Kampf um Finaleinzug
Vincent Bueno hat heute, Donnerstag, seinen ersten großen Auftritt beim Eurovisions Song Contest.
Wien So lange musste noch kein österreichischer Kandidat beim Eurovision Song Contest warten, bis er im Rampenlicht vor vielen Millionen Menschen aus aller Welt stehen kann: Vincent Bueno hätte eigentlich bereits 2020 ins ESC-Rennen gehen sollen – bis auch das musikalische Großevent coronabedingt abgesagt wurde. Nun ist es heute, Donnerstag, für den 35-jährigen Wiener soweit, seinen Hut beim 2. Halbfinale des 65. Eurovision Song Contest in Rotterdam (ab 21 Uhr, ORF 1) in den Ring zu werfen. Im APA-Interview sprach der 35-Jährige über die spirituelle Dimension seines Liedes “Amen” und den Kampf mit dem eigenen Ego.
Sie mussten nun gut ein Jahr auf Ihren ESC-Auftritt warten. Wie nervenzehrend war das Coronajahr für Sie?
Bueno Dieses eine Jahr war so gut – auch für meine Familie. Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht und konnten den ersten Stress loslassen. Und wir haben die Zeit kreativ genutzt, um zu schauen, was wirklich der beste Song für den ESC ist.
Dass es nun, anders als im Vorjahr, kein von Ihnen geschriebener Song geworden ist, ist keine Kränkung?
Bueno Ich war sehr offen, Songs anzunehmen, wollte aber natürlich auch selbst Lieder beitragen – denn alles, was nicht für den Song Contest genommen wird, kann ich später für ein Album verwenden. Aber „Amen“ ist auch eine persönliche Lektion. Es geht um das Loslassen. Und speziell als Künstler hat man ja immer so sehr mit dem Ego zu kämpfen. Und wenn man das loslassen kann, bin ich überzeugt, dass Türen aufgehen, von denen man nie geträumt hätte.
War es auch entlastend, zumindest diesen Aspekt der Kreativarbeit hinter sich zu lassen?
Bueno Das ganze Jahr 2020 war eine Konfrontation mit dem eigenen Ego: Wo stehe ich gerade als Mensch. Und ich bin früh darauf gekommen, dass ich noch an Teilen meines Herzens arbeiten muss. Und ich bin froh, dass ich schnell erkannt habe, dass dieser Song für heuer besser passt als meine eigenen Songs. Ich fühle mich getragen.
„Amen“ ist selbstredend religiös konnotiert. Ist das eine bewusste Botschaft, die Sie aussenden möchten?
Bueno Als ich den Titel das erste Mal gehört habe, war ich selbst etwas perplex. Er hat natürlich eine starke Mystik, man merkt aber auch schnell, dass das kein christlicher Song ist, sondern beinahe ein zynisches „Dann ist es eben so“ am Ende einer Beziehung. Zugleich habe ich selbst gemerkt, dass ich meine spirituelle Seite da durchaus hineinlegen kann. Es gibt also viele Aspekte, nach denen man „Amen“ interpretieren kann.
Trauen Sie sich eine Prognose zu, ob es für Sie für das Finalticket reichen wird?
Bueno Ich bin sehr schlecht im Schätzen – da war ich nie gut drin.
Bleiben Sie auch dann in Rotterdam, wenn es wirklich nicht reichen sollte?
Bueno Wir bleiben bis zum Finale und gönnen uns dann wirklich endlich mal ein Bier! (lacht)