“Schwerer Schlag” für Königshaus

Menschen / 08.03.2021 • 21:56 Uhr
Bei britischen Boulevard-Zeitungen gab es gestern kein anderes Thema. Afp
Bei britischen Boulevard-Zeitungen gab es gestern kein anderes Thema. Afp

Prinz Harry und Herzogin Meghan erheben in US-Interview grobe Vorwürfe.

los angeles, london Herzogin Meghan und Prinz Harry haben in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten US-Interview ein erschütterndes Bild des britischen Königshauses gezeichnet. Persönliche Angriffe gegen Mitglieder der Royal Family vermied das Paar zwar, doch warf es diesen implizit rassistisches Verhalten während Meghans Schwangerschaft mit Sohn Archie vor. Meghan erzählte auch von Selbstmordgedanken. Das Interview sei ein „schwerer Schlag“ für das Königshaus, kommentierte die BBC.

Rassismus

„Ich wollte einfach nicht mehr am Leben sein“, sagte Meghan in dem mit Spannung erwarteten Interview des US-Senders CBS über ihre Zeit, in der sie mit Sohn Archie schwanger war. „Ich dachte, es würde die Situation für alle lösen.“ Von der königlichen Familie fühlten sich der Enkel von Queen Elizabeth II. und seine Frau im Stich gelassen – auch beim Thema Rassismus. In den Jahren, die Meghan im Palast verbrachte, sei nie ein Familienmitglied gegen rassistische Angriffe in der Berichterstattung aufgestanden, kritisierte Harry. „Das hat wehgetan.“

Im Gegenteil: Rassistische Gedankenspiele kamen nach eigenen Worten auch in der eigenen Familie vor. Als sie mit Söhnchen Archie schwanger war, habe es Bedenken gegeben, „wie dunkel seine Haut sein könnte, wenn er geboren wird“, sagte Meghan. Er werde jedoch nie sagen, wer mit ihnen darüber gesprochen habe, betonte Harry. Die Vorwürfe betreffen nach Angaben von Moderatorin Oprah Winfrey aber weder die Queen noch Prinz Philip. Der Rassismus gegen Meghan habe „einen großen Teil“ der Entscheidung, die royalen Pflichten niederzulegen, ausgemacht, so Harry. 

Vergiftete Stimmung

Schon vor der Ausstrahlung wirkte die Stimmung zwischen dem Paar und dem Palast vergiftet. Zwar äußerten sich Queen und Co. nicht zu dem Interview und gingen demonstrativ ihren täglichen Pflichten nach. Doch in der britischen Öffentlichkeit gerieten Meghan und Harry schwer unter Beschuss. Es sei eine Frechheit, dass sie an der Ausstrahlung festhielten, obwohl Harrys Großvater Prinz Philip im Krankenhaus liege, so die Reaktion in manchen Medien. 

Doch das Paar bemühte sich sichtlich, nicht alle Brücken einzureißen. Harry nannte seine Großmutter, die Queen, als Vorbild. Meghan lobte ihre Schwägerin, Prinz Williams Ehefrau Kate, als „gute Person“ und widersprach damit Berichten über einen Bruch. Und auch mit seinem Bruder William hofft Harry auf eine Versöhnung. „Zeit heilt alle Wunden, hoffentlich“, sagte er. Nur seinen Vater Charles kritisierte der Prinz. „Ich werde ihn immer lieben, aber es gab sehr viele Kränkungen.“ Er fühle sich im Stich gelassen, obwohl der Thronfolger ihn doch eigentlich verstehen müsse – eine Anspielung auf die Turbulenzen um seine Mutter Prinzessin Diana, die 1997 auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

Geld haben die beiden nach eigenen Angaben nicht für ihr Gespräch mit Winfrey erhalten. Laut Harry erhalte er auch vom Palast seit etwa einem Jahr keine Mittel mehr. Er habe aber noch Ersparnisse aus dem Vermächtnis seiner Mutter, Prinzessin Diana. In zwei Stunden ließ Oprah Winfrey kaum ein Thema aus. Und erhielt einige Exklusivnachrichten. So etwa, dass das zweite Kind, das Meghan erwartet, ein Mädchen sein wird. Das Interview dürfte das Königshaus noch einige Zeit beschäftigen. Besonders der Rassismus-Vorwurf sei ein „bleibender Fleck“ für die Royals.

Mit ihren schonungslosen Offenbarungen über das Innenleben der Königsfamilie haben Prinz Harry und Herzogin Meghan Schockwellen über den Atlantik ausgesendet. Reuters
Mit ihren schonungslosen Offenbarungen über das Innenleben der Königsfamilie haben Prinz Harry und Herzogin Meghan Schockwellen über den Atlantik ausgesendet. Reuters