendäre gezeichnete Figur erfunden. Den Ottifanten. Wie entstand der?

otto Als misslungenes Selbstporträt.

 

Haben Sie sich je vor einer Rolle gefürchtet?

otto Ja, jetzt vor Catweazle. Weil ich eine richtige Rolle spielen musste. Ich bin ja kein Schauspieler, nur der Otto. Glaubwürdig und gut sollte ich sein, dazu gehört große Überzeugungskraft. Am meisten habe ich von den Kinderdarstellern gelernt, weil sie so natürlich und echt waren.

 

Über wen haben Sie selbst in Kino, Film oder Fernsehen am meisten lachen können?

otto Zum Beispiel über Robin Williams, Helge Schneider sowie euren Helmut Qualtinger und Konsorten.

 

Und weinen?

otto Auch über Robin Williams, in „Mrs. Doubtfire“. Hinreißend, wie er den Trennungsschmerz gespielt hat. Das erinnert mich an meine erste Scheidung. Die war auch mit viel Trauer und Leid verbunden. LH