“Vergelt’s Gott, lieber Georg”

Menschen / 08.07.2020 • 22:37 Uhr
Bei einem feierlichen Requiem im Regensburger Dom haben Kirchenvertreter und Weg­gefährten am Mittwoch Abschied von Georg Ratzinger genommen. AFP
Bei einem feierlichen Requiem im Regensburger Dom haben Kirchenvertreter und Weg­gefährten am Mittwoch Abschied von Georg Ratzinger genommen. AFP

Ex-Papst Benedikt verfolgte Trauerfeier für Bruder im Internet.

Regensburg Bei einem feierlichen Requiem im Regensburger Dom haben Kirchenvertreter und Weggefährten Abschied vom einstigen Domkapellmeister Georg Ratzinger genommen. Sein jüngerer Bruder, der emeritierte Papst Benedikt XVI., war nicht zur Trauerfeier aus dem Vatikan angereist. Er sah sich das Requiem am Mittwoch via Livestream im Internet an, wie Bischof Rudolf Voderholzer sagte. Ratzinger, der von 1964 bis 1994 die Regensburger Domspatzen geleitet hatte, war am vergangenen Mittwoch im Alter von 96 Jahren gestorben.

Bewegt

Sichtlich bewegt und mit brüchiger Stimme verlas der Privatsekretär des früheren Papstes, Georg Gänswein, einen Dankesbrief Benedikts. Der frühere Papst erinnerte mit herzlichen Worten an den jüngsten Besuch bei seinem Bruder und dankte dafür, “dass ich in den letzten Tagen seines Lebens noch einmal mit ihm zusammen sein durfte”. Mit einem “Vergelt’s Gott, lieber Georg”, verabschiedete er sich. Gänswein kamen beim Lesen die Tränen. Benedikt sprach in dem Brief auch von der Musikalität seines Bruders und von der Freude, mit der dieser sein Amt als Domkapellmeister ausgeführt habe. Er sei auch ein Mensch von heiterer Geselligkeit gewesen und ein Mann des direkten Wortes, der seine Überzeugung offen aussprach.

Für fünf Tage war der frühere Pontifex im Juni überraschend nach Regensburg gereist, um seinen schwer erkrankten Bruder zu besuchen. Die beiden hatten Abschied von einander nehmen wollen. Aber, so Benedikt in seinem Brief, sie hätten gewusst, dass Gott ihnen in “der anderen Welt” ein neues Miteinander schenken würde. Der 93-Jährige lebt seit seiner Emeritierung im Jahr 2013 in einem Kloster im Vatikan. Dort hatte ihn Ratzinger immer wieder besucht.