Struktur des Hofes bringt Stabilität

Tod von Prinz Philip: Wie schwer ist der Verlust für die Queen?
London Die Krönungszeremonie von Elizabeth II. im Jahr 1953 hatte mit ihren uralten Ritualen etwas von einem Gottesdienst. Doch als die Queen am Ende durch die Westminster Abbey schritt, wurde die Feierlichkeit von ihrem Gemahl kurz durchbrochen. Mit Blick auf ihre Krone fragte Philip: “Wo hast du den Hut her?”
Auf solche Einlagen, die in England als “comic relief”, als befreiende Komik, bekannt sind, wird seine Witwe verzichten müssen. Philips Tod hat nach den Worten von Sohn Prinz Andrew eine “große Leere in ihrem Leben” hinterlassen.
“Bei einer so langen Beziehung ist der Tod des einen Partners immer ein großer Schock”, analysiert Jürgen Margraf, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhruniversität Bochum. Es ändere sich der vertraute Lebensrhythmus, viele Stimulationen wie etwa positive Rückmeldungen fielen weg. Der Queen kämen vermutlich ihre eiserne Disziplin und die festen Strukturen des Hofes als Stabilitätsfaktoren zugute.
Die Queen selbst äußert sich selten über private Dinge, aber 1997 gab sie bei ihrer Goldenen Hochzeit einen kurzen Einblick. “Allzu oft musste Philip meine Ansprachen vorab mit anhören”, erzählte sie. “Dabei hat er mir recht unverblümt seine Meinung gesagt.” Er sei niemand, der gerne Komplimente bekomme, doch sei er ohne Zweifel “meine Stärke und mein Fels”.
Dass die Queen als Reaktion auf den Tod ihres Mannes abdanken könnte, glaubt Andrew James Johnston, Professor für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin, nicht. Die Queen nehme sich als Person sehr zurück. Vor diesem Hintergrund wäre eine Abdankung eine viel zu starke, zu emotionale Reaktion auf den Tod ihres Ehemanns.