„Der Preis bedeutet uns sehr viel“

Der Vorarlberger Alexander Wostry erhielt für seine Pionierarbeit in Tansania den „One World Award“.
Morogoro, Schwarzach Alles begann vor über zehn Jahren mit 200 Dollar, einem winzigen Schuppen und dem „Garten der Solidarität“: Im Jahr 2008 absolvierte der gebürtige Feldkircher Alexander Wostry ein Praktikum bei einer kleinen NGO in Morogoro/Tansania. Der damals 30-Jährige, der Internationale Entwicklungsarbeit studiert hat, sah dabei viele seiner Bedenken gegenüber großen Entwicklungsprojekten bestätigt. Er beobachtete aber auch, dass Projekte im Bereich Landwirtschaft den Menschen wirklich weiterhelfen. Sein Ziel: Einen kleinen Demonstrationsgarten für ökologische Anbaumethoden zu errichten.
Alex Wostry wandte sich an gemeinnützige Schweizer Organisation Biovision. Die Verantwortlichen stellten ihm einen Laptop und einen Projektbeitrag als Starthilfe zur Verfügung. Gemeinsam mit einigen tansanischen Landwirtschaftsstudenten, darunter seine jetzige Ehefrau Janet Maro, machte sich der Vorarlberger daraufhin ans Werk, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Mittlerweile ist der „Garten der Solidarität“ zu etwas Großem, der Sustainable Agriculture Tanzania (SAT), herangereift. Herzstück sind die Lehrgärten am Hauptsitz in Morogoro und die Farm mit Ausbildungszentrum. Nun wurde das Projekt mit dem „One World Award“ ausgezeichnet. Mit dem Preis, der vom Biohersteller „Rapunzel Naturkost“ und der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) verliehen wird, werden Menschen und Projekte gewürdigt, die diese Welt besser und gerechter machen. „Der Preis bedeutet uns viel. Es ist derzeit die größte internationale Auszeichnung in der Biobranche und sie wird nur alle drei Jahre vergeben. Für uns ist das ein großer Push, der auch unseren Bauern und Bäuerinnen, mit denen wir zusammenarbeiten, eine große Bestätigung gibt, dass die wichtige Biopionierarbeit international anerkannt wird. Wichtig ist es auch, der Regierung zu zeigen, dass unsere Arbeit 1a ist und wir mit biologischer Landwirtschaft eine wichtige Schiene abdecken, die noch zu wenig Ressourcen im Land hat“, freut sich Alexander Wostry.
Bei SAT arbeiten heute 85 Menschen. Auf über 80 Hektar Land werden Ackerfrüchte, Gemüsesorten und Baumobst produziert. Das Ausbildungszentrum haben bereits knapp 5000 Kleinbauern, Viehhirten und Mitarbeiter von Non-Profit-Organisationen besucht. Seit dem Vorjahr gibt es außerdem das Sozialunternehmen SAT Holistic Group, das gegründet wurde, um Bauern mehr in die Wertschöpfungskette einzubeziehen und sie von einem guten Absatzmarkt profitieren zu lassen. „Unsere Vision ist, dass wir aktiv dabei mithelfen, Landwirtschaft in Afrika umzugestalten, und zwar mit agrarökologischen Methoden und alternativen Geschäftsmodellen. Wir möchten, dass die Mehrheit der Bauern und Bäuerinnen in einem gesunden Verhältnis mit der Natur stehen und für den Klimawandel gewappnet sind. Hinzu sollen die agrarökologischen Methoden ihnen dazu verhelfen, gute und sichere Erträge zu erzielen sowie ihren Lebensstandard zu verbessern“, schildert der Feldkircher. Was er und seine Frau Janet noch unbedingt erreichen wollen? „Die Region Morogoro, die größer als Österreich ist, zu 100 Prozent auf Bio umzustellen, als Modellregion für Afrika. Wir sind schon dabei und werden es vermutlich bis 2035 in Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern auch erreichen.“ vn-ger
„Für uns ist es ein großer Push, der auch unseren Bauern eine große Bestätigung gibt.“



Zur Person
Alexander Wostry
Geboren 3. Nov. 1978
Wohnort Morogoro/TZA
Laufbahn Maschinenschlosser, Sozialarbeit mit Menschen mit Behinderung, Studium Intern. Entwicklungsarbeit, Biobauer
Familie verheiratet mit Janet, drei Kinder