Lesen auf Rezept initiiert

Silvia Freudenthaler setzt auf Dr. Maus und medizinisch verordnete Leserezepte.
Dornbirn Eine Ode an die Lese-freude. Initiiert von Silvia Freudenthaler. Da ist der Name ein Zeichen und eine Mission zugleich. Die 37-jährige Theologin und Vergleichende Literaturwissenschaftlerin leitet seit März vergangenen Jahres die diözesane Bibliotheken-Fachstelle in Feldkirch und hat in dieser Zeit schon jede Menge Projekte auf die Beine gestellt und Impulse gesetzt. Allesamt verfolgen sie ein großes Ziel: die wundersame Wirkung der Literatur dort zu entfalten, wo sie einzigartig und unersetzbar ist. Denn Bücher sind weit mehr als schlichte Unterhaltung, sie sind Medizin.
Kinderärzte stellen Rezept aus
Apropos Medizin: „Dr. Maus kommt heut ins Haus“ ist das aktuellste Beispiel, das Freudenthaler angeleitet hat. „Ich habe ein laufendes Projekt kennengelernt, bei dem Kinderärzte Rezepte für Vorlesestunden und Besuche der Stadtbücherei ausstellen. Am meisten imponiert mir, dass die tröstenden, stärkenden, schützenden und heilenden Aspekte des Lesens und Geschichten erzählens verdeutlicht werden.“ Die gebürtige Oberösterreicherin wusste sofort: „Lesen auf Rezept muss es auch bei uns geben.“ Sie holte sich deshalb Partner mit ins Boot wie etwa Reinhard Ehgartner, Projektleiter von „Buchstart Österreich“, oder den Tyrolia Verlag, der das 26 Seiten zählende Bilderbuch veröffentlichte.
„Dr. Maus kommt heut ins Haus“ ist aber nicht nur ein Bilderbuch, es ist ein Gesamtpaket aus abgestimmten Materialien, die sich aus Lesezeichen, Sticker nin Form von Pflastern mit Motiven aus dem Buch, Zwick-Zwack-Tee von Sonnentor und einem Rezeptblock für die Mediziner, die damit auch täglich eine Gutenachtgeschichte, drei Purzelbäume oder den Besuch in der Bibliothek verschreibt können. Die Zusammenarbeit mit Ärzten hat einen einfachen wie logischen Hintergrund. „Das Projekt gibt Kindern einerseits die Möglichkeit Ängste, Sehnsüchte, aber auch Schmerzen in Worte zu fassen“, sagt die Mutter einer vierjährigen Tochter: „Andererseits unterstützt die Geborgenheit und das Wohlgefühl beim gemeinsamen Vorlesen beim kranken Kind zusätzlichen den Heilungsprozess.“
Buchstart ab Herbst
„Dr. Maus“ ist auch das Jubiläumsbuch der Initiative „Buchstart: mit Büchern wachsen“, die in Österreich seit zehn Jahren aktiv ist. Das Pendant in Vorarlberg heißt „Kinder lieben lesen.“ Nun soll ab Herbst Dr. Maus dazukommen und Freudenthaler hofft, dass sich die 81 Bibliotheken im Land – rund 70 davon sind in Träger- oder Mitträgerschaft der Pfarren – eifrig daran beteiligen. „Dr. Maus“ ist aber nur eine Idee, die Freudenthaler in einem ersten Jahr an den Start gebracht hat. Da gibt es noch die Spielerallye, zu der 27 Bibliotheken und Spielotheken eingeladen haben oder das Projekt „Maskenpflicht für Alltagshelden“, das gemeinsam mit Schülern der ersten Klassen der Mittelschule Sulz-Röthis entstand. Nicht zu vergessen, der für den Sommer geplante mobile Bücher-flohmarkt. Das Lastenrad voll bepackt mit Lektüre wird überall dort abgestellt, wo was los ist. Oder anders gesagt, Sie sorgt für eine Ode an die Lesefreude. Eben ganz nach ihrer Mission. CRO
„Das Projekt gibt Kindern einerseits die Möglichkeit Ängste, Sehnsüchte aber auch Schmerzen in Worte zu fassen.“



Zur Person
Silvia Freudenthaler
Alter. 37 Jahre
Wohnort Dornbirn
Familie Mann, Tochter, Hund
Studium Spanisch und Vergleichende Literaturwissenschaften in Wien und Spanien
Beruf Leiterin der Bibliotheken Fachstelle der Diözese Feldkirch
Hobbys Berge, Zelten, im Grünen sein, am Lagerfeuer sitzen, Reisen
Online www.leserezepte.at