Eine Chance auf Bildung

Karin Oberscheider verhilft Kindern in Senegal zu einer lebenswerten Zukunft.
KOBLACH Eine Kinderschar hängt sich an Karin Oberscheider. Die Mädchen und Buben tragen gelbe T-Shirts mit der Aufschrift „High Life Kids“. Sie plaudern, lachen, berühren. Und schwitzen. Es hat fast 40 Grad in Mbour, jener Küstenstadt im Westen von Senegal, wo Karin Oberscheider (57) ihr Hilfsprojekt – den Bau eines Kindergartens – realisiert hat. Dieser Film, den sie in ihrem Wohnzimmer in Koblach via Laptop vorführt, wurde 2020 in Mbour gedreht und zeigt Start und Fortschritt des Projekts.
Die Faszination für Senegal packte Karin 2010 während einer Trommelreise. Bis dahin hatte die Vorarlbergerin mit Afrika keine Berührungspunkte. Sie ist als älteste von drei Geschwistern in Klaus aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Ihre berufliche Laufbahn begann nach der Handelsschule im Ein- und Verkauf eines Unternehmens und entwickelte sich in einer eigenen Event-Agentur weiter. Seit 2007 ist sie Prokuristin bei Ländle TV. Zwischenzeitlich hat sie Günter Oberscheider geheiratet und wurde Mutter von zwei Töchtern – 1989 kam Bianca, 1992 Nina – und Großmutter von drei Enkeln.
Im Herbst 2014 machte Karin samt Nina und Bianca sowie Patenkind Fabio wieder einmal Ferien in Senegal. Gleichzeitig war ihr Trommellehrer, der in Vorarlberg lebende senegalesische Musiker Ibou Sene, in Mbour auf Heimaturlaub. Man traf sich zum Trommeln, wobei Ibou Sene von seinem Grundstück am Stadtrand berichtete und von seinem Traum, darauf einen Kindergarten zu bauen. Ihm fehlten jedoch die finanziellen Mittel.
Karin wusste über die katastrophale wirtschaftliche Lage und den Bildungsnotstand in der ehemaligen französischen Kolonie Bescheid, und auch, dass dort der Besuch einer guten Schule nur für Französisch sprechende Kindergartenabsolventen möglich ist. Die meisten Kinder sprechen jedoch nur die Sprache ihrer Volksgruppe – in Mbour dominieren die Volof. Französisch lernen sie im Kindergarten. Den können sich bedürftige Familien nicht leisten.Begeistert von Ibou Senes Idee begab sich Karin auf die Suche nach Geld. Der erste Geldgeber, Erich Nachbaur von der High Life Family, stellte sofort einen großzügigen Betrag zur Verfügung. „Dank Erich fingen wir Ende 2014 mit dem Bau des Kindergartens an“, sagt Karin. Ein halbes Jahr später war er fertig, im Oktober 2015 zogen 50 Drei- bis Fünfjährige ein. Gleichzeitig wurde High Life Kids als Verein gegründet. 2016 kamen mit Hilfe vom Land zwei Klassen dazu. Somit können nun 110 Kinder auf die Schule vorbereitet werden. 2018 wurde ein Grundstück dazugekauft und darauf ein Spielplatz errichtet.
Aktion Hilfspakete
Corona hat die Situation der Senegalesen massiv verschlechtert. Weil etwa die Tagelöhner kein Einkommen mehr haben, steigt die Hungersnot. Darum startete der Verein High Life Kids die Aktion Hilfspakete: „Wir unterstützen damit die High-Life-Kids-Familien mit Nahrung und Hygieneartikeln“, informiert Karin und versichert, dass „jeder gespendete Euro direkt in die Projekte fließt“. Für Hilfspakete und Kindergartenerhaltung benötigt die Vereinsobfrau Spenden: „Damit geben wir den Kindern eine Grundlage für Bildung und eine Chance auf eine lebenswerte Zukunft.“ HRJ
Wir unterstützen damit die High-Life-Kids-Familien mit Nahrung und Hygieneartikeln.




Zur Person
Karin Oberscheider
Geboren 26. März 1964
Wohnort Koblach
Beruf Prokuristin bei Ländle TV
Familie verheiratet, zwei Töchter, drei Enkelkinder
Info High Life Kids ko@laendletv.com